WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Bernd Osterloh VW-Betriebsratschef will Sicherheit für Leiharbeiter

VW-Betriebsratschef Osterloh verlangt von dem Autobauer Festverträge für Hunderte Zeitarbeiter. Bis 2014 sei der Konzern ausgelastet. In der Diskussion um Scheinwerkverträge stellt er sich hinter die Unternehmensführung.

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh bei einer Betriebsversammlung im Februar: Im Gespräch mit dem Handelsblatt betont er, dass es bei dem Autobauer keine Scheinwerkverträge gebe. Quelle: dpa

Der Autobauer Volkswagen soll weitere Leiharbeiter zu Stammbeschäftigten machen. Das fordert der einflussreiche VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh im Gespräch mit dem Handelsblatt (Montagausgabe). „Bis Ende August hat VW innerhalb von zwei Jahren 3000 Leiharbeiter fest angestellt. Wir sind bis zum Jahresende gut ausgelastet. Deshalb wollen wir, dass weitere Zeitarbeitnehmer, die 36 Monate dabei sind, übernommen werden“, sagte Osterloh.

Mit dem Unternehmen spricht der Betriebsrat darüber, auch alle Zeitarbeiter an den deutschen Standorten einzustellen, die in den kommenden drei Monaten länger als 36 Monate bei VW sind. „Das sind jeweils einige Hundert“, erklärte Osterloh. Die Frist von drei Monaten gelte, weil die konjunkturellen Aussichten mittelfristig schwer einzuschätzen seien.

In der Diskussion um den Missbrauch von Werkverträgen stellt sich der Betriebsratschef hinter das Management. „Bei Volkswagen gibt es keine Scheinwerkverträge. Die passen nicht zu unserer Unternehmenskultur“, sagte Osterloh dem Handelsblatt. „Bekommen wir Hinweise auf Probleme, gehen wir diesen nach und helfen den betroffenen Kollegen. Das war im Jahr 2012 zweimal der Fall.“

VW-Konkurrenz in der Defensive
PSA Peugeot Citroen: Wankender Riese ohne echte PerspektiveÜberkapazitäten, unrentable Werke, eine ungesunde Konzentration auf den europäischen Massenmarkt, eine Banktochter, die sich doppelt so teuer refinanzieren muss wie die Konkurrenten von VW – um den PSA-Konzern mit seinen Marken Peugeot und Citroën steht es nicht gut. Als Gegenleistung für eine Bürgschaft über sieben Milliarden  Euro sitzt demnächst der Staat mit im Verwaltungsrat, zudem ein Mitarbeitervertreter. Dividenden sind vorerst gestrichen. Bei Redaktionsschluss notierte die Aktie unter fünf Euro und damit auf dem tiefsten Stand seit 1985. Die angekündigte Zusammenarbeit mit der General-Motors-Tochter Opel bei vier Modellen wird für eine Kehrtwende und für die Abwehr gegen VW nicht reichen. Immerhin: An der notwendigen Streichung von 8.000 Stellen will PSA trotz Protesten der Gewerkschaften festhalten. Quelle: dpa
Renault: Durch internationales Geschäft und die Allianz mit Nissan abgesichertBei Renault läuft es nur in der Formel 1 rund, wo Sebastian Vettel mit einem Renault-Motor Richtung WM-Titel rast. Ansonsten fahren die Franzosen im Rückwärtsgang. In einem weltweit wachsenden Automobilmarkt verkaufte der Konzern im dritten Quartal dieses Jahres 596.000 Autos – ein Minus von 5,8 Prozent. In Europa betrug der Rückgang sogar 18,4 Prozent. Renault rechnet nicht nicht mehr damit, 2012 wie geplant ebenso viele Autos zu verkaufen wie 2011. Beim Kundenmonitor des Automobilklubs ADAC, an dem sich 20.000 Autofahrer in Deutschland beteiligten, habe Renault zwar Bestwerte im Service bekommen, sagt Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik beim ADAC. "Unterm Strich hilft das Renault wenig, denn die Bindung der Kunden an die Marke ist ausgesprochen schwach." VW ist hier weit voraus. Quelle: AP
General Motors: Hohe Kampfmoral, aber viele ProblemeVon der US-Mutter General Motors (GM) gegängelt und in Deutschland immer wieder totgesagt, macht Opel einfach rotzig weiter und serviert ordentliche Modelle: erst der vielfach preisgekrönte Mittelklassewagen Insignia, jetzt der pfiffige Kleinwagen Adam, der kleine Geländewagen Mokka und das geschmackvolle Cabrio Cascada. Trotzdem sei Opel „das Sorgenkind des Markts“, urteilt ADAC-Experte Kolke. „Die Nachrichtenlage zu dem Unternehmen scheint auf die Marke abzustrahlen.“ Ob der Blitz ausgerechnet in der aufziehenden Krise die Wende schafft, dürfte davon abhängen, ob es Opel gelingt, dass die Leute wieder über die Fahrzeuge und nicht über die Turbulenzen im Unternehmen reden. In Bochum gründete der Autobauer zusammen mit dem Land Nordrhein-Westfalen eine Arbeitsgruppe, die sich nach eigenen Angaben „mit der künftigen Nutzung“ des dortigen Opel-Standortes befassen soll. Das klingt nach Schließung des Bochumer Opel-Werks, nach Arbeitskampf und jeder Menge Negativschlagzeilen – VW-Chef Martin Winterkorn kann sich freuen. Quelle: dapd
Fiat: Hoffnungsschimmer ChryslerHätte Fiat 2011 nicht den US-Autobauer Chrysler übernommen, sähe es heute düster aus für den Autokonzern. In den ersten neun Monaten erwirtschaftete die Fiat-Chrysler-Gruppe einen Nettogewinn von gut einer Milliarde Euro – ohne Chrysler wäre ein Verlust von 800 Millionen Euro angefallen. Ein tiefer Absturz, verglichen mit dem Vorjahr: Da lag die Marke Fiat noch mit 1,2 Milliarden Euro im Plus. Der Ausblick des Konzerns in der vergangenen Woche war so düster, dass die Aktie einbrach und zeitweise vom Handel ausgesetzt werden musste. Nun berät Fiat-Chef Sergio Marchionne mit Gewerkschaftern, wie es weitergehen kann. Gut möglich, dass er dem Vorbild von Ford folgt und ein Werk dichtmacht. Marchionne verfolgt zudem einen radikalen Plan: den Zusammenschluss von Fiat, PSA und Opel zu einem mächtigen VW-Gegenspieler. Bislang blitzte er damit aber bei PSA und GM ab. Quelle: REUTERS
Ford: Starker US-MutterkonzernIm dritten Quartal 2012 verbuchte Ford mit 1,7 Milliarden Euro so viel Gewinn wie noch nie in einem dritten Quartal. Und das, obwohl das Europa-Geschäft allein in diesen drei Monaten 468 Millionen Dollar Verlust einfuhr. Konzernchef Alan Mulally zieht nun die Reißleine. Drei Werke in Belgien und Großbritannien mit insgesamt 5.700 Mitarbeitern wird er dichtmachen. Mulally geht bei dem Abbau von Überkapazitäten in Europa nicht nur mutig voran. Er zeigt auch dem Wettbewerber GM, wie er Opel sanieren könnte, ohne ständig die Marke zu ramponieren. Denn anders als GM bekannte sich Mulally stets zu seinem Europa-Geschäft und brachte die Schließungen erst ins Spiel, als sie unabwendbar waren. So blieben lange, imageschädigende Debatten über Sanierungspläne und Werkschließungen aus. Nach den harten Einschnitten könnte Ford schnell wieder in die Erfolgsspur zurückkehren und sich gegen VW behaupten. Quelle: REUTERS

Wie das Handelsblatt berichtet, lagert VW Logistikdienste an billigere Subunternehmen aus. Während Stammbeschäftigte die Logistik für den Golf in Wolfsburg übernehmen, transportieren Werkverträgler des Subunternehmens Ceva Logistics die Teile für den Tiguan. In Eidesstattlichen Versicherungen, die dem Handelsblatt vorliegen, zeichnen einzelne Ceva-Beschäftigte ein Bild, nach dem sie wie Festangestellte behandelt werden. Sollten ihre Vorwürfe zutreffen, könnten ihre Werkverträge illegal sein und die Betroffenen sich bei VW einklagen.

Das Unternehmen ist alarmiert. „Hinweise auf mögliche Verstöße nehmen wir ernst und gehen ihnen nach. Sollten Verstöße festgestellt werden, stellen wir sie ab“, betonte VW auf Anfrage. Im konkreten Fall sieht der Konzern aber kein strukturelles Problem im Einsatz von Ceva. „Den Vorwurf, es gebe in diesem Zusammenhang Scheinwerkverträge, weisen wir klar zurück“, so der Konzern.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Gut 450 Ceva-Mitarbeiter arbeiten in drei Schichten. Sie werden nicht wie die Stammbelegschaft nach dem IG-Metall-Tarif entlohnt, sondern nach dem der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Ein Ceva-Staplerfahrer verdient demnach einen Stundenlohn von 9,77 Euro. VW-Festangestellte bekommen mit 19,45 Euro mehr als das Doppelte.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%