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Autozoom

Die Crossover-Welle rollt und rollt

Jürgen Rees
Jürgen Rees Ehem. Redakteur Technik & Wissen

Ausgefallenheit ist Trumpf: Crossover zählen derzeit zu den wenigen Fahrzeuggattungen, die sich glänzend verkaufen. Die Kreuzung zwischen verschiedenen Autostilen erfreut sich auch wegen der hohen Sitzposition so großer Beliebtheit, dass die Nachteile in Kauf genommen werden.

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Die neuen Crossover-Modelle
Land Rover Evoque Cabrio Quelle: Presse
Landrover Concept Car LRXDiese dreitürige Studie feiert in Genf ihre Europapremiere. Land Rover definiert den LRX als "Cross-Coupé" - eine Lösung, die sich vorsichtig von traditionellen SUV-Modellen fortentwickelt: mit Pkw-ähnlicher Optik und Dynamik sowie betonter Sportlichkeit und hoher Agilität. Das Modell ist 149 Millimeter kürzer und 205 Millimeter flacher als der neue Land Rover Freelander. Um Gewicht zu sparen, wurden die Glasscheiben im Dach und an den Seiten durch rund 40 Prozent leichtere Polycarbonat-Elemente ersetzt.   Die in Genf gezeigte LRX-Studie ist für einen 2,0-Liter-Turbodiesel-Hybridantrieb nach US-Norm ausgelegt, der auch mit Biodiesel betrieben werden kann. Der integrierte Hinterachs-Elektroantrieb sorgt für einen um 30 Prozent niedrigeren Kraftstoffverbrauch als bei herkömmlichen Off-Roadern dieser Größe sowie für einen auf rund 120 g/km reduzierten CO2-Ausstoß. Quelle: Pressebild
VW Passat AlltrackEine Kreuzung aus Offroad und Familienkutsche ist der VW Passat Alltrack. Um geländetauglicher zu werden, erhielt der Passat unter anderem breitere Kotflügel, entsprechende Rampen- und Böschungswinkel, mehr Bodenfreiheit, 17-Zoll-Räder und einen Unterfahrschutz aus 2,5 Millimeter dickem Stahlblech. Die Allrad-Modelle besitzen außerdem das Offroad-Fahrprogramm 4Motion, das VW etwa in seinen Modellen Tiguan und Touareg.
Peugeot Crossover 508 RXHDer neue Crossover von Peugeot wird das zweite Hybrid-Modell des französischen Autobauers. Er erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 213 km/h und soll ab April in Deutschland erhältlich sein. Quelle: Presse
Hyundai Qarmaq Quelle: Presse
Mitsubishi Outlander Quelle: Presse
Nissan Hi-Cross ConceptNach seinen bisherigen Crossover-Modellen Qashqai und Juke stellt Nissan auf dem Genfer Automobilsalon die Studie "Hi-Cross Concept" vor. Die Studie thematisiert einen kompakten und dabei geräumigen Crossover mit Platz für bis zu sieben Personen auf drei Sitzreihen. Sein Hybridantrieb verbindet einen 2,0 Liter großen und via Kompressor aufgeladenen Direkteinspritzer-Benziner mit einem leistungsstarken Elektromotor. Das Design des mit 21 Zoll großen Rädern bestückten Concept Cars ergänzt aktuelle Nissan Design-Zitate um neue Elemente. So zum Beispiel an der Front, wo der typische V-förmige Grill mit auffällig geformten neuen Leuchteinheiten kombiniert wird. Quelle: Nissan

Autokäufer hatten es früher einfacher. Wer ein neues Auto brauchte, wählte zwischen klassischen Limousinen, praktischen Kombis und schicken Coupés. Vielleicht kam noch ein kleiner Roadster oder einen großer Geländewagen in die Auswahl. Kinderreiche Familien kauften einen großen Kombi mit dritter Sitzbank, griffen gleich zum VW Bus oder zum Renault Espace. Alles Autos, denen der Zweck schon von weitem ins Blechgesicht geschrieben stand.

Wer jedoch heute ein neues Fahrzeug kauft, Platz braucht und vor allem etwas anderes haben möchte als der Nachbar, der findet im Autohaus viel mehr Auswahl. Der Autoverkäufer wird ihm einen großen sportlichen Geländewagen, einen sogenannten SUV zeigen. Weil die aber meist groß sperrig und deshalb nicht wirklich großstadttauglich sind, haben sich die Autohersteller etwas Neues einfallen lassen: Die Crossover. Das englische Wort Crossover heißt auf deutsch Kreuzung oder Übergang. Sie haben Kombis mit Geländewagen, Coupes mit Geländewagen, Lieferwagen mit Vans gekreuzt und herauskommen am Ende Autos, die zwischen allen Klassen parken.

Das sind die besten SUV der Kompaktklasse
Land Rover FreelanderDer Klassiker unter den Geländewagen stammt von jeher aus dem Hause Land Rover. Doch außer dem großen "Defender" hat die Marke auch ein deutlich großstadttauglicheres Modell im Angebot. Den "Freelander" stellte Land Rover bereits 1997 vor, mittlerweile gibt es von dem Begründer des SUV-Trends zahlreiche Modelle und Ausführungen. Bis 2004 war der Freelander europaweit die meistverkaufte Geländelimousine. Auch in Deutschland hat das Sport Utility Vehicle seine Fans, wenn auch längst nicht so viele wie auf der Insel: 2012 wurden insgesamt 1.557 neue Land Rover Freelander zugelassen, das sind immerhin 2,9 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Quelle: Presse
Toyota RAV4 Quelle: REUTERS
BMW X3Vergleichsweise spät setzte BMW auf den Trend hin zu kompakteren Geländewagen. Die X3-Serie startete erst 2004. Der X3 basiert auf der 3er-Limousine mit Allradantrieb und kostet je nach Ausstattung zwischen 36.000 und 55.000 Euro. Nachdem die zunehmende Kompakt-SUV-Konkurrenz dem X3 noch vor wenigen Jahren Marktanteile strittig machte, kann sich BMW jetzt wieder über mehr Verkäufe freuen. Im vergangenen Jahr wurden 23 Prozent mehr X3 neu zugelassen als noch im Jahr 2011. Die insgesamt 25.680 Neuzulassungen machen 5,6 Prozent aller neuen Autos des vergangenen Jahres aus. Quelle: dapd
BMW X1 Der Autobauer BMW baut seit September 2009 auch noch den kleinen Bruder des X3. Der X1 rollt in Leipzig vom Band, 2012 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 27.000 Autos dieses Modells neu zugelassen. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 55 Prozent, dienen als fahrbarer Untersatz für gewerbliche Halter. Die Zahl der Zulassungen ist allerdings im Vergleich zum Jahr 2011 um 19,3 Prozent zurückgegangen. Trotzdem spricht vieles für den kleinen Gelände-BMW: Der Premium-SUV kommt auf Wunsch nur mit Hinterradantrieb und somit günstiger daher. Außerdem verfügt der X1 über ein Bremsenergie-Rückgewinnungssystem sowie eine Start-Stopp-Automatik. Quelle: dpa
Audi Q5Im Vorjahr bescherten insbesondere die SUV-Modelle Q3, Q5 und Q7 der Audi AG ein zweistelligen Absatzplus. Der Q5 ist dabei der kleinste aus der Geländewagen-Familie. Und obwohl der sparsame Q5 schon in der Grundausstattung zwischen 37.900 und 48.750 Euro kostet, gab es im letzten Jahr mehr als 20.000 Neuzulassungen. 63 Prozent der Q5-Fahrer sind gewerbliche Halter. Quelle: obs
Mercedes-Benz GLKDer kantigste unter den Kompakt-Geländewagen ist mit Sicherheit der 2008 erstmals in Peking vorgestellte Mercedes GLK. Im Vergleich zur Konkurrenz brachte Mercedes seinen kleinen SUV relativ spät heraus. Trotzdem hat der eckige GLK seine Nische gefunden. Laut Kraftfahrtbundesamt wurden 2012 insgesamt 18.776 Autos dieser Modellreihe neu zugelassen, das sind 33,5 Prozent mehr als noch im Jahr 2011. Quelle: REUTERS
VW TiguanDer Kompakt-SUV von Volkswagen ist dank seines Frontantriebs sparsamer als viele Konkurrenzmodelle und auch in der Anschaffung mit 24.000 bis 32.000 Euro je nach Motor vergleichsweise günstig. Der Tiguan ist seit dem Jahr 2008 der meistverkaufte Kompaktgeländewagen in Deutschland. Auch im Jahr 2012 erreichte er einen Anteil von zwölf Prozent an den Neuzulassungen. Insgesamt wurden 55.615 Tiguans verkauft. Quelle: dapd

Als Vorläufer der SUV- und damit auch der Crossover-Welle gilt der Range Rover aus den Siebziger Jahren. Die Verwendung des Begriffs SUV und der Durchbruch dieser Fahrzeuggattung begann jedoch erst in den 1990er Jahren mit dem Toyota RAV4 und dem Land Rover Freelander.

Heute ist die Abgrenzung zwischen SUV und Crossover schwierig: Meist findet sich unter dem mehr oder weniger schicken Crossover-Blechkleid die Limousinen-Plattform, was die Entwicklungskosten im Zaum hält. Die Optik erinnert an einen SUV. Gleichzeitig fällt die ganze schwere Geländetechnik weg, Allradantrieb gibt es oft nur gegen Aufpreis.

Aber was treibt die Kunden zu den Zwitter-Fahrzeugen?

Mercedes hat Crossover-Boom verschlafen


Bentley bringt seinen ersten SUV
Bentley-SUVDer britische Autobauer Bentley hat grünes Licht für sein neues SUV-Modell gegeben. Die Luxus-Geländelimousine soll am Stammwerk im britischen Crewe gebaut werden. 2016 soll der Wagen in den Verkauf gehen. Technisch soll er laut einem Bericht des " Spiegel" auf der Studie des EXP 9 F mit Zwölfzylinder-Motor basieren, hier auf einem Foto vom April 2012 bei der Auto China in Peking. Auch ein V8-Motor oder ein Plug-in-Hybrid seien denkbar, zitiert das Magazin Entwicklungschef Rolf Frech. Am Design wird noch gearbeitet. In den nächsten drei Jahren will das Unternehmen mehr als 800 Millionen Pfund (930 Millionen Euro) investieren, um neue Modelle zu entwickeln. Quelle: REUTERS
Porsche Cayenne Turbo SDer neue Power-SUV schafft Tempo 100 spielend binnen 4,5 Sekunden. Schluss ist erst bei 283 km/h, dafür sorgt der V8-Motor mit 550 PS und 750 Newtonmeter Drehmoment. Damit hat der Turbo S 50 PS mehr als der Cayenne Turbo. Der Verbrauch liegt laut Hersteller bei 11,5 Liter auf 100 km. Das sportliche Spielzeug ist ab Januar beim Händler und hat seinen Preis: 151.702 Euro wollen die Schwaben für den neue Geländewagen. Der Cayenne Turbo ist ab rund 120.000 Euro zu haben, der Cayenne ab gut 58.000 Euro (Basisversion). Quelle: Porsche
Nissan Juke NismoAb Januar steht der neue Japaner Juke beim Händler. Schon ab 15.700 Euro ist der Kompakt-SUV mit einer Länge von 4,13 Metern zu haben. Der 1,6-l-Turbo-Benziner hat 117 PS Leistung und fährt 178 km Spitze. Laut Hersteller liegt der Verbrauch innerorts bei 7,7 Liter auf 100 km - außerorts bei 5,1 Liter. Im Durchschnitt kommt das Crossover-Modell also auf einen theoretischen Verbrauch von sparsamen 6,0 Litern. Quelle: Nissan
Audi Q7Zum Jahresende wird Audi eine neue Generation seines Q7 auf den Markt bringen. Klar ist bereits jetzt - der Koloss soll leichter werden als das aktuelle Modell (siehe Foto) und zwar um gut 300 Kilo. Dafür kommt vermehrt Aluminium zum Einsatz, außerdem werden die Motoren kleiner. Quelle: Audi
BMW X5Auch die neue Generation des X5 soll abspecken. Rund 150 Kilogramm soll der Bayer verlieren. Dafür soll die Optik maskuliner werden und der Verbrauch niedriger, sogar ein Plug-In-Hybrid ist in Planung. Der große Bruder des X3 soll zudem wohl deutlich länger werden als das Vorgängermodell. Über die technischen Spezifikationen ist noch nicht viel bekannt. Top-Motor soll allerdings der 4,4-Liter-V8-Benziner bleiben. Quelle: BMW
Toyota RAV4Im Sommer soll die vierte Generation des beliebten Japaners zum Händler rollen. Der neue RAV4 wird rund 20 Zentimeter länger und drei Zentimeter breiter als sein Vorgänger, das sorgt auch für mehr Beinfreiheit auf Vorder- und Rücksitzen. In der Höhe verliert der Offroader dagegen drei Zentimeter zu Gunsten eines schnittigeren Designs. Der Kofferraum wächst um 100 auf 547 Liter. Der Verbrauch soll um mehr als zehn Prozent sinken. In Europa soll künftig ein 2-l-Diesel mit 124 PS als Basismodell bereit stehen. Den 2,2 l-Diesel gibt es nur mit 150 PS, das 177-PS-Modell wird nicht mehr angeboten. Der neue RAV4 hat eine ganze Reiher moderner Assistenzsysteme an Bord wie etwa ein Fernlichtassistent, Spurhaltehelfer oder ein Totwinkel-Warner.
Porsche MacanViel ist über den Macan noch nicht bekannt. Optisch soll sich der Neue aus dem schwäbischen Sportwagenstall am großen Bruder Cayenne orientieren, die Karosserie wird allerdings deutlich mehr Richtung Coupé gehen. Den Großteil der Technik wird sich der "Tiger" aus Zuffenhausen - der Name leitet sich vom indonesischen Wort für die gestreifte Raubkatze ab - mit dem Konzerngeschwister Audi Q 5 teilen. Die Einstiegsmotorisierung wird voraussichtlich ein 2,0-Liter-Turbo werden - das vermuten Branchenkenner. Einstiegspreis für den Viertürer mit einer Länge von 4,50 Metern sind wahrscheinlich 45.000 Euro. Als fünfte Porsche Modellreihe ist der Macan zentraler Bestandteil der Strategie 2018, mit der der Sportwagenhersteller sein Modell-Portfolio weiter ausbauen möchte. Die ersten Serienfahrzeuge laufen Ende 2013 im Werk Leipzig vom Band. Bei ersten Erprobungsfahrten hat das Auto offenbar das Management bereits überzeugt . So sehr, dass Porsche die Produktion des Kompakt-SUV Macan um zwei Drittel erhöhen will. Quelle: Porsche

Sie fühlen sich individueller, sie zeigen einen vermeintlich anderen Lebensstil und verbinden mit den Crossover-Fahrzeugen bisweilen schickes Design mit Nützlichem, sie schätzen das luftigere Raumgefühl.

Praktisch sind die hohe Sitzposition, der variable Innenraum und der bequeme Einstieg. Dennoch: Crossover sind immer auch ein Kompromiss. Abfallende Dachlinien begrenzen beispielsweise nicht nur das Kofferraumvolumen sondern auch den Sitzkomfort auf der Rückbank, schießschartenartige Fenster schmälern den Ausblick auf der Rückbank und die schweren Fahrzeuge brauchen mehr Sprit als Kombi & Co.  

Trotzdem drängen immer mehr dieser automobilen Mischlinge drängen auf den Markt und erfreuen sich großer Beliebtheit. So landete der englische Geländewagen-Spezialist Land Rover mit seinem Range Rover Evoque ganz ohne den sonst üblichen Allradantrieb einen überraschenden Erfolg: Mehr als 140.000 Exemplare verkauften die Briten von dem Schönling seit er Ende 2011 auf den Markt kam. Jetzt soll er sogar als Cabrio-SUV auf den Markt kommen.

Starkes Gebräu - Opel Mokka

In Deutschland zählen der VW Tiguan zu den mit 14.566 zugelassenen Exemplaren im ersten Quartal 2013 der erfolgreichste Crossover, dahinter folgt der schon etwas in die Jahre gekommene Crossover Nissan Qashqai mit rund 7000 verkauften Exemplaren im ersten Vierteljahr. Gefolgt vom BMW X1 (5781 Autos im ersten Quartal 2013) und Skoda Yeti (4646 Autos) und dem Newcomer Opel Mokka (4616 Autos).

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Manch Autohersteller hat die Crossover-Welle glatt verschlafen: beispielsweise Mercedes. Die Stuttgarter haben beispielsweise dem X1 von BMW noch nichts entgegenzusetzen. Ein Fehler, den auch der Daimler Finanzvorstand  Bodo Uebber bedauerte. Ein Modell wie der X1 fehle, so Uebber, dem Unternehmen im Portfolio. Der aktuelle Trend geht zum Crossover im Klein- und Kompaktwagenbereich, die Nützlichkeit, mehr Platz, hohe Sitzposition mit einem niedrigeren Treibstoffverbrauch kombinieren.

Mitte des Jahres stellt Peugeot beispielsweise den 2008 in die Schaufenster, Renault den Captur, Fiat bringt 2014 den 500X und auch Audi kommt nächstes Jahr mit dem Q2.  Die Crossover-Welle ebbt also noch nicht ab – im Gegenteil, sie durchzieht langsam alle Wagenklassen. 

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