Autozoom

Opel-Krise ohne Ende

Franz W. Rother Chefredakteur Edison

Der Geschäftsplan von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke sieht eine Schließung des Bochumer Werks vor. Die Beschäftigten dort sind zum Kampf entschlossen.

Dunkle Wolken über dem Bochumer Opel-Werk Quelle: REUTERS

Griechenland? Ist praktisch tot. Zumindest als Absatzmarkt für Automobile. Im gesamten ersten Quartal 2012 wurden dort nur etwa 17.000 Neuwagen zugelassen - das sind nach den Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes etwa so viele Autos, wie in Hamburg in einem Monat neu auf die Straße kommen. In Portugal sieht es nicht viel besser aus. Dort haben sich die Neuwagenverkäufe seit Jahresbeginn halbiert. Auch in Spanien, Frankreich, Italien und Belgien ist der Automarkt seit Jahresbeginn mächtig geschrumpft, bewegen sich die Neuzulassungen im Rückwärtsgang.

Kein Wunder: Wo die Arbeitslosigkeit grassiert und der Rotstift regiert, sinkt die Kauflaune auf den Gefrierpunkt. Selbst wer noch ordentlich verdient, stellt sich kein neues Auto vor die Haustür, um die darbenden Nachbarn zu Neidreaktionen zu provozieren. Eure Armut kotzt mich an? Lieber nicht.

Die anhaltende Schwäche des europäischen Automarkts bekommen alle Fahrzeughersteller zu spüren, selbst der Klassenprimus aus Deutschland. Mit voller Wucht trifft es aber die europäischen Hersteller, die das Gros ihrer Produkte auf dem Heimatmarkt absetzen. Fiat, Peugeot, Citroen und Renault, in starkem Maße auch Opel: Im Vergleich zum Vorjahr hat das 150 Jahre alte Traditionsunternehmen seit Jahresbeginn ein Fünftel seines Absatzvolumens verloren. Die Folge: Die Werke der Opel-Muttergesellschaft in Europa sind derzeit im Schnitt nur etwa zur Hälfte ausgelastet.

Vertrauen der Konsumenten sinkt

Theoretisch könnten bis zu 1,6 Millionen Autos gebaut werden. Praktisch werden die teuren Fabriken in diesem Jahr aber wohl nur 1,2 Millionen Autos ausspucken, wenn die Marktschwäche anhält. Vielleicht werden es aber auch nur eine Million Autos. Denn die seit Wochen andauernde Diskussion über die Überkapazitäten von GM in Europa, die Verluste von Opel und die Schließung von ein, zwei Autowerken haben das Vertrauen der Konsumenten in die Marke nicht gerade erhöht: Mögen die Autos mit dem Blitz im Kühlergrill noch so hübsch anzuschauen sein, zuverlässig arbeiten und viel für Geld bieten: Das Produkt einer Marke, der ein Verlierer-Image anhängt, holt man sich ungern ins Haus. Das bekommt Schlecker zu spüren, der Mitarbeiter der Commerzbank oder aktuell der Verkäufer von Fanartikeln des 1.FC Köln.

Und nun zahlen auch die Opel-Händler für ein verlorenes Jahrzehnt, in dem das Management in Detroit, Zürich und Rüsselsheim nicht den Mumm hatte, den unzähligen Sanierungs-, Revitalisierungs- und Restrukturierungsplänen auch wirklich harte Schnitte folgen zu lassen – oder aber alternativ Opel als Weltmarke aufzubauen. Das erste „Zukunftsprogramm“ namens „Olympia“ wurde bereits im Sommer 2001 aufgelegt, vom damaligen Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz aber Stück für Stück zerredet.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%