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Autostudie Was Frauen von ihrem Auto wollen

Eine fahrende Kommandozentrale mit Zugang zum sozialen Netz - das wünschen sich Frauen von ihrem Auto, sagt das Kompetenzzentrum Frau und Auto. Ein Frauenauto wollen sie aber nicht.

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Eine Frau telefoniert am Dienstag (24.04.2012) in Kaufbeuren (Schwaben) während des Autofahrens mit einem Handy. Quelle: dpa

Die Frage, was Frauen wollen, treibt auch die Herren in der Automobilbranche um. Bisher stand nur fest: Frauen haben mehr Ansprüche an ihr Auto als Männer. Mittlerweile sind etwa 36 Prozent der Autos in Deutschland auf Frauen zugelassen - und es werden mehr. Deshalb untersuchen sechs Professoren am Kompetenzzentrum Frau und Auto in Mönchengladbach seit neun Jahren, welche Autos Frauen kaufen und wie sie sich ihren Traumwagen vorstellen. Sie kommen von verschiedenen Hochschulen und bekommen Aufträge aus der Industrie - denn besonders die Autobauer interessieren sich dafür, was Frauen haben wollen. "Wir machen etwas, was die Industrie nicht macht - wir schauen auf die Frauen und leiten daraus Bedürfnisse ab. Die Hersteller sehen auf die Modellpalette und suchen dafür Zielgruppen", sagt Doris Kortus-Schultes vom Kompetenzzentrum.

Fahrende Kommunikationszentrale

Sie hat festgestellt, dass besonders die junge Frauen "das Auto wie eine Kommandozentrale nutzen und auf soziale Netzwerke zugreifen wollen", sagt sie. Dazu stünden Frauen auf starke Motoren. "Frauen verwenden das Auto vielfältiger", sagte die Wirtschaftswissenschaftlerin anlässlich einer Tagung in Göttingen, bei der es bis Dienstag unter anderem um die Themen Mobilität, Kommunikation und Interaktion geht. "Sie wollen die Zeit nutzen, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben." Besonders wichtig sei den technikaffinen Frauen, dass sie auch unterwegs ihre Apps nutzen und ihrem Auto via Sprachsteuerung Befehle erteilen können. Auch der Ausbau der Freisprecheinrichtungen sei sehr wichtig.

Einziges Manko: Noch seien die Neuwagen eher auf den männlichen Geschmack abgestimmt, sagt Kortus-Schultes. Frauen wünschen sich, dass sie ihr Smartphone und die damit verbundenen Dienste auch während der Fahrt nutzen können, sie wollen viel mehr Kommunikation im Auto - das ist ihnen wichtiger, als dass Autos untereinander kommunizieren können. Außer im Opel Adam bieten die deutschen Autobauer diesen Service allerdings nicht an. "Es wäre wichtig, die Kommunikationsdienste in Klein- und Kleinstwagen zu integrieren", sagt die Wissenschaftlerin. Schließlich kaufen gerade junge Frauen Autos aus diesem Segment. Darauf sollten deutsche Autobauer achten, wenn sie Frauen ansprechen wollen. "Sonst kommen uns hier die Koreaner und andere Hersteller aus Asien zuvor", ist sich Kortus-Schultes sicher.

Keine rosa Frauenautos

Welche Automarken die Deutschen lieben
Forscher des Automotive Institute for Management (AIM) an der European Business School in Oestrich-Winkel haben den Wert von Automarken aus Sicht der Kunden bestimmt. Fast 1400 Kunden von 15 Automarken wurden dafür befragt. In die Bewertung flossen die Beurteilung der Markenstärke, Kundenbindung sowie Qualität und Service mit ein. Die Beurteilung dieser Dimensionen erfolgte mit Werten von 1 = ganz schwach bis 7 = ganz stark. Die Gesamtwertung ergibt sich aus den Mittelwerten der einzelnen Bereiche. Und hier das Ergebnis... Quelle: dpa
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Platz 13: FordWertung: 5,41 Nur noch knapp hinter Opel und schon auf der Überholspur mit einer konsistenten Modellpolitik und sparsamen Motoren. Quelle: obs
Platz 12: OpelWertung: 5,42 Zuverlässige und ansehnliche Produkte, aber die Marke hat ein Loser-Image Quelle: dpa
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Platz 10: HyundaiWertung: 5,49 Der Emporkömmling aus Korea. Noch ist der Preis der wichtigste Kaufgrund. Quelle: REUTERS

Trotz der Wünsche der Frauen sagt die Expertin: "Es gibt kein Frauenauto" - gerade Frauen im Alter von 25 bis 35 wollen keine runden, kleinen, rosa Autos. Auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR Center for Automotive Reserach fällt die Kategorisierung in Damenmodell und Herrenmodell schwer. "Das „Frauen-Auto" würde ich genauso wenig machen wie das „Männer-Auto“." Die Wahl des Autos richte sich nach Alter und Lebenssituation, beispielsweise ob man Kinder habe. "Da geht es nicht um Mann oder Frau", sagt er.

Frauenfeindliche Autowerbung?

Nach Meinung des CAR-Leiters gebe es zwar einige Unterschiede in den Präferenzen von Mann und Frau beim Autokauf, doch in erster Linie gehe es um die Ansprache der Zielgruppe. "Die Autobauer machen in erster Linie Männerautos. Sehen Sie sich nur an, wie Autos auf den großen Autoausstellungen wie der IAA präsentiert werden – das ist zutiefst frauenfeindlich. Keine Frau würde sich so eine Messe freiwillig antun". Hier widerspricht Doris Kortus-Schultes: Die Autoindustrie sei keine Männerdomäne und gerade die französischen Hersteller von Klein- und Kleinstwagen sprächen mit ihren witzigen Werbekampagnen vor allem Frauen an. Davon könnten sich deutsche Firmen noch eine Scheibe abschneiden.

Auto



So sieht es auch Dudenhöffer. Wenn Autobauer mehr Autos an Frauen verkaufen wollen, müssen sie ihre Produktkommunikation ändern. Es liege nicht an den Autos selbst, sondern wie sie verkauft würden. "Das fängt an beim Autohaus im Gewerbegebiet auf dem grünen Wiese, was Frauen nicht anspricht und endet in der Produktdarstellung, wo die PS-Zahl im Mittelpunkt steht - das interessiert Frauen weniger", ist sicher Dudenhöffer sicher. Die Autos mit modischen Accessoires für Frauen attraktiver machen zu wollen, funktioniert nach seiner Beobachtung genauso wenig: "Wenn sie mit dem Handtaschenhalter anfangen, dann haben sie verloren". Frauen liebten quirlige, schicke Modelle, gut motorisiert, aber "ohne protzige PS-Zahl". Deshalb käme der BMW Mini speziell bei Frauen gut an.

Mit Material von dpa

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