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Automobilbranche Die Chancen der Zulieferer beim Elektroauto

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Markt für Antriebskomponenten

Erreicht werden kann dies mit vorhandenen Technologien wie der Kraftstoff-Direkteinspritzung, mit Turboladern und Start-Stopp-Systemen – allesamt Entwicklungen, bei denen deutsche Zulieferer wie Bosch oder Continental stark sind und bei denen nach Ansicht der Berater auch in Zukunft noch Wachstumspotenzial besteht. „Bei Turboladern erwarten wir bis 2020 ein jährliches Durchschnittswachstum von acht Prozent, bei Direkteinspritzanlagen von 18 Prozent, bei Start-Stopp-Systemen sogar von 31 Prozent“, sagt Haubensak. Sogar Auspuffanlagenhersteller wie Eberspächer in Esslingen haben darum gute Überlebenschancen: Abgasreinigung, eine Domäne des Unternehmens, gehört mit einem voraussichtlichen jährlichen Wachstum von etwa elf Prozent ebenfalls zu den Zukunftsmärkten (siehe Grafik).

Welche immensen technischen Herausforderungen die Zulieferer bei der Optimierung herkömmlicher Aggregate bewältigen müssen, zeigen die Entwicklungen beim Kolbenhersteller Kolbenschmidt Pierburg in Neckarsulm: Ist ein Problem gelöst, taucht ein neues auf. Da die künftigen Verbrennungsmotoren kleiner sind, müssen sie schneller laufen, um die gleiche Leistung zu bringen – das beansprucht aber die Wälzlager stärker.

Die Lager haben auch mehr auszuhalten, wenn die Motoren – wie im Hybridbetrieb üblich – über eine Start-Stopp-Automatik verfügen. Die senkt zwar Spritverbrauch und CO2-Ausstoß, hat aber einen Nachteil: Wenn der Motor stillsteht, ist auch der für die Schmierung aller beweglichen Teile notwendige Ölkreislauf unterbrochen. Und noch ein Problem verursacht die Start-Stopp-Technik: Die normalerweise über einen Zahnriemen angetriebene Kühlmittelpumpe läuft beim Stopp nicht mehr – und muss durch eine elektrische Pumpe ersetzt werden.

Neue Lösungen für die Kühlung

Vor ganz neuen Problemen stehen Zulieferer, die sich um Kühlung, Belüftung, Heizung und Klimatisierung des E-Autos kümmern. Zwar braucht der Elektromotor kein Kühlsystem, dafür muss die Batterie gekühlt werden, damit sie nicht überhitzt und im Extremfall explodiert.

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    Auch geheizt wird im Elektroauto anders. Bei Benzin- oder Dieselmotoren wird die Abwärme über Wärmetauscher in den Innenraum geleitet. Beim E-Mobil mit Batterien, die bei niedrigen Temperaturen ohnehin unter Leistungsverlust leiden, funktioniert das nicht. „Stattdessen wird es sogenannte Latentwärmespeicher geben, die nach dem Prinzip der Thermoskanne die Motorwärme speichern und später dosiert wieder abgeben“, erläutert Christian Schäfer vom Zulieferer Delphi Automotive Systems.

    Deutsche Zulieferer mit Chancen

    Die deutschen Zulieferer haben nach Experteneinschätzung gute Chancen, die Veränderungen zu meistern. „Aber die betroffenen Unternehmen müssen die noch verbleibende Zeit nutzen“, sagt A.T. Kearney-Berater Haubensak. Entweder, indem sie in die neue Technik investieren oder durch Übernahme von Mitbewerbern.

    Und selbst, wo das nicht klappt, bleibt den Herstellern konventioneller Technik immer noch die im Beraterjargon „Last-Man-Standing“ genannte Strategie. Haubensak: „Auch in Zukunft werden noch Kolben, Zylinder oder Auspuffanlagen gebraucht – wer Kosten-, Technologie- und Qualitätsführerschaft vereint, hat gute Chancen, sich im rauer werdenden Wettbewerb durchzusetzen.“ 

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