Autozoom

Ende der Party - Autobauer in der Absatzkrise

Franz W. Rother Chefredakteur Edison

Die Absatzkrise in Europa hat nun auch Deutschland erreicht - und zwingt fast alle Autohersteller zu Sparmaßnahmen.

Die Absatzkrise der Autoindustrie hat nun auch Europa erreicht und wird noch eine ganze Weile anhalten. Quelle: dapd

Finnland minus 42 Prozent, Zypern minus 41 Prozent, Holland minus 30 Prozent, Frankreich minus 15 Prozent und Deutschland minus 13 Prozent. Die Statistik des Herstellerverbandes ACEA über die Pkw-Zulassungen in Europa zeichnet ein düsteres Bild: Im ersten Quartal 2013 sind die Neuzulassungen im Schnitt um zehn Prozent zurückgegangen. Lediglich in Großbritannien (plus 7,4 Prozent), Island (plus 24 Prozent) und Estland (plus 16 Prozent) gab es nennenswerte Zuwächse - der Rest des Kontinents trat auf der Stelle oder fuhr im Rückwärtsgang. Die Euro-, Schulden- und Bankenkrise hat die Europäische Union fest im Griff – und die Autoindustrie bekommt es nun deutlich zu spüren. Ob Daimler oder Volkswagen, General Motors oder Ford, Peugeot oder Renault: Kein Hersteller kann in diesen Tagen große Erfolge vermelden, allenfalls kleine. Hier und da versucht man es noch mit einem Pfeifen im Walde - die zweite Jahreshälfte, so etwa die Botschaft von Daimler-Chef Dieter Zetsche und VW-Chef Martin Winterkorn an die Aktionäre, werde im zweiten Halbjahr sicher besser. Aber der Tonfall wird quer durch die Bank dunkler und lässt ahnen, dass die Unternehmen harte Schnitte vorbereiten: Kurzarbeit, Werksschließungen, Entlassungen.

Welche Autobauer am besten für die Zukunft gerüstet sind
Mazda Quelle: dapd
Suzuki Quelle: obs
Der PSA-Konzern, zu dem die Marken Peugeot und Citroen gehören, liegt wie zuvor auf Platz 11. Für die Franzosen rächt sich laut CAM-Ranking ihre starke Fokussierung auf den europäischen Markt, der zunehmend härter umkämpft wird und zugleich Marktrückgänge verzeichnet. Quelle: dpa
Ebenfalls noch im Bereich der
Chrysler Quelle: REUTERS
Toyota Quelle: REUTERS
nissan Carlos Ghosn Quelle: REUTERS

Beispiel Volkswagen: Der Konzernumsatz blieb in den ersten drei Monaten dank guter Geschäfte in Wachstumsmärkten wie China zwar einigermaßen stabil, der operative Gewinn sank im gleichen Zeitraum allerdings um fast 30 Prozent. Aber das Unternehmen brauche in den kommenden Monaten "viel Flexibilität in der Produktion und auf den weltweiten Märkten", mahnte VW-Chef Winterkorn am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Hamburg. Was das bedeutet, haben die Beschäftigten im neuen US-Werk Tuscaloosa und in der Passat-Produktion in Emden bereits erfahren: Dort wurden Leiharbeiter nach Hause geschickt, hier die Weihnachts- und Osterferien verlängert. Im Klartext: Die Fertigung wird zurückgefahren, weil man sonst die teuer produzierten Autos mit hohen Rabatten auf den Markt werfen muss. Das Hauptwerk Wolfsburg läuft dank des neuen VW Golf derzeit zwar noch auf vollen Touren. Aber in der VW-Zentrale mag derzeit niemand ausschließen, dass im Laufe des Jahres auch hier noch zum Mittel der Kurzarbeit gegriffen werden muss - die Arbeitszeitkonten der Stammarbeiter, heißt es vieldeutig, seien auch gut gefüllt.

Autoabsatzprognose für 2012 und 2013

Beispiel Ford: Dank florierender Geschäfte in Nordamerika und im pazifischen Raum konnte der US-Autoriese im ersten Quartal seinen weltweiten Umsatz zwar um zehn Prozent steigern und den Gewinn um 15 Prozent erhöhen. Aber die schlechten Geschäfte in Europa verhageln den Amerikanern das Geschäft: Nach einem Vorsteuer-Verlust von umgerechnet 355 Millionen Dollar im ersten Quartal erwartet der Konzern in Europa für das Gesamtjahr nun einen Verlust von rund zwei Milliarden. Die Korrekturen sind hier bereits eingeleitet: Drei Werke in Großbritannien und Belgien werden dieses Jahr geschlossen.

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