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Berühmte letzte Worte

Daimler: Jedes zusätzliche Gramm Hirn ist teuer!

Wer kann das Lamentieren der Auto-Vorstandsmillionäre noch ertragen? Nennen die das Managen? Wie müssen sich Denkstrukturen und -kulturen ändern?

Daimler reißt das Steuer herum
Daimler Der Autobauer hat wie angekündigt sein Ergebnis im dritten Quartal dank neuer Modelle und sparsamerer Produktion deutlich gesteigert. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen aus dem laufenden Geschäft (Ebit) stieg von Juli bis September auf 2,2 Milliarden Euro, gegenüber dem Vorjahresquartal ist das ein Plus von 16 Prozent. "Wir werden weiter in Produkte und Standorte investieren, um den mittel- und langfristigen Erfolg des Unternehmens nachhaltig zu sichern", erklärte Vorstandschef Dieter Zetsche. Er hatte bereits im Sommer nach den schwachen ersten sechs Monaten ein "deutlich besseres" operatives Ergebnis für das zweite Halbjahr in Aussicht gestellt. Daimler präzisierte seinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr: Absatz und Umsatz sollen steigen, das bereinigte Ebit soll bei 7,5 Milliarden Euro liegen. Ein Blick auf weitere große Autobauer in alphabetischer Reihenfolge: Quelle: AP
Audi Audi hat im ersten Halbjahr so viele Autos verkauft wie noch nie zuvor. Weltweit legten die Absatzzahlen vor allem dank guter Geschäfte in China, Großbritannien und den USA um 6,4 Prozent auf 780.500 Autos zu, wie die VW-Tochter mitteilte. In Europa bekam Audi die Autoflaute allerdings deutlich zu spüren. Besonders in Frankreich (minus 8,6 Prozent) und Italien (minus 9,8 Prozent) gingen die Verkaufszahlen deutlich zurück. In Deutschland verkaufte Audi 4,3 Prozent weniger Autos als im Vorjahreszeitraum. Audi verdient Milliarden, doch in der Bilanz machen sich die schwierige Marktlage und Investitionen bemerkbar. Der Umsatz wuchs in den ersten sechs Monaten nur Dank der Erlöse der neuen Motorrad-Tochter Ducati um 200 Millionen Euro auf rund 25,2 Milliarden Euro. Der operative Gewinn sank um fast acht Prozent auf gut 2,6 Milliarden Euro. Unter dem Strich schrumpfte das Ergebnis um gut drei Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro. Für das zweite Halbjahr setzt Audi seine Hoffnungen unter anderem in den Start der neuen A3-Limousine. Quelle: AP
BMWBMW hat im ersten Halbjahr einen neuen Verkaufsrekord eingefahren. Weltweit legten die Absatzzahlen der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce um 6 Prozent auf 954.521 Fahrzeuge zu. Zu dem Wachstum trug vor allem Asien bei, wo BMW bis Ende Juni rund 272.000 Fahrzeuge auslieferte und damit 14,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In den USA verbuchte der Autohersteller ein Plus von 9 Prozent. In Europa hingegen herrschte Stillstand: Dort lagen die Verkaufszahlen mit knapp 437.000 Fahrzeugen in etwa auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2012. Im zweiten Quartal hat BMW auch mehr Gewinn eingefahren. Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 2,8 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro. Der Nettogewinn legte um neun Prozent auf 1,39 Milliarden Euro zu. Quelle: REUTERS
General MotorsGM kommt bei der Sanierung seiner Tochter Opel voran. Dank des straffen Sparkurses habe sich der Verlust im Europa-Geschäft im zweiten Quartal mehr als halbiert, teilte der größte US-Autobauer mit. Der Fehlbetrag sei dort trotz der Absatzkrise auf dem europäischen Automarkt auf 110 Millionen Dollar gesunken von einem Verlust von 394 Millionen Dollar vor einem Jahr. Quelle: AP
FiatDer kriselnde italienische Autobauer profitiert von seiner starken US-Tochter. Nur dank des guten Geschäfts bei Chrysler steigerte der Konzern seinen Gewinn im zweiten Quartal auf 435 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Wert noch bei 239 Millionen Euro gelegen. Fiat allein machte jedoch wie im Vorjahreszeitraum einen Verlust von 247 Millionen Euro. Die Italiener leiden besonders unter der Absatzkrise in Europa. Die meisten Autos verkauft die Fiat-Gruppe nach wie vor in Nordamerika. Der Umsatz des Gesamtkonzerns stieg um vier Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. An seinem Ausblick hielt Konzernchef Sergio Marchionne fest. Er rechnet im Gesamtjahr weiterhin mit 88 bis 92 Milliarden Euro Umsatz und einem operativen Gewinn zwischen 4 und 4,5 Milliarden Euro. Damit muss der Konzern im zweiten Halbjahr vor allem beim Gewinn kräftig zulegen - nach sechs Monaten steht Fiat erst bei 1,65 Milliarden Euro. Quelle: dpa
FordDer Verlust im krisengeplagten Europa-Markt werde 2013 unter dem Vorjahresniveau liegen, teilte der zweitgrößte US-Autobauer nach der Opel-Mutter GM am 24. Oktober mit. Zuletzt hatte Ford noch mit einem Vorsteuerverlust in Europa von 1,8 Milliarden Dollar gerechnet. Das hätte dem Minus von 2012 entsprochen. Konzernweit wies Ford für das dritte Quartal einen Umsatzanstieg von zwölf Prozent auf 36 Milliarden Dollar aus. Der Gewinn fiel jedoch um 22 Prozent auf 1,27 Milliarden Dollar. Hier wirkten sich Kosten für Sanierungsmaßnahmen - vor allem in Europa - negativ aus. Im Gesamtjahr dürfte der Vorsteuergewinn des Konzerns über den acht Milliarden Dollar von 2012 liegen, wie es weiter hieß. Bisher war das Management in etwa von stabilen Werten ausgegangen. Quelle: REUTERS
PorscheDer Sportwagenbauer hat seine Auslieferungen im ersten Halbjahr um 18 Prozent gesteigert und steuert damit auf einen neuen Rekordabsatz im Gesamtjahr zu. In Europa hatte sich die Nachfrage allerdings zuletzt abgeschwächt. Die Erlöse stiegen im Vergleich zur Vorjahreshälfte um vier Prozent auf sieben Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um drei Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu - damit steuerte Porsche gut 22 Prozent zum Gewinn des VW-Konzerns bei. Die Umsatzrendite, das Verhältnis vom Gewinn zum Umsatz, lag bei 18 Prozent - einem Wert von dem andere Autobauer nur träumen. An der Ergebnisprognose für 2013 will Finanzvorstand Meschke allerdings nicht schrauben. Das Ergebnis werde auf dem hohen Niveau des Vorjahres verharren - 2012 hatte Porsche einen operativen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro gemacht. Quelle: dpa

Fast schon anstrengend ist die Mentalität deutscher Top-Manager, über Jahre hinweg dem in den Brunnen fallenden Kind tatenlos hinterherzuschauen, um dann kurz nach seinem Aufprall die Mutti oder die Nanny anzurufen.

Aktuell ruft der Daimler-Entwicklungsvorstand Ach und Weh in einem Wirtschaftswoche-Artikel namens: "Jedes zusätzliche Gramm CO2 ist teuer".

Dann versucht es doch mit mehr Hirn! Wir brauchen übrigens nicht quantitativ mehr Hirn, ganz im Gegenteil. Von dem heute vorhandenen Hirn brauchen wir dringend weniger - denn da scheint es sich um Read-Only-Memory aus dem letzten Jahrtausend zu handeln. Obsolet.

Nein, wir brauchen, mehr qualitativ-hochwertiges Hirn. Sich selbst und sein Handeln infragestellendes Hirn. Neugieriges, unzufriedenes Hirn. Muster-erkennendes und relevante Herausforderungen ergreifendes Hirn. Lösungen - nicht Ablenkungen - produzierendes Hirn.

Wo sind die Aktionäre, die diesem Nicht-Denken und Nicht-Handeln endlich den Garaus machen? Wo sind die Aktionäre, die weise genug sind, die Zukunft, den Wandel, den Quantensprung gegenüber der Vergangenheit, dem Stillstand, dem inkrementellen Trippelschrittchen zu priorisieren?

Welcher Aktionär kann Aufsichtsrat und Vorstand die Stirn bieten, Gesunden Menschenverstand demonstrieren, dem Management nochmal den Markt an sich erklären, bitte!?

1. Der Daimler-Entwicklungsvorstand Weber: "... wie groß der Anteil der Elektromotoren an der Flotte im Jahr 2020 sein werde - hänge stark von der Nachfrage ab ...".

Hilfe! Herr Weber hat immer noch nicht verstanden, dass in der wahren Marktwirtschaft Unternehmen Angebote - also Märkte - kreieren. Vor der Nachfrage muss das Angebot am Markt platziert sein und die Nachfrage via Relevanz wecken. Lange vor diesem Angebot muss die Entwicklungsabteilung die Innovation leben, strukturell und kulturell auf Wandel, Fortschritt und Zukunftsfähigkeit ausgerichtet sein - um selbst Zukunft zu erschaffen. Innovation - Angebot - Nachfrage, nicht vice versa.

Bestehende Nachfrage schafft Me-Too-Produkte und kurzfristige Vorteile. Erst distinktive, also einzigartige und relevante Produkte und Services kreieren nachhaltigen Erfolg.

2. "Die Politik müsse noch mehr Anreize schaffen ...".

Nein, Herr Weber, nicht die Politik muss Anreize schaffen, sondern die Unternehmen, die Innovations- bzw. Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Ja, genau der Vorstandsbereich, den Sie leiten. Das begeisternde Produkt ist der Anreiz für den Konsumenten.

Bonus und Gehalt sind nur Hygienefaktoren

Elektroautos, die zu haben sind
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
Porsche Panamera S E Hybrid Quelle: Porsche
Renault FluenceMarke: Renault Modell: Fluence Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat Reichweite (in km): 185 km Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS Quelle: Presse
Mercedes SLS ed Quelle: Daimler
Renault TwizyMit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Marke: Renault Modell: Twizy Urban Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an Reichweite (in km): 100 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80 Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3 Quelle: dapd
Smart ed Quelle: Daimler
Kangoo RapidDer Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.   Marke: Renault Modell: Kangoo Rapid Z.E. Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse

Übrigens sollten Sie idealerweise auch Ihren Job genauso begreifen. Auch der Anreiz jedes Mitarbeiters, seinen Job zu machen, sollte das begeisternde Produkt, die Herausforderung und deren erfolgreiche Meisterung sein. Nicht Bonus und Gehalt, das sind nur Hygienefaktoren. 

3. "Inzwischen gebe ich schon seit Jahren 50 Prozent meines Forschungs- und Entwicklungsbudgets dafür aus, diese höchst anspruchsvollen Ziele zu erreichen" ... "2012 lagen die Forschungsausgaben für den Konzern bei gut 5,6 Milliarden Euro".

Nun, das müssten dann nach Adam Opel 20.000(!) Millionen Euro gewesen sein, die Sie allein in den letzten vier Jahren für Gimmicks und Designfortschreibungen aus dem Fenster warfen. Mit der Hälfte (Ihre 50 Prozent = 10.000 Millionen Euro) hätte man die ein oder andere Batterie entwickeln können.

Zudem liegt doch auf der Hand, dass Sie viel zu viel Geld in die Hand nehmen müssen, wenn Ihre Abteilung sich die falschen, da kurzfristig und inkrementell orientierten Ziele setzt, Sie entsprechende Menschen eingestellt und entsprechende Denk- und Organisations-Strukturen vorgegeben haben, um die Erfolge von gestern zu zementieren. Tatsächlich haben sich die Zeiten geändert.

Neues Denken schon.

4. "... jedes zusätzlich eingesparte Gramm CO2 ist unglaublich aufwendig und teuer ...".

Sie sollten nicht über "zusätzlich" nachdenken, sondern über 'grundsätzlich'. "Zusätzlich" läuft mit dem Kopf gegen Wände - 'grundsätzlich' reisst genau diese Wände ein.

5. "Technisch könne man fast nicht mehr tun ...".

In Arbeit
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Wenn man am Ende ist, und das kann ich verstehen nach 125 Jahren inkrementellen Herumschraubens ohne Quantensprünge, dann muss man den Sprung über den eigenen Schatten wagen. Gar den Sprung über den eigenen Horizont. Heraus aus der selbstgezimmerten Box. Dann braucht man neue Inspirationen, ein neues Denken, neue Vernetzung, neues Hirn und frisches Blut.

Aber ehrlich, ich kann dieses Lamentieren nicht mehr hören. Wir haben es mit Vorstandsmillionären zu tun. Trotz ihrer fürstlichen Alimentation machen sie einfach nicht ihren Job. Sie drehen sich seit Jahrzehnten im Kreise. Exkulpieren sich gegenseitig und bremsen den mentalen und materiellen Wohlstand nicht nur ihrer Unternehmen, sondern unseres ganzen Landes aus.

Das geht in mein Hirn nicht rein.

Beim besten Willen nicht.

Dem Autor auf Twitter folgen: @leadculture

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