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Autozoom

Absatzkrise erfasst auch deutsche Hersteller

Franz W. Rother Chefredakteur Edison

Die Euro- und Schuldenkrise hat ihre Spuren hinterlassen. Wo Arbeit und Einkommen fehlen, blüht allenfalls der Markt für Gebrauchtwagen. Die schlechten Absatzzahlen auch aus Deutschland sind ein Warnsignal.

Selbst Rabatte auf Rekordniveau, Zulassungs-Tricksereien zum Monatsende und eine Vielzahl neuer Modelle zum Jahreswechsel haben die potenziellen Privatkunden nicht zum Kauf animieren können. Die schlechten Zahlen an PKW-Neuzulassungen in Deutschland sind ein Warnsignal. Quelle: dpa

Griechenland, Zypern und Portugal liegen am Boden. Frankreich, Spanien, Italien, Belgien und Irland sind schwer angeschlagen. Die Niederlande und auch Deutschland schwächeln. Nur Großbritannien, Luxemburg und die Schweiz haben mit der ganzen Krise nichts zu tun: Die aktuellen Zahlen des Fahrzeugherstellerverbandes ACEA über die Pkw-Zulassungen des vergangenen Jahres bilden die wirtschaftliche Lage in den Ländern der EU recht gut ab.

Etwas mehr als zwölf Millionen Pkw wurden im vergangenen Jahr in den Verkehr gebracht – 8,2 Prozent oder rund eine Million Fahrzeuge weniger als 2011. Man muss nicht Volkswirtschaft studiert haben, um konstatieren zu können: Die Euro- und Schuldenkrise hat ihre Spuren hinterlassen. Wo Arbeit und Einkommen fehlen, blüht allenfalls der Markt für Gebrauchtwagen. Neufahrzeuge jedoch bleiben für diese Menschen Traumwagen.

Welche Autobauer am besten für die Zukunft gerüstet sind
Mazda Quelle: dapd
Suzuki Quelle: obs
Der PSA-Konzern, zu dem die Marken Peugeot und Citroen gehören, liegt wie zuvor auf Platz 11. Für die Franzosen rächt sich laut CAM-Ranking ihre starke Fokussierung auf den europäischen Markt, der zunehmend härter umkämpft wird und zugleich Marktrückgänge verzeichnet. Quelle: dpa
Ebenfalls noch im Bereich der "Low Performer" befindet sich der Renault-Konzern. Allerdings konnte sich das französische Unternehmen um respektable vier Plätze nach oben kämpfen und landete so immerhin auf Platz 10. Und das, obwohl Renault einen Absatzrückgang von 7,1 Prozent verkraften musste. Quelle: REUTERS
Chrysler Quelle: REUTERS
Toyota Quelle: REUTERS
nissan Carlos Ghosn Quelle: REUTERS

Die schlechten Zahlen aus den so genannten PIGS-Staaten (Portugal minus 38 Prozent, Irland minus 12 Prozent, Griechenland minus 40 Prozent und Spanien minus 13 Prozent), die der ACEA in seiner Jahresbilanz vermeldet, werden deshalb in der Autoindustrie niemand verwundern. Und man braucht nicht erst die Autozulassungs-Statistik, um festzustellen, dass Italien (minus 20 Prozent) und Frankreich (minus 14 Prozent) in einer schweren Rezession stecken.

Noch ehe die Zahlen des ACEA draußen waren, hatten die beiden großen Autohersteller in beiden Ländern rigide Sparmaßnahmen verkündet: Peugeot-Citroen schließt wenigstens ein Automobilwerk, Renault schickt Tausende Arbeiter nach Hause. Und Fiat-Chef Sergio Marchionne kündigte "harte Schnitte" für 2013 und weitere Werksschließungen in Italien für den Fall an, dass die Schwäche des europäischen Markts anhält und die freien Kapazitäten nicht für die Produktion von Fahrzeugen der US-Marken Jeep und Chrysler genutzt werden können.

Auch wenn einige Politiker zur Beruhigung der Märkte und Menschen mit Blick auf die haussierenden Aktienmärkte, den stagnierenden Goldpreis und die sinkenden Risikoprämien etwa für spanische oder italienische Staatsanleihen am liebsten das Ende der Eurokrise ausrufen möchten – am Automobilmarkt könnte sie in den kommenden Monaten noch wachsen. Die schlechten Zahlen aus Deutschland (minus drei Prozent fürs Gesamtjahr, über 16 Prozent im Dezember) sind ein Warnsignal. Selbst Rabatte auf Rekordniveau, Zulassungs-Tricksereien zum Monatsende und eine Vielzahl neuer Modelle zum Jahreswechsel haben bei den potenziellen privaten Autokäufern offenbar nicht für den nötigen Speichelfluss sorgen können. Und wenn schon die Bundesregierung ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2013 auf 0,5 Prozent halbiert, werden auch die Konsumenten weiter Vorsicht walten lassen – und weiter einen weiten Bogen um die Autohäuser machen.

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