WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Autozoom

Rettet das Kastenbrot!

Franz W. Rother Chefredakteur Edison

Die reine Autoform ist die des Kastens: Sie bietet viel Platz, gutes Raumgefühl und Übersicht. Doch vom Kleinwagen bis zum SUV sehen immer mehr Autos rund gelutscht aus und bieten weniger Platz. Ein Plädoyer für Kanten.

Die neuen SUV und Crossover-Modelle
Nissan X-TrailDie Japaner stellen die dritte Generation ihres SUV vor. Nissan hat die Optik geglättet, insgesamt wirkt der SUV nun deutlich runder und gefälliger - in der Designsprache aber auch beliebiger. Ab 2014 ist die neue Variante auf den Markt. Quelle: AP
Mercedes GLA Dieter Zetsche ist mächtig stolz auf den neuen kompakten SUV der Schwaben. Dem auf der A-Klasse basierenden Geländewagen sagt nicht nur der Hersteller eine große Zukunft voraus. Einziges Manko: Mercedes hat sehr lange gewartet ehe der Premiumhersteller auf den SUV-Zug aufgesprungen ist. Mit dem GLA soll nun die Aufholjagd beginnen. Ab Ende November ist er bestellbar, im März 2014 rollt er dann zum Händler. Der GLA ist 13 cm länger als die A-Klasse, 6 Zentimeter höher und rund zwei Zentimeter breiter. Assistenz- und Multimediasysteme stammen aus der A-Klasse. Zum Start gibt es zwei Benziner und zwei Diesel. Der GLA 200 bringt 156 PS mit, der GLA 250 satte 211 PS. Der Normverbrauch bei den Benzinern soll bei 7,1 Liter liegen, bei den Dieselmodellen bei 4,3 Litern. Preis: Ab etwa 30.000 Euro. Quelle: REUTERS
Skoda Yeti FaceliftDie Tschechen zeigen den überarbeiteten Yeti. Ab jetzt ist der Kompakt-SUV in zwei Varianten erhältlich - einer eleganten City-Variante und eine auf "Abenteuer" getrimmten Outdoor-Variante. Während beim urbanen Yeti die sichtbaren Designelemente wie Stoßfänger, Unterfahrschutz, Seitenleisten und Türschweller in Wagenfarbe gehalten sind, erhält die Outdoor-Variante an diesen Stellen schwarz lackierte Kunststoffelemente im Off-Road-Look. Beide Modelle haben eine neugestaltete Front- und Heckpartie. Ende 2013 kommen sie zum Händler. Quelle: REUTERS
BMW X 5 (eDrive)Die Bayern kleckern nicht, sie klotzen: Beim Facelift des X5 gab es keine großen Veränderungen - BMW will bei seinem Erfolgsmodell offenbar kein Risiko eingehen. Weltweit hat sich der X5 bereits 1,3 Millionen mal verkauft. Zu haben ist der neue X5 ab rund 52.000 Euro. Als Studie brachten die Bayern den eDrive mit (Foto). Der Plug-In-Hybrid soll bis zu 30 km rein elektrisch fahren können, bei einer Spitzengeschwindigkeit von 120 km/h. Quelle: dpa
Dacia DusterDie Renault-Tochter aus Rumänien zeigt das Facelift ihres SUV-Klassikers Duster. Wichtigste Neuerung: Den Duster gibt es jetzt auch als Turbo-Benzin-Direkteinspritzer. Verändert hat sich die Front. Hier setzt Dacia jetzt auf mehr Chrom. Der Preis bleibt derselbe. Der Duster ist ab günstigen 10.490 Euro zu haben. Quelle: dpa
Jaguar CX 17Die Briten zeigen eine Crossover-Studie mit Raubkatzen-Emblem. Gemunkelt wird, dass ab 2016 mit einem Serienmodell zu rechnen ist. Der CX17 steht auf einer Aluminium-Karosse. Chef-Designer Ian Callum (Foto) hat typische Stilelement der Jaguar-Familie verwendet, was an der Frontpartie besonders deutlich zu sehen ist. Quelle: Jaguar
Kia NiroDie Koreaner zeigen eine bullige Crossover-Studie für SUV-begeisterte Städter. Angetrieben wird der Niro von einem Allrad-Hybridsystem. Der Hauptmotor ist ein 1,6-Liter-Turbobenziner, mobilisiert 160 PS und ist mit einem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe kombiniert. Während dieser Verbrennungsmotor die Vorderräder antreibt, wird die Kraft des 45 PS (33 kW) starken Elektromotors an die Hinterräder geleitet, wenn die Fahrbahn- oder Geländeverhältnisse es erfordern. Die vom europäischen Kia-Designteam unter Leitung von Gregory Guillaume, Designchef von Kia Motors Europe, entwickelte Studie orientiert sich stark am Geschmack und an den Ansprüchen europäischer Kunden. Quelle: Kia

Carlos Ghosn, der Chef der französisch-japanischen Auto-Allianz Renault-Nissan, liebt den großen Auftritt. Auf der IAA in Frankfurt präsentierte er mit viel Glanz und Gloria den neuen Nissan X-Trail, der ab Sommer 2014 verkauft wird. Wer den alten X-Trail nicht kennt: Es ist ein wunderbar kantiger Geländewagen mit stolzen 603 Litern Norm-Kofferraum, der in der zweiten Generation seit 2007 auf dem Markt ist.

Ghosn preist auf der IAA das neue sportliche SUV-Design - allen Liebhabern des Kastendesigns fährt da schon der Schreck in die Glieder: Als die Verhüllung fällt, sind die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Abfallende Dachlinien, aufsteigende Gürtellinien, schräg stehende Frontscheiben. Der neue X-Trail ist ein weiterer rund gelutschter SUV, wie sie im Moment zahlreich aus Europa, Korea, Japan oder den USA kommen. Verwechselbar bis zur Unkenntlichkeit, unübersichtlich und unpraktisch, denn die technischen Daten für den X-Trail liegen zwar noch nicht vor, aber es ist so gut wie sicher, dass der Abschied von den Kanten auch Platz im Innen- und Kofferraum kostet.

Land Rover Discovery Quelle: Jaguar

Es sind von außen monströse Autos, die bis zu fünf Meter groß sind, zwei und mehr Tonnen schwer, die aber trotzdem nicht mehr Platz auf den Rücksitzen und im Gepäckabteil bieten als jeder gut gemachte Kombi. Rund gelutscht werden sie, damit sie etwas zierlicher aussehen, der Sozialneid der Nachbarn geringer werden möge. Der Marketing-Hammer ist aber, wenn das abgerundete Design auch noch als sportlich und jugendlich verkauft wird. Was ein dicker Brummer, wie es praktisch alle SUVs sind, mit Sport und Jugend zu tun haben, bleibt ein großes Rätsel und das Geheimnis der PR-Abteilungen der Hersteller.  

„Das Modell hat sich kaum mehr verkauft“, heißt es zur dann Begründung aus den Presseabteilungen der Autokonzerne. Klar, aber das lag beim X-Trail weniger an der Form, sondern eher daran, dass der alte X-Trail seit 2007 praktisch unverändert, bis auf einen Mini-Facelift in 2010, gebaut wird. Er war sicht-, fühl- und fahrbar ein betagtes Auto, eine eher altbackene Plastiklandschaft als Armaturenbrett, keine Assistenzsysteme und betagte Infotainmentsysteme lockten nicht zum Kauf. Die Zeit ist an dem X-Trail vorbeigerast. Ein wenig mehr Zuwendung und Modellpflege hätte ihm und uns, den Freunden der Kastenform, gut getan.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%