WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen
Autozoom

Ode an die Globalisierung

Martin Seiwert
Martin Seiwert Redakteur Blickpunkte

In den ersten drei Monaten des Jahres brachen die Autoverkäufe in Deutschland um 13 Prozent ein. Nicht auszudenken, was bei VW, Daimler und BMW los wäre, wären sie nicht so wunderbar global.

Der Autoabsatz in Europa ist 2013 auf ein Rekordtief gefallen. Ein Blick auf Europas Autoindustrie zeigt, dass es grade die Globalisierung ist es, die die Folgen der Absatzkrise abmildert. Quelle: AP

In Europa sind 12 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter arbeitslos. Von den jungen Europäern unter 25 Jahren findet sogar jeder vierte keinen Job. Schuld daran ist die Globalisierung, darin sind sich Stammtische zwischen Irland und Griechenland, zwischen Polen und Portugal einig. Je schlimmer die Lage, umso mehr Feindseligkeit schlägt ausländischen Anbietern, Investoren und Arbeitskräften entgegen.

Dabei reicht ein kurzer Blick auf Europas Autoindustrie, um zu verstehen: Gerade die Globalisierung ist es, die die Folgen der europäischen Krise abmildert und das Überleben von Unternehmen sichert.

Welche Autobauer gut verkaufen - und welche nicht
Dunkle Wolken über dem europäischen Automarkt: Die Zahl der verkauften Autos in der Europäischen Union ist im Februar um 10,5 Prozent auf 795 482 gefallen, wie der europäische Branchenverband Acea mitteilte. So wenig Fahrzeuge wurden in dem Monat noch nie verkauft. Bereits im Januar war der Absatz auf ein Rekordtief in diesem Monat gefallen. Über die ersten beiden Monate des Jahres gesehen fiel der Absatz um 9,5 Prozent auf 1,681 Millionen Autos. In Deutschland sanken die Verkäufe um 10,5 Prozent und damit noch deutlicher als im Krisenland Spanien (minus 9,8 Prozent). In Frankreich lag das Minus bei 12,1 Prozent und in Italien bei 17,4 Prozent. Quelle: dpa
Unter den großen Herstellern verbuchte der angeschlagene französische Peugeot-Citroen-Konzern mit minus 13,3 Prozent den schärfsten Rückgang. Statt wie im Vorjahresmonat 72.191 Autos verkaufte Peugeot diesen Mai nur 64.034 Wagen. Auch Citroen verlor kräftig: Von 60.479 Neuzulassungen im Mai 2012 ging es runter auf 51.157. Quelle: AP
Auch der Fiat-Konzern verlor im zweistelligen Prozentbereich, um elf Prozent ging es bei den Neuzulassungen bergab. Insgesamt wurden im Mai nur 56.155 Autos der Kernmarke Fiat neu zugelassen. Auch bei den anderen Marken Lancia/Chrysler, Alfa Romea und Jeep liefen die Geschäfte schlecht - an den Vorjahresmonat reichte keine Marke heran. Insgesamt verlor die Gruppe 0,4 Prozentpunkte beim Marktanteil. Quelle: REUTERS
Renault Quelle: dapd
Opel Quelle: dpa
Volkswagen Quelle: dapd
BMW Quelle: dpa

Nach einer heute veröffentlichten Studie von Ernst & Young wuchs der Umsatz der deutschen Autobauer seit 2003 um 78 Prozent. Volkswagen, Daimler, BMW & Co. steigerten ihren Gewinn vor Steuern und Zinsen innerhalb eines Jahrzehnts um satte 281 Prozent. Ohne ihre Milliardenumsätze in China und anderen Ländern Asiens, in USA, Russland und Südamerika hätten Umsätze und Gewinne bestenfalls stagniert, zehntausende Arbeitsplätze wären verloren gegangen.

Die meisten neuen Arbeitsplätze der deutschen Autobauer und Zulieferer sind freilich nicht in Deutschland und Westeuropa entstanden, sondern in den Wachstumsmärkten im Osten und in Übersee. Aber die heimischen Mitarbeiter profitieren dennoch: Die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland konnte trotz fortschreitender Automatisierung konstant gehalten werden, die Unternehmen sind durch das weltweite Wachstum stärker als je zuvor und investieren mehr als in irgendeiner anderen Region in Forschung und Entwicklung. Und nicht zu vergessen - auch die außereuropäischen Autobauer, die in Europa produzieren, schaffen Arbeitsplätze in der eigenen Produktion und bei hier ansässigen Zulieferern.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%