Autozoom Dienstlimousinen der Spitzenpolitiker oftmals Dreckschleudern

Die Deutsche Umwelthilfe hat sich den CO2-Ausstoß der Dienstlimousinen von deutschen Spitzenpolitikern angeschaut. Mit überraschenden Ergebnissen.

Diese Landeschefs fahren Klimasünder
Immerhin: Sein Fahrzeug ist das klimafreundlichste im Fuhrpark der Ministerpräsidenten. Der BMW 530 xDrive (Diesel) von Hamburgs Ministerpräsident Olaf Scholz (SPD). Doch für eine Grüne Karte reicht es trotzdem nicht. Die Deutsche Umwelthilfe hat nämlich festgelegt: Wer noch als klimafreundlich durchrutschen will, darf nicht mehr als 130g/km CO2-Ausstoß haben. Doch das erreicht Scholz lange nicht. Der CO2-Ausstoß seines BMW ist mit 146g/km immer noch viel zu hoch. Platz 12 und eine Gelbe Karte für Hamburg. Quelle: Deutsche Umwelthilfe
Platz 11 für die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Ihr Dienstwagen ist ein BMW 730 Ld (Diesel) - doch der CO2-Ausstoß (148 g/km) ginge auch geringer. Quelle: dpa
Platz 10 geht an Jens Böhrnsen, Bremens Ministerpräsident. Sein Dienstwagen verdient nur eine Gelbe Karte, denn der CO2-Ausstoß von 154g/km ist immer noch zu hoch. Quelle: AP
...zum Beispiel mit der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Ihr Dienstwagen - ein Mercedes Benz E 250 Blue Efficiency (Benzin) - pustet 154g/km CO2 in die Luft.
Auch der Dienstwagen von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ist ein Klimasünder. Der BMW 750Ld xDrive (Diesel) stößt 169 g/km CO2 aus. Damit teilt er sich Platz 9 mit weiteren Landeschefs... Quelle: dpa
...zum Beispiel für Reiner Hasselof, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Auch sein BMW-Modell stößt 169 g/km CO2 aus.
Auch noch Platz 8: Die Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). Ihr Dienstwagen (BMW 750Ld xDrive (Diesel)) stößt 169 g/km CO2 aus. Quelle: dapd

Jedes Jahr schaut die Deutschen Umwelthilfe (DUH) unter die Motorhauben des politischen Spitzenpersonals und veröffentlicht, welche Landesminister und Regierungschefs besonders klimabewusst unterwegs sind und wer dicke Rußwolken in die Luft pustet. Insgesamt 18 „Grüne Karten“ verlieh die DUH - dreimal mehr als im Vorjahr. Was vor allem auf den Einsatz der Mercedes Benz E 300 Diesel-Hybrid mit einem CO2-Wert von 109 gCO2/km zurückführen ist. Das Modell erfreut sich auf Landesebene großer Beliebtheit und ist insgesamt neun Mal im Einsatz.

Die grüne Karte gab es für Wagen, die den EU-Zielwert von 130 gCO2/km einhalten oder unterschreiten. 28 Politiker erhielten für zu hohe CO2-Emissionen ihrer Dienstwagen die „Rote Karte“. Sie hielten oder überschritten den geltenden EU-Zielwert von 175g CO2/km. Die Hälfte der Regierungschefs fahren also einen Wagen, der mehr Emissionen abgibt. Insgesamt wurden die Staatskarossen von 171 Spitzenpolitikern für die Studie herangezogen. Ein eindeutiges Fazit kann DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch nach der Erhebung nicht ziehen. "Wir stellen fest, dass die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Politiker-Limousinen seit dem Start unserer Erhebungen im Jahr 2007 deutlich schneller zurückgehen als die Emissionen aller in Deutschland neu zugelassenen Pkw. Dieser erfreuliche Trend kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine große Mehrheit der Spitzenpolitiker nach wie vor mit übermotorisierten Limousinen unterwegs ist."

Als leuchtendes Vorbild im Ranking präsentiert sich der Hamburger Senat. Erstmals seit Beginn der Erhebungen unterschreitet ein ganzes Landeskabinett den EU-Zielwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer. Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und seine Senatskollegen landeten bei durchschnittlich 128 gCO2/km. Obwohl die Senatorinnen und Senatoren durchweg in geräumigen Limousinen mit Spitzengeschwindigkeiten zwischen 212 und 250 Stundenkilometern unterwegs sind, liegt dieser Wert sogar niedriger als der Durchschnitt aller in Deutschland im letzten Jahr neu zugelassenen Pkw (142 gCO2/km).

Das Bundeskabinett liegt mit einem Durchschnittswert von 168 gCO2/km noch weit über den Ergebnissen der Hamburger Politiker. Allerdings findet der DUH den Fortschritt gegenüber der ersten Erhebung bemerkenswert. Vor sechs Jahren hatten die Dienstwagen der Bundespolitiker noch 252 gC02/km emittiert.

Schlecht weg kommt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka - ihr Dienstwagen überschreitet den EU-Wert um mehr als 40 Prozent, dafür gibt es vom DUH eine "Rote Karte". Allerdings schafft auch keiner der Bundesminister die „Grüne Karte“. Dass inzwischen offensichtlich auch das Amt verpflichte, zeige sich bei den Dienstwagen-Emissionen der Umweltminister der Länder, so die Umweltvereinigung. Sie reihen sich mit durchschnittlich 148 gCO2/km exakt in der Mitte zwischen dem Hamburger Senat und den Bundesministern.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%