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Autonomer Audi A7 Nicht lenken, nicht Gas geben, nicht bremsen

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Sanft aber doch nachdrücklich

Was dabei lange als großes Problem gebrandmarkt und heftig diskutiert wurde ist jetzt offenbar gelöst: Die Frage wer haftet, wenn Parkpilot oder Staupilot einen Fehler machen und es kracht? Der Fahrer oder der Hersteller? Für Miklos Kiss, den Leiter der Vorentwicklung Fahrerassistenzsysteme bei Audi ist das klar: „Wenn unsere Piloten einen Fehler machen würden, der zu einem Unfall führt, tragen wir die Verantwortung.“

Doch er macht auch klar, dass das eine gesetzliche Regelung zur Datenerfassung zwingend erfordert: „Wir brauchen bereits für den A8 einen Datenspeicher, der jeweils die letzten 30 Sekunden der Fahrt aufzeichnet“. Die Blackbox, wie sie beispielsweise bei Flugzeugen längst üblich ist, soll nicht nur die Schuldfrage klären, sondern auch helfen mögliche Schwachstellen des Systems zu beheben. Der Haken: Noch ist die Datenerfassung in Deutschland für Autos nicht erlaubt.

Noch viele Hürden für selbstfahrende Autos

Überraschend  ist auch eine andere Aussage: Lange galt als Voraussetzung für das selbstfahrende Auto die sogenannte Car-to-Car- und Car-to-Infrastructure-Kommunikation. Fahrzeuge sollten sich damit untereinander vor Staus, Nebel und Unfällen warnen oder durch extra an Straßen aufgebauten Sendeeinheiten informiert werden. Doch Ingenieur Kiss sagt: „Es wäre zwar schön so etwas zu haben, aber wir brauchen es nicht zwingend.“ Zumal die Kommunen das Geld für diese Infrastruktur nicht haben. Einer der wichtigsten Wünsche an die Verkehrsminister des Bundes und der Länder ist deshalb: „Wenn wir überall saubere Straßenmarkierungen haben, können sich unsere Fahrzeuge bestens orientieren“, verspricht Kiss.

Unser Redakteuer Jürgen Rees ohne Hände am Lenkrad Quelle: Bernhard Huber

Unsere Zeit des pilotierten Fahrens auf der Autobahn A9 ist gleich zu Ende. Das System im Audi A7 muss jetzt mich, den vielleicht dösenden oder Emails lesenden Fahrer so sanft wecken, dass ich zwar merke, dass ich wieder fahren muss – ohne jedoch vor Schreck das Lenkrad zu verreißen oder unnötig hektisch zu bremsen.

Der Audi A7 erledigt die Aufgabe recht sanft aber doch nachdrücklich: Eine Frauenstimme sagt, dass ich in wenigen Sekunden übernehmen soll, danach dringt ein etwas aufdringlicheres Klingelzeichen ans Ohr, gleichzeitig wechselt die LED-Leiste unterhalb der Windschutzscheibe, die die ganze Zeit in beruhigendem Grün leuchtete, auf ein grelles Orange und dann auf ein alarmierendes Rot. Hätte ich dann immer noch nicht reagiert, würde der Wagen einen Nothalt auf dem Seitenstreifen einleiten und danach einen Notruf absetzen.

Auto



Aber das will ich beides nicht. Deswegen nehme ich das Lenkrad wieder in die Hand und denke, dass ich mich so einem zumindest teilweise selbstfahrenden Wagen im Alltag gerne anvertrauen und Komfort wie Sicherheit schätzen würde. Und abschalten oder übersteuern kann man den automatischen Piloten ja glücklicherweise auch.

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