Börsengang von Porsche Deutschland, mach’s wie Porsche!

Glänzendes Image: Porsche macht beim Börsengang die Marke zu Geld Quelle: REUTERS

Der Börsengang von Porsche kann Vorbild für Unternehmen sein, die zwar reich an Substanz aber arm an Entwicklungsmöglichkeiten sind, weil sie keinen Zugang zu Investorenkapital haben. Davon gibt es viele in Deutschland.

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Wer Porsche in Zuffenhausen anruft, wählt Stuttgart, dann die 911, dann die Durchwahl. Bei Porsche dreht sich alles um 911: So wertvoll und wertbeständig wie der Sportwagen 911 soll das ganze Unternehmen sein, so ikonisch und geliebt, so schnell und kräftig, so renditestark. Es ist diese DNA, die Porsche erst zum profitabelsten Autobauer der Welt werden ließ und die die Zuffenhausener nun auf Augenhöhe mit den größten Autoherstellern heben könnte. Denn Porsche bringt die DNA an die Börse und könnte damit so viel Geld einsammeln, dass der vergleichsweise kleine Sportwagenbauer (Toyota etwa verkauft 35 Mal mehr Autos) nach dem IPO zu den wertvollsten Autobauern der Welt gehören könnte. 

Wenn alles glattläuft, bringt das 911er-Image an der Börse eine Bewertung von über 80 Milliarden Euro. Wenn die Aktie schlecht performt, sollten es aber immer noch über 50 Milliarden sein und damit in etwa so viel, wie BMW am Aktienmarkt wert ist. Das könnte Porsche und Volkswagen ungeahnte Perspektiven eröffnen, denn mit viel Geld lässt sich viel anstellen, etwa Firmen kaufen, Produkte entwickeln oder Märkte erschließen. 

Doch so richtig erfolgreich wäre der Börsengang eigentlich nur, wenn er andere deutsche Technologie-Champions auf die Idee brächte, es Porsche gleichzutun. Denn wir haben nicht nur einen Porsche in Deutschland. Viel Substanz, tolle Produkte, weltweites Renommee, aber zu wenig Kapital für eine globale Führungsrolle – solche Hidden Champions finden sich in fast jeder deutschen Stadt.

Vor zwei Jahren sprach ich mit Christian Kames, Vice-Chairman des Investmentbankings von J.P. Morgan Deutschland, Österreich und Schweiz, über die Frage, wie sinnvoll Börsengänge für Unternehmen der deutschen Autoindustrie sein können. Die Bewertungen, die man momentan im Markt bei Transaktionen im Bereich E-Mobility erziele, seien „schon sehr beeindruckend“, sagte Kames damals. Jeder Hersteller oder Zulieferer solle sich fragen, ob er davon nicht profitieren kann: „Es gibt eine hohe Anzahl von Investoren, die bereit sind, die Wette auf die Zukunft einzugehen. Risikokapital ist ausreichend vorhanden. Zusammen mit einem etablierten Industrieunternehmen in ein Zukunftsthema zu investieren, wäre für viele sicher interessant – das kann Elektroantrieb sein, das kann Wasserstoffabtrieb sein, das kann Software sein.“  

Der Hersteller oder Zulieferer teile so nicht nur das finanzielle Risiko, so Kames, sondern schaffe auch eine Einheit, aus der heraus leichter Akquisitionen in Zukunftstechnologien machbar seien. Das Interesse an solchen Ansätzen nehme in den Chefetagen der deutschen Autoindustrie zu, so der Banker: „Ich nehme schon wahr, dass man zumindest über solche Ansätze reden möchte. Grundsätzlich sehe ich gerade in Deutschland gute Chancen, denn es gibt hier die nötigen Kompetenzen. Wir haben zum Beispiel Tausende von Softwareingenieuren bei den Autobauern und Zulieferern, die viel erreichen könnten. Aber dafür braucht es Einheiten, an denen man sich beteiligen kann und die perspektivisch kapitalmarktfähig sind.“ 

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Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren Spin-offs deutscher Autobauer in der deutschen Autoindustrie an den Start gegangen: die VW-Lkw-Tochter Traton, das Mercedes-Lkw-Business als Daimler Truck Holding, die Continental-Abspaltung Vitesco. Volkswagen will seine Software-Tochter Cariad vielleicht irgendwann an die Börse bringen, Continental prüft das Gleiche für seine Autonom-Sparte.

Sollte Porsche trotz des miserablen Börsenumfelds einen erfolgreichen Börsengang schaffen, dann sollten die vielen  heimlichen Champions aus Deutschland ebenfalls darüber nachdenken, kapitalmarktfähig zu werden. Und wenn dann das wahrscheinliche Börsen-Horrorjahr 2023 vorbei ist, kann die IPO-Strategie schon fertig sein. 

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