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Ärgernis Ladestationen

Jürgen Rees
Jürgen Rees Ehem. Redakteur Technik & Wissen

In Deutschland gibt es nicht nur zu wenig Ladestationen für Elektroautos. Die bestehenden sind zudem oft defekt, sind durch Dauerparker blockiert und manchmal ist der Strom frech überteuert.

Zehn Antworten zum Elektroauto
Wie weit kommt ein Elektroauto eigentlich?Neben dem hohen Anschaffungspreis ist die geringe Reichweite eines der größten Probleme von Elektroautos. Nur Tesla-Modelle schaffen schon bis zu 500 Kilometer. Ansonsten beträgt die Reichweite bei den meisten Fahrzeugen 150 bis 250 Kilometer, was in der Regel für den täglichen Bedarf genügt. Für Dienstreisen oder eine Urlaubsfahrt eignen sich E-Autos aber noch nicht. Bei schneller Fahrt auf Autobahnen genauso wie bei Minusgraden sinkt der Aktionsradius deutlich. Darum setzen einige Hersteller auf Reichweitenverlängerer, sogenannte Range-Extender. Das sind kleine Verbrennungsmotoren, die in der Regel keine Verbindung zu den Rädern haben, sondern lediglich als Generator arbeiten. Bei niedrigem Akkustand springt dieser automatisch an, lädt die Batterie und sorgt während der Fahrt für elektrischen Nachschub. Quelle: Presse
Kann ich mein E-Auto nur zuhause an der Steckdose oder an einer Ladestation tanken?Nein, auch Schnellladestationen sind eine Möglichkeit. An so einer Station lässt sich beispielsweise der BMW i3 in weniger als einer halben Stunde auf 80 Prozent Ladestand bringen. An der Schnellladestation fließt Gleichstrom mit einer Spannung von maximal 500 Volt und einer Leistung von bis zu 50 Kilowatt. Im Vergleich: Eine gängige Ladestation mit Wechselstrom hat eine Spannung von 230 Volt (Haushaltsspannung) und maximal 3,6 Kilowatt Leistung, der Ladevorgang dauert bei leerer Batterie je nach Modell sechs bis zehn Stunden. In Deutschland sind Schnellladestationen jedoch noch recht selten. Zum Vergleich: Laut der Ladestation-Online-Suche ChargeMap gibt es etwa in Berlin sieben, in München zehn und in Düsseldorf lediglich eine Schnellladestation. Quelle: Presse
Was bedeutet „induktives Laden“? Quelle: Presse
Welche weiteren Antriebsarten gibt es noch neben Benzin-, Diesel- und Elektromotor? Eine weitere Variante ist der Hybridantrieb. Dabei ist Hybrid nicht gleich Hybrid. Grundsätzlich bedeutet das nur, dass zwei verschiedene Antriebe miteinander kombiniert werden, meist ein Verbrennungs- mit einem Elektromotor. Beim Voll-Hybrid besteht die Möglichkeit, kleinere Strecken auch rein elektrisch zurückzulegen. Der Mild-Hybrid hingegen hat ebenfalls zwei Antriebe, der Elektromotor kann das Auto allerdings nicht alleine bewegen. Er nimmt dem Verbrenner lediglich Arbeit ab und senkt so seinen Verbrauch oder stellt in bestimmten Fahrsituationen zusätzliche Leistung zur Verfügung. Eine Mischform aus Elektroauto und reinem Hybrid stellt der Plug-in-Hybrid dar. Seine Batterie kann zusätzlich extern über das Stromnetz geladen werden. Quelle: Presse
Was passiert bei der Rekuperation?Rekuperation ist der Fachbegriff für Rückgewinnung von Energie. Immer wenn ein Fahrzeug bremst, geht viel Energie verloren. Bei der Rekuperation wird ein Teil dieser Energie in Strom umgewandelt und dann in einem Akku oder Kondensator gespeichert, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder genutzt zu werden. Bei Elektroautos trägt sie unmittelbar zur Erhöhung der Reichweite bei. Quelle: Presse
Warum benötigt ein E-Auto sogenannten "sauberen" Strom?Entscheidend für den tatsächlichen Beitrag zum Umweltschutz eines E-Autos ist die Herkunft des Stroms. Stammt dieser überwiegend aus konventionellen Kraftwerken, gerät das Elektro-Auto zur Mogelpackung, da seine Treibhaus-Bilanz nur geringfügig besser ausgefüllt ist als die eines konventionellen Autos. Nur wenn der Strom aus regenerativen Energien wie Wind-, Wasser- oder Sonnenkraft stammt, ist er wirklich "sauber". Quelle: Presse
Können Elektroautos auch Spaß beim Fahren bereiten?Ja, denn das Elektroauto hat im Vergleich zum Pkw mit Verbrennungsmotor den Vorteil, dass sein Drehmoment nahezu sofort verfügbar ist. Selbst kleinere Elektroautos können so sofort die maximale Leistung ihres Motors nutzen und an der Ampel einem Sportler davonziehen. Beispielsweise liegt das Drehmoment des Kleinstwagen VW eUp bei 210 Newtonmetern. Vom Antritt eines Tesla-Performance-Modells ganz zu schweigen... Quelle: Presse

Was braucht es, damit die Elektromobilität Fahrt aufnimmt? Zuerst die Ladestationen und dann kommen die Elektroautos? Oder erst die Fahrzeuge, die dann automatisch zum Bau von Ladestationen führen? Die Henne-Ei-Frage bewegt Deutschland schon eine gefühlte Ewigkeit. Aber wenig passiert. Es gibt angeblich 1500 Ladestationen in Deutschland (zum Vergleich: 15.000 konventionelle Tankstellen). Wer gelegentlich Ladestationen anfährt, stellt dann verärgert fest, dass sie nicht funktionieren oder von Dauerparkern blockiert werden.

Der amerikanische Elektroautohersteller Tesla lässt sich auf dieses Spiel nicht ein – und baut einfach eigene Schnelladestationen in Deutschland und Europa auf. Damit soll die Luxuslimousine Model S (Kosten: etwa 100.000 Euro) endgültig zum nahezu ebenbürtigen Gegner der Benziner-Fraktion gemacht werden. Bis Ende des Jahres entstehen allein in Deutschland 35 solcher Tanken, den Anfang macht die 900 Kilometer lange Strecke München–Amsterdam. Das Besondere daran: Das Laden kostet nichts. Tesla bezahlt. Mehr als 80 Prozent der Kapazität sind in 30 bis 45 Minuten erreicht. Und dann hat der Wagen eine Reichweite von maximal 500 Kilometer.

Bis Ende 2014 soll die Infrastruktur Fahrten mit dem Modell bis nach Rom, Paris oder Lissabon ermöglichen. Und nebenbei: Die Schnellladestationen plant und installiert die Deutsche Bahn-Tochter DB Energie. Wohlgemerkt: Der Tesla ist als Fahrzeug mit derzeit etwa 300 zugelassenen Fahrzeugen kein Massenphänomen a la VW Golf, er wird es angesichts des Preises auch nie werden. Der Haken: Andere Fahrzeuge können an den Schnellladestationen ihren Stromvorrat nicht auffüllen. 

Es ist schon fast beängstigend, wie schnell und wie viele Dinge Tesla gerade richtig macht. Schon der Tesla S heimste in praktisch allen Tests gute bis sehr gute Noten ein. Und selbst VW-Chef Martin Winterkorn präsentierte den Ingenieuren und Entwicklern von Audi jüngst den Wagen als Vorbild und betonte, dass er solch ein Auto eigentlich von Audi erwartet hätte. 

Allerdings ist Tesla nicht das einzige Unternehmen, das an der Infrastruktur arbeitet. Aber BMW, Siemens und der Energiekonzern Eon und Co brauchen Staatsgelder für ihre Ladestationen. Die Schnelllade-Achse München-Berlin sollen entlang der Autobahn  Stationen aufgebaut werden, die zwischen 35 und 95 Kilometern voneinander entfernt stehen. Im Frühjahr 2014 soll die Kette aus Gleichstromtankstellen offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden.

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