Autozoom

Gefangen im Baukasten

Franz W. Rother Chefredakteur Edison

Neue Autos werden schneller entwickelt und billiger gebaut. Das hat Auswirkungen auf die Werke und Standorte. Auf die Beschäftigten in der Autoindustrie kommen schwere Zeiten zu.

Die Stars des Genfer Autosalons
McLaren 650S 650 PS und eine Spitzengeschwindigkeit von 333 km/h: Mit dem 650S präsentiert McLaren ein Fahrzeug für Tempofreunde und eine Weiterentwicklung des MP4-12C. Der schnittige Renner wird von einem 3,8-Liter-Biturbo-V8 zu Spitzenleistungen angetrieben: Von Null auf Tempo benötigt der 650S genau drei Sekunden. Die 200er-Marke knackt er in 8,4 Sekunden. Der Preis für den Sportwagen: mindestens 231.500 Euro. Quelle: dpa
McLaren 650S SpiderNeben dem Coupé bietet McLaren sein PS-Monster 650S auch als Cabrio an. Der Spider ist technisch identisch mit der geschlossenen Variante. In beiden Fällen ist der Innenraum mit Alcantara ausgekleidet. Wer den Fahrtwind im neuen McLaren-Cabrio genießen will, muss allerdings Abstriche bei der Spitzengeschwindigkeit machen. Statt 333 schafft die Cabrio-Variante "nur" 329 Stundenkilometer. Beim Verbrauch soll es hingegen keine Unterschiede zwischen Coupé und Cabrio geben: Beide schlucken 11,7 Liter. Quelle: AP
C4 Cactus Aventure "Auf ins Gelände", ruft Citroën mit dieser Fahrzeug-Studie. Der Aventure ist die Off-Road-Variante des C4 Cactus. Verstärkt, höhergelegt und mit geländetauglichen Reifen und Felgen soll der Fünftürer Abenteurer sicher durch die Wildnis bringen. Die kleinen Luftkissenpolster an der Seite dienen angeblich als zusätzlicher Schutz. Angetrieben wird der Aventure von einem Benzin- (82 oder 110 PS) oder Dieselmotor (92 oder 100 PS). Mehrere verbaute GoPro-Kameras sollen jedes Abenteuer im Bild festhalten. Quelle: AP
Jaguar F-Type Die britische Luxusmarke bringt den Super-Sportler F-Type als Coupé nach Genf mit. Gezeigt wurde er davor schon auf der LA Auto Show und in Tokyo. Jetzt steht er zum ersten Mal auf europäischen Boden. Im Mai 2013 hatte Jaguar den Nachfolger des legendären E-Type auf die Straße gebracht - bisher nur als Cabrio. Jetzt kommt das 550-PS-Geschoss (R-Version von 0 auf 100 km/h in 4,2 Sekunden) in der geschlossenen Version. Sie basiert auf dem 2011 auf der IAA vorgestellten Studie C-X16. Kostenpunkt: Zwischen 67.000 und 104.000 Euro. Quelle: AP
Ferrari California TMit dem Nachfolger des California geht Ferrari neue Wege. Erstmals arbeitet ein neu entwickelter V8-Turbo unter Haube. Der bringt den Sportwagen auf 560 PS und 755 Nm Drehmoment, ein satter Leistungsgewinn im Vergleich zum Vorgänger-Modell. Von Null auf Hundert schafft es der California T in 3,6 Sekunden. An der Optik hat Ferrari hingegen wenig geändert. Auch verwandelt sich der Sportwagen weiterhin auf Knopfdruck von einem Coupé in ein Cabrio. 14 Sekunden soll das Einklappen des Dachs dauern. Quelle: REUTERS
Volvo Concept EstateMit dem Concept Estate zeigt Volvo in Genf das letzte von drei Fahrzeugkonzepten. Wie bei den beiden vorherigen Studien Concept Coupé und XC Coupé wird die Frontpartie von den T-förmigen Scheinwerfer und den konkaven Kühlergrill geprägt. Das Kombi-Konzept orientiert sich am Design des als "Schneewittchen-Sarg" bekannten Volvo 1800 ES aus den 1970er Jahren. Der Innenraum ist schlicht gehalten: Ein Touchscreen auf der Mittelkonsole ersetzt die meisten Schalter und Regler und wird so zum zentralen Element im Cockpit. Quelle: REUTERS
Range Rover Evoque „Autobiography Dynamic” Von außen sind die Autobiography Dyamic Modelle der Briten durch ein höherwertig gestaltete Karosserie zu erkennen - unter anderem gibt es diamantgedrehte 20-Zoll-Alu-Schmiederäder, neue Designelemente in Atlas Silver und eine tiefer gezogene Frontschürze mit modifizierten Nebelscheinwerfereinfassungen sowie seitlichen Lufteinlässen. Im Innenraum gibt es viel Leder mit Bezügen in insgesamt sechs Farbkombinationen. Mit 285 PS und 400 Nm starkem 2,0-Liter-Benzin-Motor kommt diese Evoque-Variante noch sportlicher daher. Auch das Neungang-Getriebe wurde neu abgestimmt. Quelle: Range Rover
Concept Car Mazda 2 HazumiDas Konzeptfahrzeug Hazumi bietet einen Vorgeschmack auf den neuen Mazda 2. Die Kleinwagen-Studie wirkt mit ihren halbrunden Scheinwerfern und einer tiefen Frontpartie modern, sportlich und dynamisch. Kein Wunder: Übersetzt bedeutet Hazumi etwa "auf dem Sprung". Unter der Haube treibt ein neuentwickelter 1,5-Liter-Dieselmotor den 4,07 Meter langen Fünftürer an. Dadurch soll der 2er spritsparend fahren und einen CO2-Ausstoß von weniger als 90 Gramm pro Kilometer haben. Quelle: dpa
Audi-Chef Rupert Stadler, präsentiert den neuen Audi TT (S) Coupé. Die dritte Generation des Sportlers bekommt ein aggressiveres Styling. An der Front des neuen TT dominieren die Horizontalen. Der Singleframe-Grill ist viel breiter und flacher gezeichnet als beim Vorgängermodell, eine kräftige Linie teilt ihn in zwei Zonen. Von den oberen Ecken des Grills ausgehend, ziehen sich scharfe Konturen V-förmig über die Haube, die wie bei dem Hochleistungssportwagen Audi R8. Die flachen Scheinwerfer geben dem Gesicht des neuen TT einen energischen Blick. Einen frischen Anstrich verpasste Audi vor allem dem Innenraum: Neue S-Sportsitze mit stark konstruierten Wangen, integrierten Kopfstützen und tiefer Sitzposition sollen das Fahren noch angenehmer machen. Quelle: dpa
...und so sieht Audis neuer Sportflitzer von innen aus. Schon auf der CES zeigten die Ingolstädter das virtuelle Cockpit des TT, der vor allem durch einen 12,3 Zoll großen Monitor besticht, der die klassischen Instrumententräger ergänzen soll. Auf dem Display können Drehzahlmesser, Tacho, Navigationskarten und Infotainment-Inhalte abgerufen werden. Quelle: Audi
VW T-RocMartin Winterkorn - der oberste Wolfsburger höchstpersönlich - zeigt die neue SUV-Studie im Golf-Format. Mit 4,18 Meter Länger ordnet sich der T-Roc zwischen Taigun (3,86 m) und Tiguan (4,43 m) ein. Konzept und Design sind noch gewöhnungsbedürftig - respektive mutig. Der T-Roc ist ein zweitüriges Lifestyle-Buggy mit herausnehmbaren Dachteilen. Quelle: dpa
In der Mittelkonsole gibt es ein als Tablet konzipiertes Multitouch-Display, das auf Bewegungsgesten der Finger reagiert. Im Bereich der Innenspiegel ist außerdem eine HD-Kamera integriert. Beide Geräte lassen sich auch außerhalb des Fahrzeugs nutzen. Leichtbauweise machen den nur 1,50 hohen T-Roc zu einem Federgewicht von nur 1400 Kilogramm. Die 100 km/h packt der kleine (Radstand 2,60), aber dafür breite (1,81) Fun-SUV in 6,9 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit laut VW: 210 km/h. Quelle: dpa
Audi zeigt außerdem das Showcar TT quattro sport concept. Es soll das "dynamische Potenzial des neuen Audi TT in Reinkultur" verkörpern. Der 2.0 TFSI-Motor leistet 309 kW (420 PS) bei 6.700 1/min – ein neuer Bestwert in der Zweiliter-Kategorie. Mit 1.344 Kilogramm Leergewicht ist der Audi TT quattro sport concept ein durchtrainierter Leichtathlet. Der Vierzylinder katapultiert das Showcar in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Quelle: dpa
Beim Fahren soll der Vierzylinder mit seinem ausgeprägt sportlichen Charakter überzeugen. Der aufgeladene Direkteinspritzer hängt spontan am Gas und dreht spontan bis zur Abregelgrenze bei 7.200 1/min. Über den permanenten Allradantrieb quattro gelangen die Kräfte auf den Asphalt. Eine entscheidende Rolle im Leichtbaukonzept des Audi TT quattro sport concept spielt die Karosserie, die auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) basiert. Der Boden der Fahrgastzelle umfasst Komponenten aus formgehärtetem Stahl, die aufgrund ihrer extremen Festigkeit mit geringen Wandstärken auskommen und entsprechend wenig wiegen. Der Aufbau der Zelle, die komplette Außenhaut sowie die Türen und Klappen sind aus Aluminium in den drei klassischen Audi-Halbzeugen Gussknoten, Strangpressprofile und Bleche gefertigt. Quelle: dpa
Opel Adam RocksDie Rüsselsheimer haben eine höher gelegte Version ihres Stadtflitzers mitgebracht, um die vielen SUV-Fans auf "Augenhöhe" abzuholen. Dank modifiziertem Fahrwerk liegt der Rocks 1,5 Zentimeter höher über dem Fahrzeugboden des klassischen Adam. Zur Serienausstattung gehören nicht nur LED-Rück- und Tagfahrlichter, sondern auch ein elektrisches Faltdach, das Cabrio-Fans beim Adam bisher schmerzlich vermissten. Künftig wird die komplette Adam-Reihe mit zwei verschiedenen Drei-Zylinder-Motoren zu haben sein. Variante A als 66 kW/90 PS oder B als 85 kW/115 PS. Damit der Adam noch sparsamer unterwegs ist, bringen die Rüsselsheimer die modernen Direkteinspritzer mit einem frischen Sechsgang-Getriebe zusammen. Preislich soll der Rocks wohl rund 2000 bis 2500 Euro über dem bisherigen Adam liegen. Im Sommer soll er zu den Händlern kommen. Quelle: dpa
Lamborghini HuracanDer Nachfolger des Gallardo steht seinem Vorgänger in nichts nach: 325 km/h Spitzengeschwindigkeit holt der 10-Zylinder mit 5,2 Liter Hubraum aus der 610-PS-Maschine. Dank Benzin-Direkteinspritzung und eine Start-Stopp-Automatik aus dem Audi-Baukasten sinkt der Verbrauch auf durchschnittliche 12,5 Liter. Also ob sich Fahrer eines solchen PS-Monsters ums Spritgeld sorgen würden. Die ruppige sequenzielle Schaltung aus dem Gallardo wird von einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe mit der klangvollen italienischen Bezeichnung Lamborghini Doppia Frizione - kurz LDF abeglöst. Quelle: dpa
BMW Active TourerErstmals ein BMW mit Frontantrieb, der gegenüber der Mercedes B-Klasse das BMW-Angebot abrunden soll. Auch Van galt als Unwort. Beide Tabus bricht der neue Active Tourer der 2er-Baureihe. Familien aber auch Best Ager sollen sich von dem geräumigen Modell mit erhöhter Sitzposition angesprochen fühlen. Quelle: Presse
Mercedes S-CoupéSwarovski-Kristalle lassen die LED-Scheinwerfer des Luxus-Coupés funkeln, ein Kamera gesteuertes Fahrwerk hilft Schlaglöcher überwinden - mehr (automobiler) Luxus geht kaum. Quelle: Presse
Bentley Continental GT Speed Bentley-Chef Wolfgang Schreiber fährt den Luxuswagen natürlich persönlich vor. Der stärkste Serien-Bentley aller Zeiten bekommt nochmal fünf PS mehr und fährt in Genf mit satten 635 Pferde-Stärken auf. Hochstgeschwindigkeit: 331 km/h! Dazu gab es noch ein kleines Facelift - Spoilerlippe, Seitenschwellerleisten und der Heckdiffusor sind nun lackiert, die Scheinwerfer dunkler getönt. Quelle: dpa
Jaguar XFR-S SportbrakeDer sportliche Kombi beschleunigt mit seiner 5,0-Liter-V-8-Maschine in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von satten 300 km/h. Im Vergleich zum XFR bringt er mit 550 PS Leistung nochmal 40 PS mehr auf die Strecke. Das R-Sport-Pack ist in Kombination mit fünf Antriebsvarianten verfügbar vom 2,0 Liter Turbo Benziner mit 240 PS bis zum 3,0-Liter V6 Kompressor Benziner mit 340 PS und natürlich einer Diesel-Variante mit 3,0 Liter V6-Motor und 240 PS. Darüber hinaus rüstet Jaguar zum Modelljahreswechsel alle XF/XF Sportbrake mit einer Schaltpunktpunktanzeige und einer Reifenluftdruckkontrolle aus. Ebenfalls generell neu: Ein unterhalb des springenden Jaguar "Leaper" zusätzlich auf der Heckklappe angebrachter Jaguar Schriftzug. Im Interieur spiegeln Akzente aus Karbonleder an den Polstern und den Armablagen in den Türen den Einsatz von Kohlefaser an der Karosserie wider. Kostenpunkt: 110.450 Euro. Ab Juli steht der neue Jaguar bei den deutschen Händlern. Quelle: Jaguar

Droht dem Kölner Ford-Werk das gleiche Schicksal wie das Opel-Werk in Bochum, das Ende der Fahrzeugproduktion, ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen, ein Sterben in Raten? Die 17.000 Ford-Beschäftigten in der Domstadt, vor allem die 4000 in der Fiesta-Produktion, treibt diese Fragen in diesen Wochen mächtig um. Der Grund: Denn gut zwei Jahre vor dem Modellwechsel ist immer noch nicht klar, wo die nächste Generation des Kleinwagens (Projektbezeichnung B479) gebaut wird – weiterhin in Köln-Niehl oder etwa im rumänischen Craiova. In dem Billiglohnland lässt Ford seit knapp zwei Jahren bereits den Minivan B-MAX fertigen, eine Hochdach-Variante des Fiesta mit Schiebetüren.

Ford-Werke-Chef Bernhard Mattes hatte auf einer Betriebsversammlung im vergangenen Dezember deutlich gemacht, dass Produktionsentscheidungen im Konzern allein nach betriebswirtschaftlichen Kennziffern getroffen werden. So müsse sich auch das Kölner Werk  mit anderen Standorten des Konzerns messen lassen, nicht nur nach Stückzahlen und Produktivität, sondern auch bei den Fertigungskosten pro Fahrzeug. Derzeit, so ist zu hören, klafft hier eine Lücke von rund 1300 Euro zwischen einem Auto aus Köln und dem Schwestermodell aus Rumänien. Die Position der Geschäftsführung ist klar: Fortgesetzt wird die Kleinwagen-Produktion in Köln nur dann, wenn sich damit auch Gewinne erzielen lassen. Andernfalls wird die Fahrzeugproduktion beendet. Da trifft es sich gut, dass die Beschäftigungsgarantie für die Ford-Werker in Köln 2016 ausläuft.

Was die Ford-Beschäftigten derzeit in Köln erleben, kann man getrost als Säbelrasseln bezeichnen. Das Management will runter von den hohen Fertigungskosten und fordert im Gegenzug für den Fiesta-Auftrag von den Beschäftigten weitere Zugeständnisse – etwa den Abbau von Freischichten oder den Verzicht auf Zuschläge. Das ist hart. Aber den Vorständen der großen Autokonzerne bleibt keine andere Wahl: Der Wettbewerb wird im Kleinwagengeschäft ist beinhart, und er wird in erster Linie über den Preis geführt wird. Qualitativ und konzeptionell gibt es zwischen den Autos kaum mehr Unterschiede, das Markenimage spielt eine immer geringere Bedeutung.

Und Markentreue ist Geschichte: Wer gestern Ford fuhr, lässt sich heute auch für einen Hyundai oder Toyota begeistern. Es gab Zeiten, da achteten die Käufer darauf, wo ein Auto gebaut wurde. Anhand der Fahrgestellnummer versuchten sie herauszufinden, ob der Porsche in Stuttgart oder in Finnland vom Band lief, ob der Audi in Ingolstadt oder Neckarsulm montiert wurde oder der Fiat aus Italien oder Polen importiert wurde. Aus und vorbei. Audi produziert seinen Kompakt SUV Q3 mittlerweile bei Seat in Spanien – und kein Hahn kräht danach. Mercedes lässt die A- und B-Klasse parallel in Deutschland und Ungarn produzieren – und nur Experten finden noch Unterschiede zwischen den Autos. Der Audi Q5 kommt künftig aus Mexiko zu uns, die nächste C-Klasse von Mercedes möglicherweise eines Tages aus USA. Ja und? Den Autokäufern kann es egal sein. Fertigungsspezialisten sorgen dafür, dass die Produktionen überall auf der Welt nach den gleichen Prinzipien funktionieren. Und in der Regel kommen die Einzelteile von den gleichen Zuliefern – Qualitätsunterschiede sind damit so gut wie ausgeschlossen. Für Opel macht es deshalb keine Mühe, die Produktion des Familienvan Zafira Ende des Jahres nach Rüsselsheim zu verlagern und das Werk in Bochum zu schließen. Das Nachfolgemodell wird voraussichtlich ab 2017 im französischen Sochaux montiert werden – in einem Werk des Peugeot-Konzerns.

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