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Brexit BMW erhöht den Druck und prüft Alternativen

Mini Cooper S Union Jack Quelle: BMW

Neun Monate vor dem geplanten Brexit gibt es immer noch kein Abkommen. Viele Unternehmen, darunter auch BMW, wissen nicht, was nach März 2019 auf sie zukommt. Welche Möglichkeiten der Autobauer jetzt hat.

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Die Antwort auf die Drohung kam prompt: Am Samstag hatten mehrere Minister in Großbritannien erneut gesagt, dass auch ein Ausstieg aus der EU ohne Abkommen ein denkbares Szenario sei. Einen solchen harten Brexit findet die Industrie aber gar nicht witzig. Airbus drohte umgehend mit einem Teil-Rückzug, Siemens sieht zumindest einen Schaden auf die Unternehmen zukommen. Und BMW will – wenn es nicht bald ein Abkommen gibt – seine Investitionen prüfen.

Bis Ende Sommer müsse Klarheit herrschen, sagte der BMW-Repräsentant in Großbritannien, Ian Robertson, dem Sender BBC. Das Münchner Unternehmen stellt auch die Marken Mini und Rolls-Royce her und hat rund 8000 Beschäftigte im Vereinigten Königreich. „Wenn wir in den nächsten Monaten keine Klarheit bekommen, müssen wir damit beginnen, Alternativpläne zu entwickeln.“ Sonst würde der Konzern Geld in Konstruktionen investieren, „die wir vielleicht nicht benötigen, in Lagerhallen, die vielleicht künftig nicht brauchbar sind“.

Kurzfristig verlassen wird BMW die Insel nicht – schließlich hat der Konzern zwischen 2012 und 2015 das Mini-Werk in Oxford sowie die Motoren- und Teilefabriken Hams Hall und Swindon noch für über 800 Millionen Euro modernisiert. Dennoch hat Robertson die Befürchtung, dass „das Vereinigte Königreich weniger wettbewerbsfähig wird in einer derzeit sehr wettbewerbsfähigen Welt“. Zum Schaden der Industrie, wie er hinzufügt.

Bereits im Mai hatte der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger betont, die Produktion müsse flexibel bleiben. Der Standort in den Niederlanden, wo das Unternehmen VDL-NedCar Minis und den BMW X1 im Auftrag montiert, dürfte künftig an Bedeutung gewinnen, da die Zweifel an der Nachhaltigkeit der britischen Fertigung für die Exportmärkte ohne Brexit-Abkommen wachsen.
Der Punkt ist: Für die Produktion des Mini ist der Standort Großbritannien nicht unersetzlich. Die Investitionen, um die Werke auf die aktuelle Konzernplattform umzurüsten, waren hoch. Mögliche Einbußen wegen Zöllen oder nicht eingehaltenen Produktionsplänen könnten aber schnell noch teurer werden. Bei all der „Britishness“ bei der Inszenierung der Marke würde ein BMW-Brexit im Marketing wohl schmerzen.

Da der Mini aber inzwischen auf der selben Plattform wie ein BMW Einser gebaut wird, wäre zumindest technisch eine Produktionsverlagerung aufs europäische Festland keine unüberwindbare Hürde. Und ein Mini-Käufer würde wohl weiterhin einen Mini kaufen – ihm ist eher egal, ob der Union Jack in Oxford oder dem niederländischen Born auf das Autodach gepinselt wurde.

Anders sieht es bei Rolls-Royce aus. Diese Klientel ist ungleich traditionsbewusster. Hier geht es nicht nur darum, dass ein Rolls-Royce in England gebaut wird, sondern sogar ausschließlich im südenglischen Goodwood. Angesichts steigender Produktionszahlen hatte Rolls-Royce-Chef Thorsten Müller-Ötvös einer möglichen Expansion über die heutigen Werksgrenzen hinaus wiederholt eine Absage erteilt. Und auch technisch ist eine Verlagerung der Fertigung schwierig: Der Grad der Handarbeit ist extrem hoch, jeweils nur wenige Spezialisten können in der Lackiererei, Sattlerei oder Montage einen bestimmten Arbeitsschritt durchführen. Ein Umzug ginge also nur mit der Belegschaft oder jahrelange Erfahrung geht verloren.

Das Szenario eines Teil-Rückzugs will Ian Robertson noch nicht androhen. Dennoch richtet der BMW-Manager mahnende Worte an die Regierung in London: „Das ist ein entscheidendes Thema, das dieser Branche letztlich schaden könnte.“ Und einen Schaden kann kein Unternehmen lange hinnehmen.

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