BAIC Chinesischer Staatskonzern will bei Daimler einsteigen

Der chinesische Staatskonzern BAIC will sich an Daimler beteiligen. Die Gespräche laufen offenbar bereits. Der Stuttgarter Konzern zeigt sich für die Geldspritze der Autobauer aus China offen.

Ein Auto von Daimler. Quelle: dpa

Der chinesische Autobauer und langjährige Daimler-Partner BAIC will sich an dem Stuttgarter Konzern beteiligen. Es liefen Gespräche über einen Anteilskauf von BAIC an Daimler, sagte eine Person mit Kenntnis der Verhandlungen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Eine Person aus der Autobranche bestätigte, dass die Gespräche von den Investmentbanken beider Seiten geführt würden.

Die Höhe des angestrebten Anteils wurde zunächst nicht bekannt. Daimler hatte zuvor mitgeteilt: "BAIC ist unser wichtigster Partner in China und uns verbindet eine enge Kooperation." Daimler wolle weiter attraktiv für potenzielle langfristige Investoren sein. "Dabei sind uns auch Investoren aus China willkommen", hatte ein Sprecher erklärt.

Wie sich VW, BMW und Mercedes in China schlagen
Der größte Automarkt der WeltMit mehr als 18 Millionen neuen Pkw alleine im Jahr 2014 ist China der größte Automarkt der Welt. Fast ein Viertel aller Neuwagen weltweit werden hier verkauft. Dabei kommen auf 1000 Chinesen erst 61 Autos. In Deutschland sind es 540 auf 1000 Einwohner. Bei 1,3 Milliarden Chinesen ist das Potenzial noch riesig. Allerdings verlangsamt sich das Wachstum zusehends. Der chinesische Branchenverband geht für 2015 nur noch von drei statt sieben Prozent Wachstum aus. Auch der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) erwartet, dass sich die Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten und die Abkühlung der Konjunktur auf den Automarkt auswirken.
Volkswagen PkwFür die Wolfsburger ist China mit Abstand der wichtigste Markt. 2014 konnten die Wolfsburger 2,76 Millionen Autos im Reich der Mitte verkaufen – genau 35 Prozent aller Autos mit VW-Emblem. Im ersten Halbjahr 2015 setzte VW nur 1,3 Millionen Fahrzeuge ab (-6,7 Prozent). Wegen der schwachen ersten sechs Monate hat die Volkswagen AG ihre Absatzprognose für das gesamte Jahr gesenkt. Bisher war man von
Noch große PläneTrotz sinkender Kaufleute möchte der Volkswagenkonzern seine Produktionskapazitäten weiter aufstocken. Bis 2019 sollen 22 Milliarden Euro in den Aufbau neuer und verbesserter Werke fließen. Der Absatz soll auf fünf Millionen Fahrzeuge steigen, 30.000 neue Jobs entstehen – dann hätte VW in China über 100.000 Mitarbeiter. Aktuell betreibt VW gemeinsam mit seinen Joint-Venture-Partnern FAW und SAIC 18 Werke in China – in acht rollen fertige Autos vom Band, die anderen stellen Bauteile her. Auf einer China-Reise mit Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 kündigte VW-Chef Martin Winterkorn an, in China zwei weitere Standorte eröffnen zu wollen. Quelle: dpa
AudiDie VW-Premiumtochter verkaufte 2014 genau 578.900 (+18 Prozent) Fahrzeuge in China. Mit
BMWDie Bayern verkauften im vergangenen Jahr 456.000 Autos in China (+17 Prozent) – ein Fünftel aller weltweit verkauften BMW. Nach dem ersten Halbjahr 2015 ist die große Euphorie verflogen. Nur 230.000 Autos (+2,5 Prozent) schlugen die Händler los. Wegen des schwächeren Geschäfts soll BMW den rund 440 Betrieben eine Kompensation von 685 Millionen Euro zahlen. BMW kommentiert die Zahl nicht. Quelle: dpa
Trotz der
MercedesBei den Schwaben gingen im vergangenen Jahr 281.588 Autos (+29 Prozent) ins Reich der Mitte und damit 15 Prozent aller Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr fuhren in China 165.000 Autos mit Stern vom Hof – ein Plus von fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein fantastisches Ergebnis für Mercedes und seinen China-Chef Hubert Troska (im Bild). Die Stuttgarter punkten mit ihrer neuen Modellpalette und profitieren von der Umorganisation ihres Vertriebs. Quelle: REUTERS

BAIC-Chef Xu Heyi hatte Berichten chinesischer Medien zufolge zu Wochenanfang bestätigt, dass BAIC mit Daimler über den Kauf eines Anteils an den Stuttgartern spreche. Er erwarte ein Ergebnis bis zum Ende des Jahres, wurde der BAIC-Chairman zitiert. Daimler hält bereits zehn Prozent an der börsennotierten BAIC Motor, einer Tochter der staatlichen Beijing Automotive Group (BAIC).

BAIC und Daimler bauen seit Jahren gemeinsam Autos

Daimler erklärte zudem, man freue sich über Interesse an dem Unternehmen. "Wir sind aber auch mit unserer Aktionärs-Struktur derzeit sehr zufrieden", sagte der Sprecher weiter. "Wir haben eine gesunde Balance zwischen deutschen, europäischen, asiatischen und nord-amerikanischen Investoren." Die Daimler-Aktie gehörte mit einem Plus von zeitweise vier Prozent zu den stärksten Werten im Leitindex Dax, der drei Prozent zulegte.

Fahrzeugproduktion und -absatz in China seit 2008

BAIC und Daimler bauen seit zehn Jahren in der Volksrepublik gemeinsam Autos. An dem Gemeinschaftsunternehmen sind die Chinesen seit 2013 mit 51 Prozent beteiligt, umgekehrt halten die Schwaben die Mehrheit an einem Vertriebs-Joint-Venture mit BAIC. Im Reich der Mitte hat Daimler zur Aufholjagd geblasen, um den bayerischen Rivalen BMW bis 2020 als Weltmarkführer unter den Premiumautobauern abzulösen.

Daimler verfügt im Gegensatz zu VW und BMW nicht über einen Mehrheitsaktionär. Die größten Anteilseigner sind der französische Autobauer Renault und sein Partner Nissan mit 3,1 Prozent und das Emirat Kuwait mit 6,8 Prozent. Der Rest liegt bei institutionellen und privaten Anlegern und ist breit gestreut.

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