Autozoom

Der ganze Stolz von Ädäm Opel

Martin Seiwert
Martin Seiwert Redakteur Blickpunkte

Immer wenn es besonders schlecht steht um Opel, verblüfft der Autobauer mit gelungenen neuen Modellen. Jüngstes Beispiel: Der vielfach gelobte Kleinwagen Opel Adam. Leitet der Adam die große Wende bei Opel ein?

Der Opel Adam geht in Serie
Der Opel Adam soll als eleganter Kleinwagen überzeugen. Ist er am Ende nur ein hedonistisches Lifestyle-Spielzeug? Ab 11.500 Euro ist er zu haben und damit immerhin ein paar hundert Euro günstiger als der vergleichbare Corsa. Premiere im A-Segment: Der Adam erkennt bei paralleler Vorbeifahrt nicht nur passende Parklücken, sondern steuert das Fahrzeug auf Wunsch auch automatisch hinein - der Fahrer muss aber Gas geben, bremsen und kuppeln. Quelle: Opel
Der Innenraum soll einen hochwertigen Eindruck hinterlassen. Der Hersteller bietet zahllose Individualisierungsmöglichkeiten. Quelle: Opel
Opel bringt im Januar 2013 den 3,7 Meter langen Adam in den Handel. Der Dreitürer begründet eine neue Modellreihe unterhalb des Opel Corsa. Ausschließlich als Dreitürer lieferbar, gibt es den Wagen zunächst mit drei Benzinern, die eine Leistungsspanne von 51 kW/70 PS bis 74 kW/100 PS abdecken. Alle Motoren sind nach Herstellerangaben mit einer Fünfgang-Automatik gekoppelt und können auf Wunsch auch mit Start-Stopp-Funktion bestellt werden. Später soll eine neue Generation kleinerer Benzindirekteinspritzer mit Turboaufladung folgen. Dieselmotoren sind vorerst nicht geplant. Quelle: Opel
Die Armatureneinheit spielt mit Licht und Chromverzierung eigentlich in einer höheren Liga. Quelle: Opel
Kleiner Flitzer mit vielen Extras: Opel positioniert den Adam gegen Lifestyle-Modelle wie den Mini oder Fiat 500. Im Assistenzpaket enthalten sind auch ein Toter-Winkel-Warner, der ebenfalls Ultraschall-Sensoren nutzt. Weiteres Alleinstellungsmerkmal in der Klasse ist das optional beheizbare Lenkrad. Quelle: Opel
Von "kraftvollem, muskulösem Design" schreibt das Opel-Marketing und meint damit die ausgeprägten Sicken und Kanten an den Seitenflächen und der Motohaube des Adam. Quelle: Opel
Wie beim Audi A1 und einigen anderen Kleinwagen bieten die Hersteller mittlerweile Zweifarblackierungen an, bei denen das Dach sich deutlich vom Rest des Wagens abhebt. Quelle: Opel

Produktionsstart des Kleinwagens Opel Adam im Eisenacher Opel-Werk. GM-Europa-Boss Steve Girsky preist die enorme Bedeutung von Opel für den US-Konzern, Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig gibt sich als flammender Fan der Marke (seine Tochter bekommt zum Examen einen Opel geschenkt), auch die Bürgermeisterin von Eisenach, der Werksleiter sowie Opel-Chef Thomas Sedran kommen zu Wort. Und der eigentliche Star des Tages – der Adam – heimst von den angereisten Journalisten freundliches Lob ein.

Der Stapellauf des Adam am 10. Januar hätte eine richtig runde Sache werden können, hätten die Redner gewusst, wie sie den Namen des hübschen Wägelchens aussprechen sollen: Manche bevorzugten die pseudo-weltläufige, englische Variante „Ädäm“, andere blieben in Anbetracht der Tatsache, dass das Auto den vor 175 Jahren geborenen Unternehmensgründer Adam Opel ehren soll, beim deutschen Adam. Die übrigen machten es mal so, mal so. Das amüsante Durcheinander gipfelte in der Aussage, „Firmengründer Ädäm Opel“ würde das neue Auto sicherlich mit Stolz erfüllen.

Was soll der neue Flitzer sein? Ein cooler, globaler, MTV-tauglicher Ädäm? Oder so selbstbewusst deutsch wie der weltweit eingesetzte VW-Slogan „Das Auto“? Opel wäre nicht Opel, wenn es dazu eine durchdeklinierte und durchexerzierte Kommunikationsstrategie gäbe. Denn Opel, das ist immer auch eine mehr oder minder große Dosis Chaos. Chefwechsel im Jahrestakt, Strategiewechsel im Zweijahrestakt und das ganze garniert mit wiederkehrenden radikalen Sparprogrammen und Gerüchten über Eigentümerwechsel respektive Insolvenz respektive Abwicklung.

Eckdaten zum Opel Adam

Opel wäre aber auch nicht Opel, wenn die hessischen Sturköppe von der Entwicklungsabteilung und die fleißigen Arbeiter in 11 europäischen Werken nicht immer wieder Autos bauen würden, bei denen man sich fragt: Wie konnten die unter diesen Umständen bloß so gut werden? Als die Opel-Mutter GM 2009 Insolvenz anmeldete und es auch für Rüsselsheim eng wurde, kam von der Basis ein eindrucksvolles Statement: Der preisgekrönte Mittelklassewagen Opel Insignia. Opel muss sich nicht vor seinen deutschen Wettbewerbern verstecken, lautete die klare Botschaft. Erst die Neuauflage des Golf-Konkurrenten Astra, dann der Insignia – wenn es einen Grund gibt, warum Opel seine Missmanager in den obersten deutschen und amerikanischen Etagen überlebt hat, dann waren es solche Produkte.

2013, wieder mal schreibt Opel Milliardenverluste. Wieder mal Chefwechsel, wieder mal ein Strategieschwenk. Und wieder mal kommen Modelle auf die Straße, die all jene zweifeln lassen, die die drittgrößte Automarke Europas mit ihren 37000 Mitarbeitern bereits für verzichtbar erklärt hatten: Der Opel Adam und der kompakte Geländewagen Mokka.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%