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Automobilindustrie So stark bremst die Halbleiter-Krise die Autoproduktion

Nach der aktuellen Schätzung laufen rund 600.000 Fahrzeuge aufgrund der Halbleiterknappheit weniger als ursprünglich erwartet vom Band. Quelle: dpa

Der Mangel an Halbleitern bleibt ein Bremsklotz für die deutschen Autobauer. Deshalb senkte der Verband der Automobilindustrie seine Jahresprognose für die Produktion auf 3,6 Millionen Autos.

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Der Verband der Automobilindustrie (VDA) senkte am Montag erneut seine Jahresprognose für die Pkw-Produktion auf 3,6 Millionen Fahrzeuge. Der Grund: Halbleiterknappheit. Das wäre gegenüber der von Corona-Lockdowns gedämpften Vorjahrsproduktion nur noch ein Plus von drei Prozent. Vor zwei Monaten hatte der VDA die Wachstumsprognose erst auf 13 von 20 Prozent gekappt. Nach der aktuellen Schätzung laufen rund 600.000 Fahrzeuge weniger als ursprünglich erwartet vom Band. „Weiterhin bleiben die Lieferengpässe bei Halbleitern ein Hindernis für die Produktion“, erklärte der VDA.

Steuerchips sind seit Ende letzten Jahres Mangelware im Automobilbau, weil die Chip-Hersteller durch die veränderte Nachfrage in der Corona-Pandemie vor allem die Produzenten von Smartphones, Computern oder Spielekonsolen beliefern. Bei allen deutschen Autobauern stehen deshalb zeitweise die Bänder still und Kurzarbeit wird angeordnet. Mittlerweile betrifft das auch BMW, nachdem die Münchner zunächst dank höherer Bestände wenig betroffen waren.

Die Produktionsengpässe bremsten auch den Absatz von Neuwagen in Deutschland, während Gebrauchtwagen stärker gefragt seien und teurer würden, erklärte Peter Fuß, Autoexperte von der Unternehmensberatung EY. „Von einer durchgreifenden Markterholung kann immer noch keine Rede sein“, erklärte er. Im Juni wurden mit 274.152 Fahrzeugen fast 25 Prozent mehr neu zugelassen als im Vorjahresmonat, wie das Kraftfahrtbundesamt (KBA) mitteilte. Die Lücke gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 verringerte sich damit von 31 Prozent im Mai auf nunmehr 16 Prozent, erklärte Fuß. „Das Vorkrisenniveau bleibt in weiter Ferne.“ Trotz der Aufholjagd nach dem Corona-Schock werde die Zahl der Neuzulassungen auch im Gesamtjahr das Vorkrisenniveau bei Weitem nicht erreichen. Der Verband der Pkw-Importeure VDIK erwartet für 2021 ein Wachstum von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,1 Millionen Neuzulassungen. Damit läge das Volumen nur noch vier Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.

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Mit der Klimaschutzdiskussion und der staatlichen Förderung alternativer Antriebe verschieben sich die Marktanteile immer stärker weg von Verbrennern zu Elektroautos und Hybridmodellen. So sorgten 33.420 neu zugelassene Elektroautos für einen Anstieg um 311,6 Prozent, der Markanteil war mit 12,2 Prozent gut drei Mal so hoch wie vor Jahresfrist. Hybrid-Fahrzeuge, bei denen ein Batterieantrieb den Verbrennermotor ergänzt, legten um rund 153 Prozent auf 76.564 Pkw zu. Fast jeder vierte Neuwagen hat damit keinen reinen Benzin- oder Dieselmotor mehr. Knapp 40 Prozent der Neuwagen waren im Juni noch Benziner, fast 20 Prozent mit Dieselmotoren ausgestattet.

Marktführer unter den Marken blieb im ersten Halbjahr Volkswagen mit einem Anteil von knapp 20 Prozent, gefolgt von den Premiumherstellern BMW und Mercedes mit jeweils achteinhalb Prozent. Von den Importmarken hatte die Volkswagen-Tochter Skoda mit einem Marktanteil von sechs Prozent die Nase vorn.

Mehr zum Thema: Der Chip-Mangel lähmt derzeit Industrien. Dells oberster Technologiechef John Roese erzählt im Interview, warum der Computerhersteller gut durch die Krise kommt.

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