Borgward Ulrich Walker erwartet 100.000 verkaufte Autos 2017

Borgward wurde lange belächelt. Doch so langsam stellt sich bei dem kleinen chinesisch-deutschen Autobauer der Erfolg ein. Borgward-Chef Ulrich Walker erwartet viel für 2017.

Ulrich Walker, Geschäftsführer von Borgward auf der Internationalen Automobilmesse (IAA) 2015. Quelle: dpa

Der Chef des chinesisch-deutschen Autobauers Borgward erwartet für das neue Jahr steigende Wachstumszahlen. Mit der Einführung des BX5 könne man mit einem Absatz von rund 100.000 Fahrzeugen weltweit rechnen, sagte Ulrich Walker der Deutschen Presse-Agentur. Dabei geht der Borgward-Chef von 5000 verkauften Autos je Modell und Monat weltweit aus. Bislang hat Borgward nur den BX7 auf den Markt gebracht, 2017 sollen weitere Modelle folgen.

Seit dem Verkaufsstart des BX7 Ende Juni seien inzwischen rund 25.000 Autos auf der Straße. „Wir haben zudem Auftragseingänge über 35.000“, berichtete Walker. In China verkaufe Borgward derzeit mehr als 5000 Wagen im Monat. Mittelfristig will das Unternehmen weltweit mehr als eine halbe Million Autos jährlich absetzen.

Dabei sieht Walker den chinesischen Markt optimistisch: „Es wird auch 2017 ein Mengenwachstum in China geben.“ Der Autoverband VDA rechnet dort für 2017 nur mit einem Plus von fünf Prozent auf 24,2 Millionen Pkw. In den Ballungszentren wie Shanghai oder Peking sehe man eine Konsolidierung. „Peking hatte vor 2010 noch 800.000 Zulassungen pro Jahr, inzwischen dürfen nur noch 200.000 pro Jahr zugelassen werden.“

Dem Borgward wird neues Leben eingehaucht
Für Auto-Fans in aller Welt ist Borgward bis heute unvergessen – als Marke, die sogar Mercedes Paroli bot. Kein Wunder deshalb, dass sich immer wieder Prinzen fanden, die die schöne Bremerin aus ihrem Dornröschenschlaf holen wollten. Den vielleicht ernsthaftesten Versuch unternimmt jetzt Christian Borgward, der Marke und Modellen seines Großvaters neues Leben einhauchen will ... Quelle: PR
Geld verdiente Borgward auch mit den Goliath-Transportern, hier ein F400 aus dem Jahr 1935 Quelle: Autodrom
Der Entrepreneur eröffnete 1938 das neu errichtete Werk Sebaldsbrück, das endlich die ersten Limousinen mit Borgward-Logo produzierte. Kurz nach Kriegsende startete in seinen bombenzerstörten Werken die Lkw-Fertigung, denn die Amerikaner bedachten ihn bereits 1945 mit einem Auftrag. Direkt nach der Währungsreform beginnt 1948 in Bremen das bundesdeutsche automobile Wirtschaftswunder. Carl Borgward startet unter den drei Marken Lloyd, Goliath und Borgward die Automobilproduktion. Quelle: PR
War lange Zeit erfolgreichster Kleinwagen in Deutschland: der Borgward Lloyd Alexander. Quelle: dpa
Der frisch gebackene Allein-Entrepreneur eröffnete 1938 das neu errichtete Werk Sebaldsbrück, das endlich die ersten Limousinen mit Borgward-Logo produzierte Quelle: Borgward
Dank Lloyd lag die Borgward-Gruppe Anfang der 1950er Jahre nach VW und Opel auf dem dritten Platz der deutschen Zulassungscharts und auch zum Ende des Jahrzehnts war der norddeutsche Riese noch absatzstärker als Mercedes. Borgward war Bremens Stolz und einer der bedeutendsten Arbeitgeber Nordeuropas. Vor allem als der Konzernchef 1954 mit der Isabella zum ganz großen Schlag gegen Mercedes ausholte ... Quelle: PR
Als sportliche Mittelklasselimousine gehobenen Anspruchs fand die feminin geformte Familie aus zweitürigem Stufenheck, lifestyligem Combi (unter den Lasteneseln damals eine Sensation), Cabriolet und Coupé eine freie Marktnische, die sogar von Mercedes und BMW vernachlässigt worden war. Quelle: PR

Einen Markteintritt in den USA plane Borgward nicht, so Walker. „Die USA sind ein komplizierter Markt, der starken Schwankungen unterliegt. Dort gibt es einen starken Verdrängungswettbewerb.“

Borgward gehörte einst zu den bekanntesten Autoherstellern Deutschlands und ging 1961 pleite. Im heutigen Daimler-Werk in Bremen-Sebaldsbrück rollten bis Anfang der 1960er Jahre jährlich bis zu 100.000 Fahrzeuge vom Band. Borgwards Enkel Christian belebte die Marke 2015 wieder. Hauptaktionär und alleiniger Investor von Borgward ist der chinesische Lastwagenbauer Foton. „Aber auch dieser Investor ist bestrebt, weitere hereinzuholen“, sagte Walker.

Borgward plant Elektro-Auto

Seit 2016 werden die Autos in China verkauft. 2017 sollen sie in der Elektrovariante in Europa angeboten werden - bald auch mit dem Label „made in Germany“. In Bremen soll eine Montage hochgezogen werden, wo ab 2018 jährlich bis zu 10 000 Fahrzeuge produziert werden können.

„Wir werden in Deutschland und Europa primär nur Elektrofahrzeuge verkaufen“, sagte Walker. Ob begrenzte Stückzahlen mit Verbrennungsmotoren angeboten würden, stehe noch nicht fest. Klar sei aber: „Wir werden den Großteil unserer Fahrzeuge außerhalb Europas verkaufen.“ Der Marktanteil der Elektrofahrzeuge am gesamten Absatz werde sich am Anfang im einstelligen Bereich bewegen.

Borgward-Chef Walker setzt weiter auf Stuttgart

Nach dem sportlichen Geländewagen soll ein weiterer (BX5) folgen sowie ein Coupé (BX6). Auf der Automesse in Frankfurt 2017 will Borgward eine Konzeptstudie präsentieren. „Wir arbeiten außerdem an einer neuen Limousine und einem Multi Purpose Vehicle“, sagte Walker.

Die Expansion in Deutschland gelang Borgward dabei nicht so wie geplant. „Wir sind jetzt bei 65 Mitarbeitern in Stuttgart“ - ursprünglich geplant waren 80 bis 120 Beschäftigte. In China hingegen habe Borgward 1200 Ingenieure und 200 Vertriebsexperten eingestellt. „Insgesamt haben wir damit die Zahl unserer Beschäftigten innerhalb eines Jahres von rund 2500 auf knapp 4000 gesteigert.“

Walker will Schwaben die Treue halten. „Mittelfristig gibt es keine Pläne, aus Stuttgart wegzugehen“, sagte er. Denn das Angebot an Lieferanten und qualifizierten Mitarbeitern sei hier groß.

Den Ausbau der Produktion in Bremen hingegen will Walker von der Marktentwicklung abhängig machen. Dort sollen 50 bis 100 Menschen Arbeit finden. Auch dort gebe es qualifiziertes Personal dank der vorhandenen Zulieferindustrie.

Den Ausschlag für die Gegend hätten Logistikkosten und die Infrastruktur gegeben. „In Bremerhaven gibt es Zulieferer mit kompletter Infrastruktur wie zum Beispiel fertigen Lackieranlagen“, so Walker. Und Bremen habe noch einen Vorteil: „Dass Borgward von dort kommt.“

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