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Autozulieferer Razzia wegen Insiderhandels bei Grammer-Übernahme

Ein Mitarbeiter in der Produktion beim Autozulieferer Grammer in Kümmersbruck (Bayern). Quelle: dpa

Bei der Übernahme des Autozulieferers Grammer durch seinen chinesischen Partner sollen Börsianer illegal an Insiderwissen verdient haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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Bei der Übernahme des Autozulieferers Grammer durch seinen chinesischen Partner sollen fünf Börsianer illegal an ihrem Insiderwissen verdient haben. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wirft den Verdächtigen im Alter zwischen 35 und 70 Jahren vor, „Insiderinformationen zum Stand von Übernahmegesprächen gewinnbringend für den Aktien- und Derivatehandel verwendet zu haben“.

Die Informationen sollen sie von einem Tippgeber erhalten haben, den die Ermittler ebenfalls im Visier haben. Die Grammer-Führung soll die Mauscheleien mit ihrer Informationspolitik unwissentlich erleichtert haben. Die Ermittler werfen dem Unternehmen und drei ehemaligen Vorständen vor, den Kapitalmarkt zu spät über den Stand der Übernahme durch den chinesischen Autozulieferer Ningbo Jifeng informiert zu haben.

Im Zuge der Ermittlungen seien am Dienstag 16 Wohnungen und Büros in der Region Frankfurt, in Bayern und in Berlin von rund 60 Beamten durchsucht worden. Auch die Finanzaufsicht BaFin sei involviert. „Zudem wurden Beschlüsse zur Vermögensabschöpfung vollstreckt“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Einer der Verdächtigen soll auch im Zusammenhang mit Übernahmen von vier weiteren Unternehmen - davon drei im Ausland - Insiderhandel betrieben haben.

Die Behörde nannte den Namen des betroffenen Unternehmens nicht. Ein Grammer-Sprecher bestätigte aber, dass die Zentrale des Herstellers von Lkw- und Zug-Sitzen im bayerischen Amberg durchsucht worden sei. „Wir haben uns an alle Börsenregeln gehalten“, betonte er. Das Unternehmen kooperiere voll mit den Behörden. Die Grammer-Aktie ging zeitweise um mehr als drei Prozent in die Knie.

Mit dem Einstieg des Familienunternehmens Ningbo Jifeng war für Grammer 2017 ein monatelanger Abwehrkampf gegen die Unternehmerfamilie Hastor zu Ende gegangen. Die Eigentümer des bosnischen Autozulieferers Prevent hatten sich mit 20 Prozent eingekauft und wollten unter anderem den damaligen Vorstandschef Hartmut Müller ablösen. Ein Jahr später übernahmen die Chinesen die Mehrheit, worauf alle drei Vorstandsmitglieder ihre Kündigung einreichten.

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