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Bram Schot will Audi umkrempeln „Wir können mit unserer Performance nicht zufrieden sein“

Audi: So will Bram Schot die Automarke umkrempeln Quelle: dpa

Audi rechnet nach einem Rückschlag 2018 auch im laufenden Jahr mit Gegenwind. Vorstandschef Bram Schot will die Volkswagen-Tochter deshalb umkrempeln.

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Mit einem harten Sparprogramm, Stellenabbau und Elektroautos will Audi-Chef Bram Schot sein Unternehmen nach einem sehr schwachen Jahr wieder auf Kurs bringen. Aber „2019 wird ein Übergangsjahr“, sagte Schot in Ingolstadt. Verkäufe und Umsatz sollen nur leicht steigen.

Der Umbau „wird nicht bequem. Aber wir stellen die Gewinnzone klar vor die Komfortzone“, sagte Finanzvorstand Alexander Seitz. Schot hatte bereits gesagt, 90 000 Audi-Mitarbeiter seien zu viel. Zahlen zum Personalabbau wollte er am Donnerstag noch nicht nennen. In den nächsten Wochen werde mit dem Betriebsrat verhandelt. Es gebe „hier und da ein wenig Fett“.

Der neue Audi-Vorstandschef Bram Schot will die Volkswagen-Tochter nach dem Skandal um manipulierte Dieselmotoren und die holprige Umstellung auf den neuen Abgas-Standard WLTP umkrempeln. „Wir erhöhen das Veränderungstempo, denn wir haben eine doppelte Transformation zu meistern“, sagte der Niederländer am Donnerstag in Ingolstadt. Die Produktpalette soll „neu strukturiert“ werden. „Es wird Dinge geben, die wir in Zukunft nicht mehr machen.“ Audi müsse die Produktivität deutlich erhöhen und sich „stärker auf seine „unternehmerische Kerneigenleistung konzentrieren“.

Im vergangenen Jahr hatte Audi wegen Problemen bei der Umstellung auf den neuen Abgasmessstandard WLTP nur noch 1,8 Millionen Autos verkauft und ist damit weit hinter Mercedes und BMW zurückgefallen. Der Umsatz sank auf 59,2 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn brach um 24 Prozent ein auf 3,53 Milliarden Euro. Diesel-Nachrüstungen und das von der Münchner Justiz wegen Manipulation der Abgaswerte verhängte Bußgeld schlugen mit 1,2 Milliarden Euro zu Buche. „Wir sind mit diesen Zahlen alles andere als zufrieden“, stellte Schot klar.

Um profitabler zu werden, will er Stellen streichen, das mittlere Management ausdünnen, Schichten, Zulagen, Modell- und Motorvarianten unter die Lupe nehmen, die Aufgaben zwischen den Werken neu verteilen und gemeinsame Plattformen mit VW und Porsche stärker nutzen. So wird der vollelektrische Q4 e-tron nächstes Jahr im VW-Elektro-Werk Zwickau vom Band laufen. „Wenn alle Standorte elektrifiziert werden, ist das nicht der effizienteste Weg“, sagte Schot. Bis 2022 werde Audi insgesamt 15 Milliarden Euro sparen, um die hohen Investitionen in die Elektromobilität stemmen zu können.

Schot will sein Konzept auf der Hauptversammlung am 23. Mai vorstellen. Es betrifft auch die Belegschaft. Bei Einstellungen neuer Mitarbeiter werde man „noch selektiver vorgehen“, kündigte Finanzvorstand Alexander Seitz an.

Die Diesel-Affäre habe Audi im vergangenen Jahr fast 1,2 Milliarden Euro gekostet, allein 800 Millionen Euro zahlte der Autobauer als Bußgeld für die Manipulationen. Das drückte das operative Ergebnis um ein Viertel auf 3,5 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite fiel auf 6,0 (2017: 7,8) Prozent, wäre aber auch ohne den Skandal unter der Zielmarke von acht bis zehn Prozent geblieben. Grund dafür war die langwierige Umstellung auf den neuen Abgasmesszyklus WLTP, die die Verkaufszahlen um 3,5 Prozent auf 1,81 Millionen Audi-Fahrzeuge schrumpfen ließ. „Wir können mit unserer Performance nicht zufrieden sein“, sagte Schot. „Unternehmerisch haben wir vor allem WLTP als den ultimativen Stresstest nicht bestanden.“

Langfristig peilt Schot nun eine operative Rendite von neun bis elf Prozent an, weil die Vertriebsgesellschaften für alle Konzernmarken künftig bei VW gebündelt werden. Im laufenden Jahr sei das aber noch nicht machbar, räumte der Audi-Chef ein. „2019 wird ein Übergangsjahr.“ Die operative Umsatzrendite soll bei 7,0 bis 8,5 (2018 vergleichbar: 6,6) Prozent liegen. Der Umsatz werde leicht über dem um die VW-Vertriebstöchter bereinigten Vorjahreswert von 53,6 Milliarden Euro liegen, der Absatz soll ebenfalls leicht steigen.

Die VW-Eigentümerfamilie Porsche hatte vergangene Woche gefordert, Audi müsse wieder profitabler werden. Dass es schlecht läuft, spüren auch die Mitarbeiter bei ihrer Gewinnbeteiligung: Sie sinkt für einen Facharbeiter bei Audi in Deutschland um 1100 auf 3630 Euro.

Schadenersatzklagen von Audi-Diesel-Käufern sowie eine mögliche Kartellstrafe der EU wegen Absprachen mit anderen Herstellern könnten die VW-Tochter noch belasten. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt weiterhin nicht nur gegen Schots Vorgänger Rupert Stadler, sondern auch gegen einen amtierenden Audi-Vorstand.

Schot hatte nach Stadlers Festnahme im vergangenen Juni die Führung von Audi übernommen und weitet dessen Spar- und Elektrifizierungspläne jetzt drastisch aus. Damit ist Audi auf einer Linie mit dem VW-Konzern, der bei seiner Kernmarke VW ebenfalls Stellen streicht und kräftig in E-Autos investiert - auch mit Blick auf China, wo Volkswagen und Audi mehr als ein Drittel ihrer Autos verkaufen. In China ist Audi Marktführer bei Oberklasse-Autos, dort will die VW-Tochter ihren Absatz von heute 660 000 bis 2022 auf eine Million Autos steigern.

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