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Autozulieferer Warum Continental Schaeffler technologisch abgehängt hat

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Reagieren statt Agieren

Wesentlich schlechter als Conti steht Schaeffler da, der Konzern, der derzeit 46 Prozent an Conti hält und dem eine mögliche Wertsteigerung durch dessen Aufspaltung ganz gut zu pass käme. Schaeffler verdient sein Geld vorrangig mit Metallverarbeitung, mit beweglichen Teilen im traditionellen Diesel oder Benziner, etwa Lager und Kupplungen.

Das ist genau der Bereich, aus dem die Wertschöpfung in den nächsten 20 Jahren abwandern wird, hin zu Leistungselektronik und Software. Wenn sich Elektroautos wie erwartet durchsetzen, macht das große Teile des bisherigen Portfolios überflüssig. Statt von Schaeffler produzierter Lager und Kupplungen sind dann Leistungselektronik und Software gefragt.

Das dürfte zwar noch ein, zwei Jahrzehnte dauern, doch die Entwicklungszyklen in der Autoindustrie sind lang. „Die Zulieferer müssen sich schon heute positionieren, wenn sie künftig nicht aus der Wertschöpfungskette herausgeschnitten werden wollen“, sagt Berater Welge.

Unternehmenskonzentration in der Zuliefererindustrie

Auch das Geschäft mit Ersatzteilen dürfte schon deshalb leiden, weil es in Elektroautos schlicht weniger bewegliche Teile gibt. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld räumt ein, dass „ein Teil dessen, was wir heute anbieten“, bei reinen E-Autos nicht mehr benötigt werde. Auch der Aftermarket, also das Geschäft mit Ersatzteilen, das bei Schaeffler nach wie vor einen erklecklichen Teil zum Geschäft beisteuert, wird langfristig erheblich zurückgehen: Elektroautos haben weniger bewegliche Teile und gehen entsprechend seltener kaputt. Auch Dinge wie Ölwechsel und die Abgasuntersuchung entfallen.

Steigt Conti in die Fertigung von Batteriezellen ein?

Conti agiert im Spiel mit den technischen Umwälzungen im Autobau, Schaeffler reagiert und hinkt immer ein bisschen hinterher. So haben sich die seit 2015 um 25 Prozent gestiegenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung bisher noch nicht adäquat in Umsätzen aus Zukunftsfeldern wie der Elektrifizierung des Antriebsstranges niedergeschlagen. „Der Margendruck auf Schaeffler dürfte eher hoch bleiben“, sagt Bloomberg-Analyst Michael Dean, „weil auch die Autohersteller alle Geld für E-Auto-Entwicklung und Autonomes Fahren brauchen und ihre eher traditionellen Stammzulieferer weiter im Preis drücken werden.“

Und selbst das reicht Conti wohl nicht, denn der Konzern hat Großes vor: Conti wird vermutlich in die ziemlich kapitalintensive Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen einsteigen, ein Geschäft, das bislang ausschließlich in der Hand eines asiatischen Oligopols um Panasonic, Samsung und LG Chem liegt. „Die Batteriezelle wird künftig einen signifikanten Anteil der Wertschöpfung am Auto ausmachen, natürlich sehen wir uns das an“, sagte Conti-Manager Maiwald dazu der WirtschaftsWoche.

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