BMW mit weniger Gewinn Krügers holpriger Start

Es war ein denkbar ungünstiges Quartal für Harald Krüger: Bei der Präsentation seiner ersten Zahlen musste der neue BMW-Chef einen Gewinnrückgang vermelden. Dauerbrenner China ist aber nicht Krügers einzige Baustelle.

Von dem neuen 7er erhofft sich BMW-Chef Krüger satte Gewinne. Quelle: AP

Der neue BMW-Chef Harald Krüger ist mit einem Gewinnrückgang ins Amt gestartet. Das Konzernergebnis vor Steuern sank im zweiten Quartal um 2,7 Prozent auf 2,58 Milliarden Euro, wie der Autobauer am Dienstag mitteilte. Analysten hatten indes mit einem stärkeren Rückgang gerechnet.

In der Kernsparte Automobile enttäuschte BMW die Erwartungen: Hier schrumpfte der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 15,8 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro. Zu Buche schlug die Abkühlung im wichtigen Absatzmarkt China, der Ergebnisbeitrag von dort sank. Zudem verkauften die Münchner mehr kleine und kompakte Fahrzeuge, die weniger abwerfen.

BMW 2014

Weil der Umsatz, wegen höherer Verkaufszahlen und auch wegen Währungseffekten, kräftig anstieg, gab die Rendite in der Autosparte auf 8,4 Prozent nach – im Vorjahr waren es 11,7 Prozent. Damit lag BMW hinter den Konkurrenten Mercedes mit 10,7 Prozent und Audi mit 9,9 Prozent.

Mercedes stellt die Konkurrenz in den Schatten

Für 2015 bekräftigte der Konzern die Prognose, wonach die Ebit-Marge im Autogeschäft zwischen acht und zehn Prozent liegen soll. Beim Absatz der drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce ist nach wie vor ein solider Zuwachs angekündigt, nach bisherigen Angaben entspricht dies einem Plus zwischen fünf und 9,9 Prozent. Auch 2015 wolle der Konzern der führende Premium-Hersteller bleiben, hieß es weiter.

Rivale Mercedes stellte zuletzt die Konkurrenz in den Schatten, auch dank besserer Geschäfte in China. Audi dampfte wegen der Schwäche in der Volksrepublik dagegen die Absatzprognose ein. Bei BMW waren die Verkaufszahlen in China im Frühsommer erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt gesunken. Vor allem Rolls-Royce leidet darunter, dass die Chinesen weniger Luxusautos kaufen. Auch in Russland, wo früher teure Fahrzeuge gefragt waren, sieht BMW Risiken.

Weil die Automärkte hart umkämpft seien und die Kosten für neue Technologien wie etwa die Elektromobilität hoch blieben, rechnen die Münchner mit weniger Dynamik bei der Ergebnisentwicklung. Für das Gesamtjahr bekräftigte Finanzchef Friedrich Eichiner aber die Prognose: "Wir streben 2015 bei den Auslieferungen und dem Konzernergebnis vor Steuern weiterhin solide Zuwächse auf jeweils neue Bestmarken an."

Diese Autobauer haben am meisten in der Kasse
DaimlerDer Auto- und Lkw-Bauer aus Stuttgart sitzt mit 6,3 Milliarden Euro auf recht großen Barreserven. Verglichen mit der Konkurrenz ist die Netto-Liquidität von Daimler aber relativ gering. In einer Liste der Ratingagentur Moody's kommt Daimler mit diesem Betrag nur auf den zehnten Rang – vor Jaguar Land Rover (3,7 Milliarden Euro) und dem Zulieferer Continental (3,6 Milliarden Euro). Quelle: REUTERS
PSA Peugeot CitroënDer französische Autokonzern PSA bunkert laut Moody's 9,1 Milliarden Euro in Cash. Zu PSA gehören die Marken Peugeot und Citroën. Der Umbau von Konzernchef Carlos Tavares, der PSA seit 2013 führt, hat zwar den ein oder anderen Euro der Barreserven gekostet, scheint sich aber jetzt auszuzahlen: Im ersten Halbjahr fuhr PSA einen Gewinn von 541 Millionen Euro ein – der erste Halbjahresgewinn seit 2011. Quelle: REUTERS
BMWDer neue BMW-Chef Harald Krüger hat insgesamt 9,7 Milliarden Euro auf seinen Firmen-Konten. Investitionen – wie für das Kohlefaser-Elektroauto i3 – drücken zwar ein wenig auf die Reserven, für einen unabhängigen Autobauer sind knapp zehn Milliarden Euro Netto-Liquidität aber ein beachtlicher Wert. Quelle: AP
Renault-NissanSollte der Renault Talisman, mit dem die Franzosen den deutschen Oberklasse-Limousinen den ein oder anderen Kunden abspenstig machen wollen, ein Erfolg werden, wird sich Renault-Nissan-Chef Carlos Goshn freuen: Mit den Gewinnen aus dem margen-starken Oberklasse-Geschäft könnte er seine Barreserven von 12,7 Milliarden Euro weiter ausbauen. Quelle: REUTERS
Gemessen an der Netto-Liquidität ist Ford der kleinste der "Big Three" aus Amerika. Dennoch steht Ford mit 19,3 Milliarden Euro in Cash gut da. Kein Wunder, schließlich müssen die "Big Three" in Folge der Finanzkrise 2008 große Reserven anlegen, um die strengen Kreditvorgaben zu erfüllen. Ford musste sich zum Beispiel von Volvo trennen. Quelle: AP
HyundaiDer koreanische Hyundai-Konzern gilt als straff geführten Familien-Konglomerat. Die Zentrale in Seoul ist auf einem Berg von 19,4 Milliarden Euro. Nur die Auto-Sparte Hyundai Motor Corporation wohlgemerkt, nicht die Hyundai Group mit seinen Werften, Stahlwerken und Monitoren. Quelle: REUTERS
General Motors Der Autokonzern aus Detroit hat sich seit der Finanzkrise erholt. 2008 noch vom Staat gestützt, verfügt GM-Chefin Mary Barra heute über 20,8 Milliarden Euro. Das sollte genug Geld für die nächste Krise, Rekordstrafe und den ein oder anderen Millionen-Rückruf sein. Quelle: dpa

Im zweiten Quartal sank der Gewinn vor Steuern um 2,7 Prozent auf 2,58 Milliarden Euro. Dies war der erste Rückgang seit Anfang 2013; allerdings war das zweite Quartal des Vorjahres besonders stark ausgefallen. Unterm Strich gab der Konzerngewinn leicht auf 1,75 Milliarden Euro nach. BMW-Chef Krüger verwies auf die Zahlen fürs erste Halbjahr, in dem der Konzern Bestwerte bei Gewinn, Umsatz und Absatz einfuhr, und sagte: "Wir halten unseren Kurs."

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