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Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League Wie Volkswagen den Fußball beherrscht

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Wolfsburg könnte aus der Champions League fliegen

Das Problem ist bei der DFL bekannt, inzwischen wurde auch das Regelwerk etwas verschärft. Die 50+1-Regel, wonach der Kapitalgeber nicht die Mehrheit am Verein übernehmen darf (inklusive der Ausnahmen für VW in Wolfsburg und Bayer in Leverkusen), gibt es bereits länger. Vor einigen Wochen hat die DFL die Passage zu den Mehrfachbeteiligungen konkretisiert: Künftig darf ein Investor an maximal drei Klubs beteiligt sein, nur bei einem davon mehr als zehn Prozent besitzen. Weil die DFB auch gleich einen Bestandschutz für bereits bestehende Partnerschaften erlassen hat, ist die Audi-Beteiligung beim FC Ingolstadt weiter legal – auch wenn Kritiker von einer Lex VW sprechen.

Der Europäische Fußballverband (Uefa) ist da strenger. Wenn einem Unternehmen mehrere Vereine gehören oder es als Sponsor großen Einfluss hat, darf nur einer der Klubs im selben Wettbewerb starten. Dass die Uefa auch durchgreift, hat sie 1998 gezeigt: AEK Athen und Slavia Prag hatten mit der Investmentgruppe Enic denselben Haupteigentümer. Obwohl beide Mannschaften für den damaligen Uefa-Cup qualifiziert waren, ließ der Verband nur die Tschechen zu – die EU-Kommission bestätigte das Urteil.

Europäische Bühne ist für Sponsoren wichtig

In diesem Jahr ist die Situation ähnlich, aber nicht gleich. Als Meister und Vize-Meister haben sich Bayern und Wolfsburg sportlich für die Champions League qualifiziert. Mit dem 8,3-Prozent-Anteil kann Audi sicher nicht als Haupteigentümer angesehen werden. Einfluss übte der VW-Konzern aber aus: VW-Boss und Bayern-Aufsichtsrat Winterkorn setzte sich 2013 öffentlich für den Wechsel des Brasilianers Luiz Gustavo von München nach Wolfsburg ein. Der Transfer fand am Ende wirklich statt, über die Modalitäten vereinbarten beide Vereine Stillschweigen.

Sollte die Uefa solche Vorgänge als Einflussnahme werten, könnte sie einen der beiden Vereine – wahrscheinlich die zweitplatzierten Wolfsburger – von den europäischen Wettbewerben ausschließen. Offiziell will sich die Uefa auf Anfrage nicht äußern. Wie die „Welt“ berichtet, werde aber hinter vorgehaltener Hand bestätigt, dass das Thema „sensibel“ sei.

Nicht nur sportlich für den Verein, auch finanziell für den Sponsor VW ist die Teilnahme an der europäischen Königsklasse enorm wichtig – alleine schon wegen der internationalen Bühne für die Marke VW. „Die Einschaltquoten bei einem Spiel gegen einen Klub wie Real Madrid wären weltweit hoch, dazu käme noch die Bebilderung bei Vor- und Nachberichterstattung in Print- und Online-Medien“, sagt Kupfer. „Durch die Zentralvermarktung der Champions League ist ein Trikotsponsoring für eine Marke die einzige Möglichkeit, über diese Premiumplattform eine globale Sichtbarkeit zu erlangen.“

Anders sieht es zum Beispiel beim dritten deutschen Champions-League-Teilnehmer aus: Die Borussia aus Mönchengladbach, die auf ihren Trikots für die Postbank wirbt. „Hier profitiert die Postbank als Trikotsponsor von der internationalen Aufmerksamkeit weniger im Vergleich zu einem Global Player wie Volkswagen“, so Kupfer. „Für die nationale Kommunikation der Marke ist die Plattform Champions League dennoch wichtig, da der Fokus der Postbank auf dem deutschen Markt liegt.“

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Übrigens: Als die Wolfsburger nach der Meisterschaft im Jahr 2009 in der Folgesaison in der Champions League spielten, war die Mehrfachbeteiligung des VW-Konzerns noch kein Thema. Ende 2009 kaufte sich Audi beim FC Bayern ein – zu diesem Zeitpunkt war der VfL nach der Gruppenphase bereits ausgeschieden.

Zumindest das kann den Wolfsburgern am Samstag nicht mehr passieren. Ob es aber der zweite große Erfolg des Werksklubs nach der Meisterschaft 2009 wird, haben die Spieler selbst in der Hand. Martin Winterkorn wird die Daumen drücken.

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