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Autozoom

Au revoir, Oberklasse!

Jürgen Rees
Jürgen Rees Ehem. Redakteur Technik & Wissen

Still und leise hat sich mit Citroën der letzte der drei großen französischen Autohersteller aus der Oberklasse verabschiedet. Ursachen für den Niedergang.

Der französische Autohersteller Citroën hat Ende 2012 die Produktion seines Oberklassemodells C6 eingestellt. Damit hat sich Citroen, wie auch die beiden anderen großen französischen Autohersteller, komplett aus dem Segment zurückgezogen. Quelle: REUTERS

Es ist der letzte Akt eines Trauerspiels: Still und leise hat der französische Hersteller Citroën Ende 2012 als letzter die Produktion seines Oberklassemodells C6 eingestellt. Damit hat keiner der großen drei Hersteller aus Frankreich mehr ein Oberklasse-Modell im Angebot: Peugeot stellte sein Modell 607 bereits 2010 ein, bis dahin diente es den Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy und Jacques Chirac als Dienstwagen. Renault musste die Produktion des 4,89 Meter langen Vel Satis im Jahr 2009, weil die Kunden mit dem Auto mit dem Knick in der riesigen Heckklappe wenig anfangen konnten. Seitdem versetzt die gesichtslose Limousine Latitude, die auf einer Plattform des koreanischen Herstellers Samsung basiert, selbst eingefleischte Freunde des Savoir vivre in große Traurigkeit. In Deutschland zogen die Verantwortlichen bei Renault die Reißleine und strichen den nicht konkurrenzfähigen Wagen Ende 2012 aus dem Verkaufsprogramm.

Die unbekannten Franzosen
AixamMit der Spezialisierung auf führerscheinfreie Fahrzeuge hat sich der kleine Hersteller aus Aix-les-Bains die Marktführerschaft in einem Nischensegment erobert. Seit 25 Jahren konstruieren die Franzosen kleine Stadtfahrzeuge wie den City S3, der nun auch verstärkt ins europäische Ausland verkauft werden soll. Das Fahrgestell des Miniflitzers wird aus Aluminium gefertigt, die Karosserie aus Kunststoff. So kommt das Auto auf ein Gewicht von 350 Kilogramm und eine Spitzengeschwindigkeit von 45 km/h. Quelle: Pressebild
MegaZum Portfolio von Aixam gehört auch die Fahrzeugmarke Mega, die sich auf kleine Transporterfahrzeuge im städtischen Bereich spezialisiert hat. Der "Mini-Lkw" namens Multitruck kann bis zu 530 Kilo transportieren und kommt auf eine Reichweite zwischen 45 und 65 Kilometern. Auf der Automesse in Paris präsentieren Aixam und Mega ihre Produktpalette auf 500 Quadratmetern. Quelle: Pressebild
CourbVon vorne erinnert der C-ZEN ein wenig an eine Ente und auch ansonsten möchte der kleine Hersteller aus Saint-Priest, in der Nähe von Lyon, an die große Tradition der französischen Hersteller anknüpfen. Das einzige Modell des Unternehmens ist rein elektrisch. Mit einem 15 kW Elektromotor beschleunigt der kleine Courb in 5,8 Sekunden von null auf 50 und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 110 km/h. Die maximale Reichweite beträgt 120 Kilometer. Quelle: Pressebild
CourbIn der günstigsten Variante ist der C-ZEN mit 25.000 Euro allerdings kein Schnäppchen. Auf die Batterie gibt der französische Hersteller 3 Jahre oder 100.000 Kilometer Garantie. Der Name ZEN steht für Zero Harmful Emissions. Quelle: Pressebild
LumineoGerade einmal 96 Zentimeter breit ist das kleinste Modell der Franzosen: Der Smera. Das kleine Elektroauto feierte seine Premiere auf dem Autosalon in Genf. Insbesondere bei Renault scheint das Konzept angekommen zu sein. Die Anordnung der Sitze wurde bei Renaults Twizy übernommen. Mit einem Gewicht von 550 kg und einem 30 kW-Motor erreicht der Wagen eine Spitzengeschwindigkeit von 110 km/h und eine Reichweite von 100 Kilometern. Quelle: Pressebild
LumineoMit dem Neoma haben die Franzosen aber auch einen Vier-Sitzer im Angebot. Gegründet wurde Lumineo im Juni 2006 von den Brüdern Daniel und Thierry Moulène. Neben regionalen Investoren und Fördergeldern unterstützt auch die französische Bahn SNCF das Projekt finanziell. Quelle: Pressebild
DriveplanetAus den französischen Herstellern Microcar und Ligier ging 2010 die Driveplanet-Grupp hervor. Gemeinsam kommen die Marken auf 300 Angestellte. Die Miniautos werden in Vichy und Boufféré gefertigt. Das bestverkaufte Modell der Franzosen kann bereits ohne Führerschein gefahren werden: Der IX verbraucht weniger als drei Liter auf 100 Kilometer und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 45 km/h. Quelle: Pressebild

Deutlicher könnte sich die derzeitige tiefe Krise der französischen Autohersteller kaum zeigen: Denn normalerweise strahlen die Oberklasse-Fahrzeuge ihr Prestige nicht nur auf die übrigen Autos der Marke ab, der weltweite Markt für Oberklasseautos ist auch ein besonders lukrativer und garantiert gewöhnlich hohe Renditen. Er ist dank BMW, Mercedes und Audi weitgehend in deutscher Hand. Lexus von Toyota, Infiniti als Nissan-Tochter, Jaguar und Volvo sind weitere Konkurrenten, koreanische Hersteller wie Hyundai und Kia versuchen seit neuestem in den höchst profitablen Markt einzudringen.

Doch die Franzosen, die auf der Welt führend sind mit Luxusartikeln von Hermès bis Louis Vuitton, haben sich dieser Konkurrenz geschlagen gegeben. Damit sind sie beispielsweise in China, wo viele Kunden gerne luxuriöse Wagen aus Europa als Statussymbol kaufen, nicht präsent.

Den Anschluss an deutsche Marken haben Citroen, Peugeot und Renault längst verloren. Die Gründe sind mehrschichtig: Produktentscheidungen, die die Wünsche der Kunden nicht treffen, eine teilweise lausige Qualität, kaum wirklich führende Technik.

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