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Batteriezellfertigung Volkswagen plant eigene Batteriefabriken

Bis 2025 will Volkswagen bei E-Autos die weltweite Nummer eins werden. Quelle: imago images

Volkswagen hat den Aufbau einer eigenen Batteriezellfertigung angekündigt. Eine Fabrik in Salzgitter soll dabei nur der Anfang sein. Um das zu finanzieren, könnten womöglich andere Konzernteile verkauft werden.

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Der Umstieg auf Elektromobilität hat bei VW-Chef Herbert Diess hohe Priorität. Das hat er in den vergangenen Monaten sehr deutlich gemacht – und seinen Worten schon mehrfach Taten folgen lassen. Zum Beispiel mit der Vorstellung des ersten vollelektrischen VW-Modells ID.3 in der vergangenen Woche. Das CO2-neutral-gebaute E-Auto soll bereits im kommenden Jahr ausgeliefert werden. Bereits vor der Markteinführung hat VW eine riesige Marketing-Maschinerie angeschmissen.

2025 will Volkswagen bei E-Autos die weltweite Nummer eins sein – mit mindestens einer Million verkaufter Fahrzeuge. Bis 2028 sollen bis zu 70 neue VW-Elektromodelle auf den Markt kommen. „Wir werden mehr E-Autos anbieten als jeder andere Autobauer auf der Welt“, sagte Jürgen Stackmann, VW-Markenvorstand für Vertrieb, Marketing & After Sales, vergangene Woche. Doch nicht nur die neue ID-Modellreihe soll Volkswagens Elektro-Wandel symbolisieren. VW startet im Herbst zudem einen eigenen Carsharingdienst – zunächst in Berlin, der ausschließlich E-Autos in der Flotte hat.

Nun kündigte VW kurz vor seiner Hauptversammlung in Berlin an, in eine eigene Batteriezellenfertigung im niedersächsischen Salzgitter investieren zu wollen. Dort steht bereits eine Pilotanlage für Batteriezellen. Der Aufsichtsrat beschloss am Montag, knapp eine Milliarde Euro in eine eigene Batteriezellfertigung zu investieren. Anfangs ist eine Kapazität von mehr als zehn Gigawatt-Stunden geplant – mit einem Stamm von rund 700 Mitarbeitern. Diese Zahl könnte sich im Laufe der nächsten Jahre verdoppeln, so VW. Dabei soll es jedoch nicht bleiben: Nach der Entscheidung für Salzgitter denkt der Autobauer sogar bereits über weitere Fabriken nach. „Wir schauen uns auch weitere Standorte in Europa an“, sagte Beschaffungsvorstand Stefan Sommer am Rande der Hauptversammlung. Auch Emden komme grundsätzlich für eine Batteriezellenfertigung in Frage.

Für VW ist das ein logischer Schritt beim Umstieg auf die Elektromobilität. Damit der Konzern seine Ziele erreichen kann, sind enorme Mengen an Batteriezellen nötig. Zudem ist VW nicht der einzige Autobauer, der verstärkt auf den alternativen Antrieb setzt. So kündigte etwa Daimler am Montag an, dass bis 2039 alle weltweit verkauften Neuwagen des Autobauers CO2-neutral unterwegs sein sollen. Volkswagen benötigt für seine ehrgeizigen Pläne zum Ausbau der Elektromobilität laut Sommer eine Gesamtkapazität für Batteriezellen von 150 Gigawatt-Stunden Speicherkapazität. Davon sei die in Salzgitter anfangs geplante Kapazität von mehr als zehn Gigawatt-Stunden nur ein Bruchteil. Die Nachfrage nach mehr Batteriezellen dürfte sehr bald stark steigen. Dafür sollte der Autobauer gerüstet sein.

VW hat zwar bereits Vereinbarungen mit mehreren Zulieferern aus Südkorea und China geschlossen. Für die E-Autos der neuen ID-Familie bezieht VW etwa Batteriezellen aus dem neuen Werk des koreanischen Herstellers LG Chem in Polen. Allerdings wäre eine eigene Lösung am sichersten für eine solide Produktionsgrundlage. Volkswagen wäre so unabhängiger von den asiatischen Anbietern, die auf diesem Feld bislang dominieren.

Um seine Batteriekapazitäten weiter abzusichern, will der Autobauer zudem auf strategische Partnerschaften im Rahmen der Elektro-Offensive setzen, kündigte VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch an. Die Wolfsburger hatten sich vor wenigen Wochen mit schwedischen Akku-Hersteller Northvolt zusammengetan, um den Aufbau einer Produktion von Batteriezellen in Europa voranzutreiben. Dafür schloss man sich mit weiteren Partnern aus insgesamt sieben EU-Ländern zu einem Konsortium mit dem Namen „European Battery Union“ (EBU) zusammen. Die Allianz soll sich auf die gesamte Wertschöpfungskette von Rohstoffen über die Zelltechnologie bis hin zum Recycling erstrecken. Geführt wird der Verbund, der sich um staatliche Fördermittel bewirbt, von Volkswagen und Northvolt.

Ein erster Blick auf Volkswagens ID.3
ID.3: Für sein neues vollelektrisches E-Auto startet Volkswagen erstmals ein Pre-Booking Quelle: Volkswagen
Für den ID.3 verspricht VW Reichweiten von 330 bis zu 550 Kilometern (WLTP) und Startpreis in Deutschland unter 30.000 Euro Quelle: Volkswagen
Den ID.3 soll es in drei Leistungsstärken geben: 45kWh, 58kWh oder 77kWh. Quelle: Volkswagen
Die ID.-Modelle sollen über ihre gesamte Lebensdauer hinweg bilanziell CO2-neutral sein können. Den Grundstein legt VW, indem die Modelle CO2-neutral produziert werden. Quelle: Volkswagen
Volkswagen ID.3 Quelle: Volkswagen
Volkswagen ID.3 Quelle: Volkswagen
Nach der IAA im September soll die Bestellphase für den ID.3 beginnen und zum Jahresende die ersten ID.3s im VW-Werk in Zwickau vom Band laufen. Quelle: Volkswagen

Bei all der Motivation, die Elektromobilität im Konzern voran zu treiben, muss Volkswagen aber auch die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten. Der VW-Konzern mit seinen zwölf Marken gilt beim Wechsel in die von IT und Software dominierte Elektromobilität als schwer steuerbar. Für diesen Umbau müssen grundlegende Strukturen aufgebrochen, Mitarbeiter umgeschult, Teilbereiche grundlegend verändert oder sogar aufgegeben werden. Der Wandel wird mehr als eine Milliarde Euro für eine eigene Batteriezellfertigung kosten. Zudem benötigt Volkswagen Liquidität, weil bei der Aufarbeitung des Dieselskandals bereits viel Geld abgeflossen ist.

Volkswagen kämpfe an einigen Stellen noch mit schwerfälligen Strukturen, komplexen Prozessen und hohen Kosten, räumte auch Volkswagen-Chef Diess auf der Hauptversammlung ein. „Hier gibt es viel zu tun. Großen Ballast können wir uns auf Dauer nicht leisten.“

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