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Autozoom

Toyotas Umwege zum reinen E-Auto

Martin Seiwert
Martin Seiwert Redakteur Blickpunkte

Toyota gebe das Elektroauto auf, war unlängst zu lesen. Das Gegenteil ist richtig: Toyota hat das elektrische Fahren erst hoffähig gemacht und arbeitet nun mit Hochdruck an einer Zukunft ohne Benzin und Diesel. Andere Autobauer erzielen jetzt schon Milliardenumsätze mit ihren E-Mobilen.

Toyota-Chefentwickler Takeshi Uchiyamada wagt mit seinem E-Auto IQ EV einen ersten Paxistest - Nur 100 Exemplare will der Autohersteller zunächst verkaufen Quelle: REUTERS

Toyota nimmt Abschied vom Elektroauto. So titelten gestern einige deutsche Medien und beziehen sich dabei auf ein Interview mit Toyota-Entwicklungschef Takeshi Uchiyamada. Es gebe zahlreiche Probleme mit den Batteriefahrzeugen, wird Uchiyamada zitiert. Ganze 100 Stück seines neuen E-Fahrzeugs wolle Toyota in den USA und Japan verkaufen.

Das passt ins Bild: Der Elektroauto-Traum ist ausgeträumt, auf ewig lebt der Verbrenner – nach dem Elektroauto-Hype feiern die Medien derzeit den Elektroauto-Absturz. Beides, Hype und Absturz, sind falsche Extreme. Die schnöde Realität liegt dazwischen.

Das gilt auch für den derzeit führenden Autobauer Toyota. Nehmen wir die These, Toyota verabschiede sich vom Elektroauto. Ja, Toyota ist nicht wirklich begeistert von rein batteriegetriebenen Fahrzeugen. Das ist allerdings nicht neu, sondern schon seit Jahren so. Warum diese skeptische Haltung?

Erstens, weil Toyota getreu seiner japanischen Entwicklungsphilosophie eigentlich keine Entwicklungssprünge mag, keine Revolutionen. Lieber sind dem Konzern die konstanten Verbesserungen, die Evolution.

Sparsame Japaner

Der Hybridantrieb von Toyota war zwar eine Revolution, aber sie kam Toyota-typisch in Trippelschritten: Lange gab es nur ein Modell – den Prius – das parallel zu Millionen herkömmlicher Toyotas in homöopathischen Dosen verkauft wurde. Zug um Zug wurde und wird der Hybridantrieb nun in die gesamte Modellpalette des Autobauers integriert und dabei technisch immer weiter verfeinert. Reine Batterieautos haben hohe Kosten und eine eingeschränkte Reichweite – eine zu gefährliche Kombination für den Geschmack der ebenso vorsichtigen wie legendär sparsamen Japaner.

Zweitens, weil Toyota seine führende Rolle beim Hybridantrieb zu Geld machen will, bevor der nächste Entwicklungsschritt – das reine E-Auto – kommt. Toyotas Weg zum E-Auto führt über den Hybrid, so steht es in den Strategiepapieren des Konzerns.

Die beliebtesten E-Autos der Welt
FankreichFrankreichs Autobauer setzen voll auf Elektromobilität. Doch das E-Auto, das sich in der Grande Nation am besten verkauft, ist kein Renault, kein Peugeot und kein Citroen. Platz 1 geht an das Modell Bluecar des französischen Mischkonzerns Bolloré. Es wurde im ersten Quartal über 700 Mal abgesetzt. Insgesamt wurden schon über 1800 Bluecars in Frankreich zugelassen – die meisten jedoch nicht durch Privatkunden, sondern den Pariser Car-Sharing-Anbieter Autolib. Französische Privatkunden können das Bluecar ab Juni für 330 Euro pro Monat leasen – bei Fahrtkosten von 1,50 Euro pro 100 Kilometer kein schlechter Deal. Quelle: dapd
In Japan führt ein alter Bekannter das E-Auto-Ranking an: Der Nissan Leaf. Unter den Elektro-Großserienfahrzeugen der ersten Stunde gehört es zu den besten und erfolgreichsten. 2011 wurden wegen des Erdbebens in Japan nur 20.000 Stück gebaut, in diesem Jahr strebt Nissan 40.000 an. Im Heimatmarkt wurden im ersten Quartal knapp 2800 Leaf abgesetzt. Quelle: dapd
USAIn Frankreich ist ein französisches Modell top, in Japan ein japanisches – und in USA ein amerikanisches. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Industriepolitik. Die Länder fördern den Verkauf heimischer E-Autos mit Kaufprämien von einigen tausend Euro. So landet in den USA der Chevrolet Volt ganz oben auf dem Treppchen mit über 3700 neu zugelassenen Fahrzeugen im ersten Quartal. Weltweit wurde das E-Auto, das auch über einen benzinbetriebenen Zusatzmotor verfügt, schon 23.000 Mal verkauft. In Deutschland ist das fast baugleiche Auto auch als Opel Ampera zu haben. Quelle: dapd
China hat große Pläne mit dem Elektroantrieb. Weil der Rückstand gegenüber den großen Autonationen bei herkömmlichen Antrieben nicht aufzuholen ist, will China mit E-Autos angreifen. Doch das in der DDR erfundene Manöver „Überholen ohne Einzuholen“ (Walter Ulbricht) gestaltet sich schwieriger als gedacht. Technische Probleme werfen die chinesischen Autobauer immer wieder zurück, was sich auch an den Zulassungszahlen ablesen lässt. Im ersten Quartal war das Modell A-Class von Jianghuai Automobile Co (JAC) das meistverkaufte E-Auto – mit ganzen 213 Fahrzeugen. Quelle: AP
DeutschlandDie deutschen Kunden gehen das Thema E-Auto pragmatisch an. Platz 1 im ersten Quartal geht an den elektrischen Renault Kangoo. Für Gewerbe, die für einen begrenzten Radius einen Transporter brauchen und unter hohen Benzin-Rechnungen leiden, ist die E-Version des Kangoo eine echte Alternative. Bei 20.000 Euro Kaufpreis zuzüglich einer monatlichen Batteriemiete von 72 Euro (zzgl. MwSt) kann sich das Fahrzeug durchaus rechnen. Das dachten sich wohl auch die 280 Käufer, die im ersten Quartal zugriffen. Den eher klassischen Autokäufer darf man dagegen hinter dem zweitplatzierten Modell vermuten,… Quelle: REUTERS
…dem Opel Ampera. Der technische Zwillingsbruder des Chevrolet Volt wurde im ersten Quartal 250 Mal abgesetzt. Das ist nur gut ein Prozent der weltweit verkauften Volts und Amperas. Am Produkt selbst kann das geringe Interesse in Deutschland nicht liegen, denn der Ampera ist ein Auto, das die meisten Alltagsstrecken (bis 80 Kilometer) elektrisch und kostengünstig schafft, dank des zusätzlichen Benzinmotors aber auch alle Vorzüge eines herkömmlichen Autos der Golf-Klasse hat. Was die Kunden abschreckt, ist wohl eher der Anschaffungspreis (43.000 Euro) und die Frage, wie viel so ein Auto nach ein paar Jahren noch Wert ist. Quelle: dpa
Mit mageren 110 Autos liegt der Renault Fluence auf Platz 3 hierzulande. Auch hier muss man sich die Kunden als preisbewusste Pragmatiker vorstellen, denn der Fluence hat Passat-Größe und kostet dennoch nur 26.000 Euro plus 82 Euro monatliche Batteriemiete. Noch günstiger und mit frischer Cabrio-Brise kann man in einem anderen elektrischen Gefährt reisen,… Quelle: Presse

Bis jetzt gab es Toyota-Hybride, die Bremsenergie rückgewinnen und damit einen zusätzlichen Elektromotor antreiben. In den vergangenen Monaten kam der Toyota Plug-in-Hybrid hinzu, der auch an der Steckdose aufgeladen werden kann und deshalb 20 Kilometer rein elektrisch schafft. Diese Reichweite deckt, das ist durch amtliche Statistiken belegt, 80 Prozent aller Fahrten ab. Sobald die Batterie leer ist, springt der Benzinantrieb mit herkömmlicher Reichweite an. Den Kunden gefällt‘s: Der Plug-in-Hybrid wurde in wenigen Monaten weltweit schon über 13.000 Mal verkauft, obwohl die Produktion noch gar nicht richtig hochgefahren ist. Die 300 Exemplare, die Toyota Deutschland in diesem Jahr absetzen darf, sind schon weg. Die Kunden haben gekauft, ohne den Wagen jemals gesehen zu haben.

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