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BYD Chinas Tesla

BYD Bus Quelle: Bloomberg

BYD war lange der größte E-Auto-Hersteller der Welt. Erst mit dem Model 3 ist es Tesla gelungen, ihn auf Platz zwei zu verdrängen. Jetzt greift das chinesische Unternehmen in einem neuen Segment an – mit enormem Erfolg.

Tesla mag Schwierigkeiten haben, Autos so schnell wie geplant zu bauen – über mangelnde Nachfrage kann sich das Unternehmen nicht beschweren. In etlichen Ländern Europas schießt das Model 3 von Tesla derzeit an die Spitzen der Verkaufsstatistiken.

Jüngster Coup der Kalifornier: die Schweiz. Im März war das Model 3 dort das meistverkaufte Modell. Nein, nicht das meistverkaufte Elektroauto. Das meistverkaufte Auto überhaupt. Die bisherigen Bestseller Skoda Octavia und VW Golf schlug Tesla um Längen. 

Während Tesla seit Jahren in aller Munde ist, haben die meisten Menschen außerhalb der Autoindustrie von dem anderen globalen E-Champion noch nie etwas gehört: BYD heißt dieser chinesische Mischkonzern – die Buchstaben stehen für „Build Your Dreams“ (Baue Deine Träume). 

BYD ist der chinesische Tesla. Das Unternehmen werkelt schon länger an seinen Träumen. Seit der Gründung 1995 ging es mit der Firma teilweise dramatisch auf und ab. Gestartet als chinesischer Widersacher zur damals dominierenden, japanischen Batterie-Industrie gründete BYD 2003 ein Tochterunternehmen für die Autoproduktion. Batterien und Autos – 2008 wurde klar, dass beides gut zusammenpasst und Star-Investor Warren Buffett stieg bei BYD ein. 

Nach einer Zeit der Euphorie häuften sich aber die Probleme bei BYD. Die versprochenen guten und günstigen E-Autos ließen auf sich warten, der Kurs schmierte 2011 ab. Ab Ende 2012 ging es wieder aufwärts mit der Aktie. Knapp eine Viertelmilliarde Dollar hat Buffet in BYD gesteckt, heute ist sein Aktienpaket rund eine Milliarde Dollar wert.

Dabei könnte das Unternehmen seine größten Erfolge noch vor sich haben. Ein Jahrzehnt nach Buffetts Einstieg scheint die Zeit für BYD gekommen. Weltweit setzen Autobauer auf E-Autos. Sie wollen mit dem chinesischen Unternehmen kooperieren, so wie das etwa Daimler tut. Oder sie wollen von BYD Zellen für ihre Fahrzeuge kaufen. Dort liegt Potenzial: Auf dem Batteriezellenmarkt ist Tesla-Partner Panasonic die Nummer eins, BYD hinter dem chinesischen Konkurrenten CATL und dem koranischen Anbieter LG Chem die Nummer vier. Bis 2020 will BYD seine Produktionskapazität von Batteriezellen verdoppeln. Ab 2022 ist der Börsengang der Batteriesparte geplant.

Auch als Elektroautohersteller ist BYD ein Schwergewicht: Erst mit dem Massenauto Model 3 gelang es Tesla im vergangenen Jahr, BYD von Platz eins der Liste der weltweit größten E-Auto-Anbieter zu verdrängen. 227.000 Elektroautos baute BYD 2018 – mehr als doppelt so viele wie 2017. Zum Vergleich: VW kam 2018 gerade mal auf 52.000 E-Autos.

BYD stellt in Singapur die E-Taxis. Quelle: imago images

Es ist nach Einschätzung chinesischer Autoexperten nur eine Frage weniger Jahre, bis BYD mit seinen E-Modellen nach Europa drängt. 

BYD erinnert in vielem an Tesla. Wie die Kalifornier ist auch BYD stark in der Entwicklung und Herstellung eigener Batteriezellen – eine Fähigkeit, die die meisten anderen Autohersteller nicht haben. Wie Tesla kann BYD nun die sprunghaft ansteigende Nachfrage nach E-Autos bedienen – andere Autobauer, etwa die deutschen, sind erst in einigen Jahren so weit. Und der Konzern bleibt beim Auto nicht stehen. 

Erfolg auf der Busspur

Während Tesla den Lkw-Markt mit einem Elektromodell angreift, geht BYD ins Bus-Segment und dies mit unfassbarem Erfolg. 

In diesen Tagen präsentierte BYD sein neues Luxus-Modell, einen Riesen-Bus für 250 Fahrgäste. Mit 27 Metern ist der Elektrobus der längste der Welt, maximal 70 Kilometer pro Stunde schnell und verfügt über eine Reichweite von 300 Kilometern. Der Bus soll zunächst in Südamerika zum Einsatz kommen. 

Dass der Riesenbus wirklich bald im Alltag zu sehen sein wird und kein bloßer BYD-Traum ist, dafür sprechen die bisherigen Erfolge im Bus-Segment: Vor einigen Monaten lief bei BYD der 50.000ste große Stadtbus vom Band.

Bei den Bussen geht es BYD wie Tesla beim Model 3: Das Produktionsvolumen ist das Problem, nicht die Nachfrage. ÖPNV-Betreiber aus aller Welt stehen bei dem Unternehmen Schlange. In 300 Metropolen sind die Busse made in China schon unterwegs, darunter in London, Los Angeles, Sydney, aber auch an der Stanford University, bei Facebook - und bei Flixbus. Die Münchner Verkehrsbetriebe haben Elektrobusse beim niederländischen Anbieter Ebusco bestellt – der wiederum bezieht sie von BYD.

Allerdings gibt es noch eine andere Parallele zu Tesla: So richtig profitabel ist BYD nicht. 2018 sank der Gewinn um 32 Prozent auf 2,8 Milliarden Yuan. Damit betrug die Umsatzrendite nur 2,3 Prozent. Es spricht aber, wie bei Tesla, viel dafür, dass die Erntezeit bei BYD einfach noch nicht gekommen ist.

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