Autozoom

648.000 Kilometer im Elektroauto

Martin Seiwert
Martin Seiwert Redakteur Blickpunkte

Ein dreijähriger Praxistest in England zeigt: E-Mobile sind praxistauglich und dabei klimaschonender als Benziner oder Dieselfahrzeuge. Höchste Zeit, dass die Elektroauto-Feinde von Greenpeace ihre Position überdenken.

Elektroautos, die zu haben sind
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
Porsche Panamera S E Hybrid Quelle: Porsche
Renault FluenceMarke: Renault Modell: Fluence Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat Reichweite (in km): 185 km Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS Quelle: Presse
Mercedes SLS ed Quelle: Daimler
Renault TwizyMit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Marke: Renault Modell: Twizy Urban Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an Reichweite (in km): 100 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80 Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3 Quelle: dapd
Smart ed Quelle: Daimler
Kangoo RapidDer Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.   Marke: Renault Modell: Kangoo Rapid Z.E. Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse
Renault ZoeMarke: Renault Modell: Renault Zoe Grundpreis (inkl. MwSt): 21.700 (+ 79 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 210 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 135 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt 213 Elektro- oder Hybrid-Modelle von Renault wurden nach einer Studie des CAR Instituts von Ferdinand Dudenhöffer 2012 in Deutschland zugelassen. Bis April 2013 folgten weitere 61. Ab 8. Juni ist der Renault Zoe (Foto) auf dem deutschen Markt zu haben und soll den Absatz ankurbeln. Quelle: Renault
BMW i3Marke: BMW Modell: i3 - ab November 2013 im Handel Grundpreis (inkl. MwSt): etwa 34.950 Euro Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 150 Stromverbrauch (kWh/100km): 12,9 Bisher hatte BWM in punkto Plug-In-Technologie und Elektroantrieb wenig zu bieten. So kommt es auch, dass zwischen Januar und April 2013 nur 23 Fahrzeuge des bayerischen Autobauers in der Zulassungsstatistik auftauchen. Nach einer Hochrechnung des CAR Center Automotive Research könnten es dank des i3 bis zum Jahresende 500 Fahrzeuge sein. BMW spricht bereits von 9000 festen Kaufabsichten und will in den kommenden Jahren rund 50.000 i3 bauen. Foto: Steffen Jahn/BMW Quelle: dpa
Opel AmperaMit dem Ampera legte Opel 2012 ganz schön vor: 828 Zulassungen auf Opel-Modelle mit Elektro-/Hybrid-Antrieb zählten die Zulassungsbehörde. Bis April 2013 wurden aber nur noch 100 Opel-Modelle mit Elektroantrieb neu zugelassen - zum Jahresende könnten es rund 300 sein. Opel scheint sich etwas Neues einfallen lassen zu müssen, will die GM-Tochter vom Elektro-Trend profitieren. Marke: Opel Modell: Ampera Grundpreis (inkl. MwSt): 43.900 Reichweite (in km): reich elektrisch zwischen 40 und 80 Kilometer Höchstgeschwindigkeit (km/h): 160 Stromverbrauch (kWh/100km): 15-20 Quelle: Opel
i-MievDen i-MiEV, ein Elektrofahrzeug auf Basis des in Japan bekannten Mikrocars i, präsentierte Mitsubishi bereits auf der IAA 2007 zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit.   Marke: Mitsubishi Modell: i-Miev Grundpreis (inkl. MwSt): 34.990 Euro Reichweite (in km): 150 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): 13,5 Mit dem iMiev startete Mitsubishi relativ erfolgreich. 2011 wurden insgesamt 683 Elektro-Modelle der Marke in Deutschland zugelassen, doch 2012 ebbte das Interesse merklich ab. Nur noch 96 Neuzulassungen auf Ökomodelle von Mitsubishi weist die Statistik aus. Bis April 2013 kamen 39 dazu. Das CAR-Institut rechnet mit nicht mehr als 126 Modellen bis zum Jahresende. Quelle: Presse
Berlingo First ElectricDer Citroën Berlingo First Electric ist als Firmenwagen für die Stadt konzipiert. Für Handwerker, Pflegedienste oder Lieferanten kann es sich auf Dauer rechnen, Strom statt Benzin zu tanken.   Marke: Citroën Modell: Berlingo First Electric Grundpreis (inkl. MwSt): 50.694 Euro Reichweite (in km): 120 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 110 Stromverbrauch (kWh/100km): 21 Im vergangenen Jahr wurden insgesamt mehr als 454 Citroen-Modelle mit emissionsarmen Antrieben in Deutschland zugelassen. Bis April 2013 weitere 262. Nach der Hochrechnung des CAR-Instituts schaffen die Franzosen die Vorjahresmarke nicht mehr und müssen sich bis Jahresende mit 350 verkauften Stromern zufrieden geben. Quelle: Presse
Peugeot iOnDer Elektroflitzer von Peugeot ist baugleich mit dem Mitsubishi i-Miev und dem Citroen C-Zero. Der Lithium-Ionen-Akku lädt 6 Stunden. Marke: Peugeot Modell: iOn Grundpreis (inkl. MwSt): 29.393 Euro Reichweite (in km): 150 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): 13,5 Der Schwester-Konzern von Citroen wollte die Kundschaft mit dem Elektro-Flitzer iOn für sich gewinnen. In Deutschland ließen sich im vergangenen Jahr 263 Autofahrer von einem emissionsarmen Peugeot-Modell überzeugen. Bis Ende April 2013 nur weitere 27, so dass zum Jahresende wohl nur rund 80 Ökofahrzeuge vom Hof fahren. Quelle: dpa
Tesla RoadsterWer sagt, dass Elektroautos nur was für Öko-Latschen-Träger sind und nicht schnell und sexy sein können? Der Tesla Roadster beweist das Gegenteil. Mit 288 PS kommt er in 3,7 Sekunden von 0 auf 97 Stundenkilometer. Der Lithium-Ionen-Akku ist in 3,5 Stunden voll aufgeladen.   Marke: Tesla Modell: Roadster Grundpreis (inkl. MwSt): 118.00 Euro Reichweite (in km): 340 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 201 Stromverbrauch (kWh/100km): 12,7 Quelle: Presse
Tesla Model S Quelle: Tesla
LeafDer Nissan Leaf erfreute sich bereits vor Marktstart größerer Beliebtheit. In den USA wurden Mitte 2010 innerhalb von neun Tagen ganze 8000 Exemplare vorbestellt.   Marke: Nissan Modell: Leaf Grundpreis (inkl. MwSt): ab 30.000 Euro (Preis sinkt auf 24.000 Euro, wenn Batterie fpr 79 Euro im Monat gemietet wird) Reichweite (in km): max. 200 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 145 Stromverbrauch (kWh/100km): 15 Nissan kann sich als einer der wenigen Autobauer bisher zunehmend erfolgreich im Elektro-Markt behaupten. 2012 zählte das KBA gut 450 Neuzulassungen auf Nissan-Modelle. In den ersten vier Monaten verkauft er sich rund 240 Mal. Zum Jahresende könnten rund 500 Neuzulassungen auf das Konto von Nissan gehen. Quelle: dapd
Volvo C30 ElectricVom C30 des schwedischen Autobauers sollen europaweit nur 250 Exemplare ausgeliefert werden. Das Auto ist nur für drei Jahre zu leasen. Die Batterieladedauer ist mit 8 bis 10 Stunden verhältnismäßig hoch. Marke: Volvo Modell: C30 Grundpreis (inkl. MwSt): 1131 Euro Monatsrate bei drei Jahren Leasing Reichweite (in km): 163 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): 15 Die Schweden, die jetzt zum chinesischen Autokonzern Gheely gehören, haben 2012 gerade einmal 12 Elektromobile in Deutschland verkauft. Dieses Jahr könnten es 20 werden. Sehr überschaubar. Quelle: dpa
Transit Connect ElectricDie modernen Batterien des Ford Transit Connect Electric kommen von Johnson Controls. Der Zulieferer präsentierte das neue Batteriesystem mit einer Lebensdauer von 300.000 Kilometern auf der Hannover Messe.    Marke: Ford Modell: Transit Connect Electric Grundpreis (inkl. MwSt): ab 53.544 Euro Reichweite (in km): 130 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 120 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse
Ford Focus ElectricDer Focus Electric des amerikanischen Autokonzerns Ford ist das Flaggschiff der Elektro-Flotte und der erste rein elektrisch angetriebene Pkw des Unternehmens. Seine Ladezeit gibt der Hersteller mit 3 bis 4 Stunden an. Im Sommer 2013 kommt er nach Deutschland. Marke: Ford Modell: Focus Electric Grundpreis (inkl. MwSt): noch nicht genannt Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 136 Stromverbrauch (kWh/100km): noch nicht genannt Quelle: rtr
AmperaDer Opel Ampera ist baugleich mit dem Chevrolet Volt. Mit einer Reichweite von über 500 Kilometern taugt er sogar für eine Familienreise.   Marke: Opel Modell: Grundpreis (inkl. MwSt): 42.900 Euro Reichweite (in km): EV 30-80 / Gesamt über 500 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 161 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse

Es ist ein höchst merkwürdiger Glaubenskrieg ums Elektroauto entbrannt. Ausgerechnet ein Teil der Öko-Szene, die jahrzehntelang der Autoindustrie vorwarf, den Elektroantrieb böswillig zu verhindern und mit der Öl-Lobby zu paktieren, hat sich vom E-Auto abgewandt. Ihr wichtigstes Argument: Für das Klima bringe das Elektroauto nichts, weil der benötigte Strom klimaschädlich erzeugt sei. Die Stromer seien nichts anderes als grüne Deckmäntelchen der Autoindustrie.

Die grünen Kritiker der E-Mobile werden angeführt von der mächtigsten Umweltorganisation der Welt, von Greenpeace. Der Stromverbrauch von Elektroautos sei in der Praxis höher als von den Herstellern angegeben, lautet eines der Greenpeace-Argumente. Betankt mit deutschem Durchschnittsstrom, der einen hohen Anteil von Kohlestrom enthalte, seien Elektroautos klimaschädlicher als vergleichbare Benziner. Außerdem seien Elektroautos nicht alltagstauglich, da sie ständig an die Steckdose müssten.

Das Fazit von Greenpeace: Verbrennungsmotoren seien dem Elektroantrieb „auf lange Zeit“ überlegen. Diese Erkenntnis von Greenpeace basiert, soweit ersichtlich, auf der Lektüre von Fahrzeugdaten und einem fünfmonatigen Test mit einem elektrischen BMW Mini, der nur zu Versuchszwecken gebaut wurde und niemals in den Handel kommen wird.

Die erfolgreichsten Elektroautos
Chevrolet Volt Quelle: GM
Renault Zoe Quelle: Renault
Nissan Leaf Quelle: Nissan
Tesla Model S Quelle: Tesla
Audi A§ e-tron Quelle: AP/dpa
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
BMW i3 Quelle: dpa

Eine wissenschaftliche Studie ist etwas anderes. Zum Beispiel das, was die britische Newcastle University – einer der renommiertesten Forschungseinrichtungen auf der Insel – unlängst vorlegte. Die britischen Wissenschaftler haben nicht wie Greenpeace ein Elektroauto getestet, sondern 44 an der Zahl. Nicht ein Forschungsfahrzeug wurde untersucht, sondern größtenteils im Handel erhältliche Serienmodelle. Den Test machten 200 freiwillige Teilnehmer, die versuchten, ihre Alltagsfahrten mit E-Mobilen zu bewältigen. Der Praxistest lief nicht über fünf Monate sondern über drei Jahre. Die Elektroautonutzer absolvierten 71.600 Fahrten, luden die Autos 19.900 Mal auf und legten insgesamt 648.000 Kilometer zurück.

Das Ergebnis: Obwohl die Autos vorwiegend mit Kohlestrom betankt wurden, waren die CO2-Emissionen um 40 Prozent niedriger als bei vergleichbaren Benzinern. Berücksichtigt man die CO2-Emissionen bei der Benzin-Herstellung, vergrößert sich der Vorteil der Elektroautos auf über 50 Prozent. Zudem ersparten die Elektroautos Anwohnern signifikante Mengen an Schadstoffen, die bei der Verbrennung von Kraftstoffen entstehen. Elektroautos sind, so das Fazit, besser für Mensch und Umwelt.

Und was ist mit der von Greenpeace bemängelten Alltagstauglichkeit der E-Mobile? 93 Prozent der Fahrten waren unter 40 Kilometer und konnten ohne  Probleme mit den Batterie-Autos zurückgelegt werden. „Elektroautos passen zu unserem heutigen Lebensstil und erfordern keine Veränderung der Fahrgewohnheiten“, so das Resümee von Studienautorin Yvonne Huebner.

In Arbeit
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Beim derzeitigen deutschen Strommix, der einen geringeren Anteil von Kohlestrom als Nordengland hat, wäre der Test wohl noch besser ausgefallen. Noch besser wäre die Bilanz mit dem Strommix, den wir dank boomender Wind- und Solarenergie in einigen Jahren in Deutschland haben werden. Ganz zu schweigen von einer Versorgung mit grünem Strom, wie ihn Greenpeace selbst vertreibt: Mit „Greenpeace Energy“ betankt, ist der CO2-Ausstoß von Elektroautos nahe null.

Aber darüber redet Greenpeace – merkwürdigerweise – nicht gern. Vielleicht, weil grüne Mobilität made by BMW, VW und Mercedes so schlecht zu den Anti-Autoindustrie-Kampagnen der Öko-Aktivisten passt?

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