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Autozoom

Formel E ist eine Zukunftsvision

Martin Seiwert
Martin Seiwert Redakteur Blickpunkte

Im Herbst soll die Elektroauto-Rennserie Formel E starten. Sebastian Vettel "mag es nicht", Bernie Ecclestone "glaubt nicht, dass die Formel E stattfinden wird." Nur gut, dass die FIA nicht auf die alten Hasen hört.

Der ABT Formula E Rennwagen mit dem Audi-Partner Abt Sportsline als einziges deutsches Team bei der neuen Rennserie Formel E an den Start geht. Quelle: dpa

Stellen Sie sich das mal vor: Auf einem gut zwei Kilometer langen Kurs düsen Rennwagen durch das Zentrum von Berlin. Sie sehen aus wie Formel-1-Wagen und erreichen auf gerader Strecke 250 Kilometer pro Stunde. Agil winden sie sich durch enge Kurven, um danach raketenartig davonzuschießen. Man hört die Menschen am Straßenrand kreischen, man hört die Tröten der Fans. Was man kaum hört, sind die Rennwagen. Denn es sind Elektroautos. Nach 50 Minuten sind die Batterien der emissionsfreien Rennflundern leergefahren. Die Piloten springen aus den Wagen und sprinten zu ihrem aufgeladenen Ersatzwagen, um die zweite Hälfte des Rennens zu bewältigen.

Die neuen coolen Öko-Flitzer
Porsche 918 HybridAuf der Strecke fährt dieses Auto alles in Grund und Boden, an der Tankstelle hingegen ist er äußerst sparsam. Er verbraucht gerade mal drei Liter auf 100 Kilometer und soll Anfang des Jahres ausgeliefert werden. Allerdings werden insgesamt nur 918 Autos gebaut, gleichzeitig ist er der teuerste Porsche aller Zeiten. Leistung: 887 PS Preis: 778.000 Euro Quelle: Presse
Mercedes SLS E-CellDer Supersportwagen schafft es in vier Sekunden von Null auf 100 - und erreicht maximal 250 Stundenkilometer. Seit Anfang 2013 ist er lieferbar und wird durch vier je 80 Kilogramm schwere E-Motoren angetrieben. Der Elektrosportler ist zukunftsweisend für die Leichtbaustrategie von Mercedes-Benz. Leistung: 521 PS Preis: 416.500 Euro Quelle: Presse
Ferrari LaFerrariEr ist der leistungsstärkste Zweisitzer von Ferraris und verfügt über eine Gesamtleistung von 963 PS. Als erster Ferrari ist er mit einem Hybridantrieb ausgestattet. Für die Schnelligkeit sorgt ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, während sein Fahrzeuggewicht lediglich 1.365 Kilogramm beträgt. Leistung: 963 PS Preis: 1 Mio. Euro plus Steuern Quelle: Presse
McLaren P1Der Wagen ist noch nicht einmal auf dem Markt, aber bereits jetzt sind alle 375 des limitierten Fahrzeugs verkauft. Geplant waren eigentlich 500 Stück, aber dann ginge die Exklusivität verloren, so das Unternehmen. Der Wagen schafft es in 6,8 Sekunden von Null auf ein Tempo von 200. Leistung: 916 PS Preis: 1 Mio. Euro plus Steuern Quelle: Presse
VW XL1Das Fahrzeug ist mit einem Verbrauch von 0,9 l auf 100 Kilometern das sparsamste Serienautomobil der Welt. Es verfügt dabei über ein Plug-In-Hybridsystem, mit der Zweisitzer über eine Distanz von bis zu 50 Kilometern rein elektrisch und damit lokal emissionsfrei gefahren werden kann. Leistung: 75 PS Preis: 111.000 Euro
BMW i8Er ist das Flaggschiff der iBaureihe - und hat dabei den Verbrauch eines Kleinwagen. Auch hier sorgt ein Plug-in-Hybrid aus einem aufgeladenen Dreizylinder, der die Hinterräder antreibt, und einem an der Vorderachse installierten E-Motor für eine Systemleistung von über 300 PS. Leistung: 362 PS Preis: 126.000 Euro Quelle: Presse
Toyota FT-HSBereits 2007 wurde dieser Wagen auf der "North American International Auto Show" vorgestellt. Die 400 PS kommen aus einem mit Hybridtechnologie gepaarten 3,5 Liter V6-Frontmotor - und diese sorgen dafür, dass es das Auto in vier Sekunden von Null auf 100 schafft. Leistung: 400 PS Preis: noch offen Quelle: Presse

Alberne Vorstellung, so ein Elektromotorsport in der Innenstadt? Rennwagen müssen ohrenbetäubend röhren, kräftig qualmen und stundenlang ihre Runden auf riesigen Rennstrecken drehen, weit draußen vor den Toren der Städte? So sehen es dieser Tage nicht wenige im Formel-1-Zirkus.

Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel über die geplante neue Elektroauto-Rennserie Formel E, die im kommenden Jahr starten soll: „Ich mag es nicht. Ich denke nicht, dass das die Zukunft ist“. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gibt sich noch kompromissloser: „Ich glaube nicht, dass die Formel E stattfinden wird.“ Die beiden sprechen aus, was viele Fahrer, Fans und Funktionäre der Formel 1 denken: Verschont uns mit diesem drögen Öko-Sport!

Gut nur, dass diese Skeptiker nicht darüber entscheiden, ob die Formel E 2014 an den Start geht. Denn die Formel-1-Macher sind die Letzten, die man zu einer solchen Innovation im Rennsport befragen sollte. Wenn es um Neues geht, sind die Großmeister des Alten oft schlechte Ratgeber. Es waren die etablierten Unterhaltungselektronik-Hersteller, die das Potenzial von MP3-Playern verkannten und heute neidisch auf Apple schielen.

Es ist auch nicht bekannt, dass auch nur einer der etablierten Medienkonzerne sich rechtzeitig damit befasst hätte, womit Google groß wurde. Oder dass eine der großen Schreibmaschinen-Marken den Transfer zum PC überlebt hätte. Auch waren die Hersteller von Kamerafilmen und Fotopapier ganz offensichtlich schlechte Ratgeber hinsichtlich des Potenzials der Digitalfotografie. Und wie war das noch mit den Handys des einstigen Telefon-Giganten Siemens?

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