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Autozoom

BMW und Toyota tauschen ihre Heiligtümer

Jürgen Rees
Jürgen Rees Ehem. Redakteur Technik & Wissen

BMW und Toyota haben einen gigantischen Deal - Dieselmotoren gegen Batterietechnik. Kann die Rechnung aufgehen?

Die Zweckehen der Autobauer
VW - Suzuki Quelle: dpa
Daimler + BAICVor einigen Jahren ist der Autobauer Daimler bei seinem chinesischen Partnerunternehmen BAIC eingestiegen. Die Zentralregierung hat den Kauf des Anteils von zwölf Prozent an BAIC genehmigt. Inzwischen bahnt sich ein gegenseitiges Engagement an: Offenbar will sich BAIC bis Ende des Jahres 2015 bei Daimler einkaufen. Der Chef des Daimler-Joint-Venture-Partners Beijing Automotive (BAIC) in Peking, Xu Heyi, sagte der Zeitung "Beijing Times", dass sein Konzern einer der größten Anteilseigner bei den Stuttgartern werden wolle. Beide Seiten steckten jetzt "in der Schlussphase der Verhandlungen", wie die Zeitung zitierte. Daimler begrüßte das Vorhaben: "Wir freuen uns grundsätzlich immer über langfristig orientierte Investoren", sagte ein Sprecher. Der größte Einzelaktionär bei den Stuttgartern ist Angaben auf der Website zufolge derzeit der kuwaitische Staatsfonds mit einem Anteil von 6,8 Prozent. Quelle: dpa
Daimler + Tesla Quelle: Screenshot
General Motors + BMWDie Bayern und der US-Konzern gehen wieder getrennte Wege. Zumindest beim Thema Brennstoffzelle. Die Unternehmen wollten in der technischen Entwicklung von Elektroautos zusammenarbeiten. BMW sollte von GM Brennstoffzellen-Technologie erhalten und sich im Gegenzug an den Forschungskosten beteiligen. Der damalige BMW-Chef Norbert Reithofer (Foto) setzte große Hoffnungen in die Partnerschaft. Sogar die Lieferung von Teilen war im Gespräch. Doch die Liaison kam nicht zustande. Stattdessen setzen die Bayern jetzt auf eine tiefergehende Kooperation mit ihrem japanischen Partner... Quelle: dpa
Toyota + BMWDie Bayern wollen mit den Japanern bis 2018 einen Sportwagen bauen. „Wir haben uns jetzt auf eine gemeinsame Architektur verständigt“, sagte der damalige BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess, der inzwischen VW-Markenchef ist. „Wichtig ist, dass das zwei unterschiedliche Fahrzeuge sein werden, die authentisch für die jeweilige Marke stehen.“ Im Dezember 2011 hatten die Bayern und die Japaner ihre Zusammenarbeit besiegelt. BMW erhält japanische Batterietechnik, dafür bekommt Toyota seit 2014 Dieselmotoren aus München. Die gemeinsame Entwicklung neuer Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos war bereits Bestandteil der Vereinbarung. Laut der japanischen Zeitung „Nikkei“ plant Toyota außerdem die Lieferung von Hybrid-Technologie an BMW. Der gemeinsam entwickelte Sportwagen gilt als Test im Bereich Produktentwicklung, bevor die Kooperation enger wird. Ein weiteres Gerücht, das immer wieder durch die Branche wabert: BMW erhält von Toyota die Brennstoffzellen-Technologie des Mirai, um seine Elektro-Familie auszubauen. Klar ist aber noch nichts. Quelle: dpa
BMW + PSA Peugeot CitroenÜber Jahre unterhielt BMW mit dem französischen Autokonzern PSA eine Motorenkooperation. Der eine hatte eine besondere Expertise bei kleinen Benzinern, der andere bei kleinen Dieselmotoren. Beides ergänzte sich, so dass auf BMW-Seite PSA-Motoren im Mini eingebaut wurden. Doch inzwischen ist diese Zweckehe ohne böse Worte beendet: Die inzwischen dritte Generation des Mini teilt sich die Technik mit dem BMW 1er – und damit auch die von den Münchnern neu entwickelten Drei- und Vierzylindermotoren. Soll heißen: PSA ist raus. Da die Verträge aber ohnehin auslaufen, wurde die Ehe ohne Krach geschieden. Quelle: obs
BMW und Brilliance Quelle: dpa/dpaweb

Unter den Mitarbeitern von Toyota kursiert eine Geschichte, die wohl Mut machen soll. Das ist nötig. Denn im vergangenen Jahr hatte die Reaktorkatastrophe in Fukushima, Überschwemmungen von Werken in Thailand und Rückrufaktionen das Ansehen und Selbstbewusstsein schwer gebeutelt. Die Geschichte geht so: Selbst wenn Toyota heute weltweit die gesamte Produktion von Autos und LKWs stoppt, könnten alle Mitarbeiter noch 20 Jahre lang weiter in ihren Büros und Werkhallen sitzen und Gehalt kassieren. So groß sind die Rücklagen.

Ob das wirklich stimmt, wissen nur Toyota-Chef Akiyo Toyoda und der Aufsichtsrat. Aber es zeigt, wie schwierig das vergangene Jahr für die Japaner war.

Doch jetzt folgen die Befreiungsschläge. 2012 wollen die Japaner 9,5 Millionen Fahrzeuge mit der Kleinwagentochter Daihatsu und dem Nutzfahrzeuge-Ableger Hino bauen. Das wären rund 20 Prozent mehr als 2011. Damit würde Toyota vor General Motors und Volkswagen wieder zum weltgrößten Autobauer aufsteigen. Den inoffiziellen Titel hatte Toyota 2011 an den deutschen und den amerikanischen Wettbewerber verloren.

Eine unerwartete Kooperation

Eine andere Ankündigung erregte bereits auf der Tokyo Motor Show Anfang Dezember Aufsehen: BMW, der weltgrößte Hersteller von Premiumautos, verbündet sich mit Nippons Vorzeigekonzern. Beide Unternehmen wollen in der technischen Entwicklung von Elektroautos zusammenarbeiten und haben eine Motorenkooperation vereinbart. Was nichts anderes heißt, dass BMW ab 2014 verbrauchseffiziente 1,6-Liter- und 2,0-Liter-Dieselmotoren an Toyota in Europa liefert. Und Toyota über kurz oder lang aus der Entwicklung von Dieselmotoren aussteigt. Denn für den Weltkonzern lohnen die Selbstzünder kaum, da sie, bisher jedenfalls, nur in Europa zu verkaufen sind. Weder in Asien noch in den USA haben Diesel-Pkw einen nennenswerten Marktanteil. Lange spekulierten Branchenkenner darüber, ob das Übereinkommen nur ein mühsam verbrämter Motorendeal ist.

Doch jetzt haben die beiden Partner, Toyota Motor Corporation (TMC) und die BMW Group auch den Kooperationsvertrag über die gemeinsame Forschung auf dem Gebiet der Lithium-Ionen Batterietechnologie der nächsten Generation unterzeichnet und bereits mit der Zusammenarbeit begonnen. Für BMW und für Toyota passt das gut zusammen.

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