BMW und Toyota Schillerndes Bündnis

BMW darf japanisches Elektro-Know-how anzapfen, Toyota bekommt bayerische Dieselmotoren. Ein Deal mit Zukunft.

Toyota auf der Tokyo Motor Show Quelle: dapd

„Die Autohersteller“, sagte BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner vor sechs Wochen im WirtschaftsWoche-Interview, „sind heutzutage eigentlich immer untereinander in Gesprächen.“ Auch BMW rede mit einer Reihe von Unternehmen, was unter anderem an den technischen Herausforderungen liege, die zu bewältigen seien.
Nun wissen wir, an welche Partnerschaft der Finanzvorstand dachte: Die langfristige Kooperation mit Toyota, die die beiden Unternehmen heute in Tokio bekannt geben.

Die wichtigsten Allianzen deutscher Premium-Autobauer
BMWDie mangelnde Größe durch Fusion auszugleichen, ist in München tabu: Seit dem Debakel um die ehemalige BMW-Tochter Rover sind solche Manöver ausgeschlossen. Stattdessen sucht BMW ständig Kooperationspartner. Quelle: Reuters
Mit Daimler reichte es nach langen Verhandlungen nur zu einer sehr bescheidenen Einkaufskooperation, zu groß sind die Rivalitäten zwischen München und Stuttgart. Hier sitzen BMW-Chef Norbert Reithofer und Daimler-Chef Dieter Zetsche zusammen. Quelle: Reuters
Schließlich fand sich mit Peugeot ein Partner, der bis heute passt: Gemeinsam mit den Franzosen entwickelt BMW Diesel- und Benzinmotoren. Im Februar dieses Jahres schloss man zudem eine umfassende Kooperation für Hybridkomponenten. Quelle: Reuters
Toyota ist ein Erzfeind der Audi-Mutter Volkswagen, das allein reicht schon für ein solides Grundverständnis. Ebenso wie BMW sind die Japaner von Ingenieuren getrieben, die Erfolge Toyotas in der Hybridtechnik haben den Münchener Managern viel Respekt eingeflößt. Quelle: Reuters
Toyota ist aus Sicht der Münchener ebenfalls ein idealer Partner. Zwar sind Lexus und BMW vor allem auf dem US-Markt harte Konkurrenten, doch die Gemeinsamkeiten überwiegen. Quelle: AP
Kein anderer Autobauer hat bei der Entwicklung des Elektroautos ein so großes Netz mit Partnerschaften gesponnen wie Daimler. Nach der gescheiterten Großfusion mit Chrysler entwickelte Dieter Zetsche in den vergangenen drei Jahren für seinen Konzern eine neue Kooperationsstrategie. Quelle: Reuters
In einem überraschenden Schritt stieg er im Jahr 2009 beim amerikanischen Elektroauto-Start-up Tesla ein... Quelle: Reuters
...und knüpfte knapp ein Jahr später mit dem chinesischen Autohersteller und Batteriespezialisten BYD eine Kooperation zur Entwicklung und Fertigung von Elektroautos in China. BYD zählt weltweit zu den führenden Batterieherstellern. Quelle: Reuters
Ab 2012 baut Daimler in Esslingen mit dem japanischen Karbon-Konzern Toray Komponenten aus Kohlenfaserstoff, um Gewicht bei Elektroautos einzusparen. Zuletzt kam die Zusammenarbeit mit Bosch bei Elektromotoren dazu. Schon im kommenden Jahr soll die gemeinsame Serienproduktion von Elektromotoren in Hildesheim den Betrieb aufnehmen. Selbst der Motorenbau ist damit dem Autohersteller nicht mehr heilig. Quelle: dapd
Kern der Elektrokooperationen ist aber die seit 2008 begonnene gemeinsame Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien mit Evonik. Daimler ist der einzige Premiumhersteller, der eine eigene Batteriefertigung aufbaut. Wer als Autohersteller nicht die Technologie von Grund auf verstehe, liefere sich den Batterielieferanten sonst aus, sagt Forschungsvorstand Thomas Weber. Quelle: Reuters
Auch die intensive Partnerschaft mit Renault Nissan wird intensiviert. Die Franzosen wollen die Batterien für ihre Elektroautos von Daimler/Evonik bestellen. Quelle: Reuters
VolkswagenDer Wolfsburger Autobauer Volkswagen stellt eine Ausnahme im Kooperationsreigen der Industrie dar: Winterkorn verlässt sich angesichts der Größe des Konzerns und der eigenen Komponentenwerke anders als die Konkurrenten weitgehend auf die eigenen Stärken und seine Einkaufsmacht. Die Niedersachsen werden in diesem Jahr mehr als acht Millionen Fahrzeuge verkaufen und für mehr als 90 Milliarden Euro einkaufen. Quelle: dpa
Batterien sollen zumindest erst einmal im eigenen Werk in Braunschweig gebaut werden, Elektromotoren bei Volkswagen in Kassel. Andere Autobauer wie der französische Daimler-Partner Renault kaufen Elektromotoren bei großen Zulieferern wie Continental, der sie ganz in der Nähe von Wolfsburg in Gifhorn herstellt. Quelle: dapd
Daimler will ab 2012 gemeinsam mit Bosch Elektromotoren im benachbarten Hildesheim produzieren. Quelle: dpa
Ungeklärt ist im Fall von Volkswagen die langfristige Strategie bei der Frage der Zellen für die Hochleistungsbatterien. Winterkorn strebt eine Allianz mit Bosch an. Bosch denkt intensiv über eine Fertigung von Zellen in Europa und konkret Deutschland nach, sondiert aber erst einmal die konkrete Auftragslage. Quelle: dpa
Die Zellen für den 2013 startenden Elektro-Golf von VW könnten Unternehmenskreisen nach zum Beispiel vom US-Zulieferer Johnson Controls stammen, der bereits die Versuchsflotte des E-Golf ausrüstet und ein Kompetenzzentrum in Hannover betreibt. Quelle: dpa
Volkswagen weist große Expertise im Managen einzelner Marken auf, tut sich aber mit Kooperationen wie früher mit dem japanischen Autokonzern Toyota oder mit Chrysler aus den USA schwer. Quelle: Reuters
An kulturellen Fragen scheitert bisher auch die Zusammenarbeit mit dem japanischen Autobauer Suzuki, an dem Volkswagen rund 20 Prozent hält. Quelle: dapd

Technische Herausforderungen

Unter den Dutzenden Partnerschaften großer Autobauer und Zulieferer, die wegen der Elektrifizierung des Autoantriebs in den vergangenen Jahren geschlossen wurden, ist das bayerisch-japanische Bündnis wohl eines der schillerndsten: Der größte Premiumautohersteller der Welt verbündet sich mit dem derzeit größten Autobauer.
Der Grund ist, wie Eichiner schon sagte, die Tatsache, dass die Autobauer heute viele technische Herausforderungen gleichzeitig lösen müssen. Sie müssen neue Elektro- und Hybridantriebe entwickeln, dabei die wasserstoffgespeiste Brennstoffzelle nicht aus den Augen verlieren sowie Benzin- und Dieselmotoren zu immer neuen Effizienzrekorden treiben. Das bringt die Konzerne trotz milliardenschwerer Forschungsetats an ihre Grenzen: Während BMW bei den Selbstzündern nicht locker ließ, dafür aber den Hybridantrieb verschlief, setzte Toyota auf sparsame Hybrid-Benziner, kann jedoch bei der Dieseltechnik den Bayern nicht das Wasser reichen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%