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Car2Go und DriveNow Was die Fusion für andere Carsharing-Anbieter bedeutet

Zetsche, Krüger Quelle: dpa

Share Now – so heißt der neue Marktführer für Carsharing in Deutschland. Dort bündeln BMW und Daimler ihre Mobilitätsdienste und machen kleineren Anbietern das Leben schwer. Doch die zeigen sich durchaus selbstbewusst.

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„DriveNow+car2go=SHARE NOW“ als Überschrift, darüber ein Bild, auf dem sich ein BMW i3 mit dem DriveNow-Logo und ein Smart mit dem Car2Go-Logo so nah gegenüberstehen, dass sie sich beinahe küssen. Zwischen den Autos ploppen weiße Herzen auf. Eine solch romantisierende E-Mail fanden Kunden vom Carsharing-Dienst DriveNow heute in ihrem Postfach.

Tatsächlich beschreibt die Gleichung in der Mail ganz gut, was mit dem heutigen Tag in Kraft tritt: Die beiden führenden Carsharing-Anbieter in Deutschland schließen sich zusammen. Die Dimension des Deals ist jedoch größer, als die niedliche Darstellung glauben machen möchte.

Es verbinden sich nämlich auch gleichzeitig zwei der größten deutschen Unternehmen überhaupt: Hinter DriveNow steht BMW und hinter Car2Go Daimler. Die beiden deutschen Automobilhersteller bündeln ihre Mobilitätsangebote und stellen nun nach eigener Aussage den weltweit führenden Anbieter von Free-Floating-Carsharing dar. Das ist die populärste Art des Carsharings, bei der die Autos innerhalb des Geschäftsgebiets in jeder Straße sowie an jeder Ecke abgestellt werden können.

Mit Share Now entsteht ein Joint Venture, das laut eigenen Angaben mehr als 4 Millionen Kunden hat, mehr als 20.000 Fahrzeuge betreibt und in 30 Standorten in 13 Ländern der Welt aktiv ist. Diese Zahlen klingen nach einer gewaltigen Marktmacht, statt nach einem niedlichen Verbund aus Autos, die sich untereinander besonders gerne haben. Und die Fahrzeuge von Mercedes, BMW, Smart und Mini dürften es den kleineren Carsharing-Anbietern – von denen es einige gibt – im Wettbewerb noch einmal schwerer machen als bisher.

„Der Kunde will nicht 15 Apps haben“

Einer dieser Wettbewerber ist Flinkster, der drittgrößte Anbieter in Deutschland und ein Angebot der Deutschen Bahn. Ein positiver Effekt der Fusion von Car2Go und DriveNow liegt auf der Hand: Flinkster steigt hierzulande zum zweitgrößten Carsharing-Anbieter mit 376.000 Kunden auf. Viel mehr positive Auswirkungen dürfte der neue Carsharing-Champion für Flinkster nicht parat haben.

Denn vielen Carsharing-Nutzer in den Städten, in denen Share Now verfügbar ist, wird dieser eine, marktführende Anbieter mehr als genügen: „Der Kunde will einfach bequem und schnell durch die Stadt kommen. Er will nicht 15 Apps haben“, sagt Juergen Reiner, Partner bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. „Entscheidend ist, viele Kunden anzusprechen, ihnen in ihrer Stadt genug Autos anzubieten, so dass sie nicht lange suchen und warten müssen“, sagt Reiner. In den Großstädten würde das Share Now gelingen.

Genau dort müsste Flinkster also anderweitig um Kunden kämpfen. Noch gibt sich der Anbieter gelassen. „Der Markt ist in Bewegung. Und etwas Druck beschleunigt Entwicklungen. Wir haben gute Ideen und sind mutig diese auch umzusetzen“, erklärt Jürgen Gudd, Vorsitzender der Geschäftsführung von Deutsche Bahn Connect, dem Flinkster-Betreiber, auf Anfrage der WirtschaftsWoche. Eine von Gudds Ideen: Fahrzeuge im Flinkster-Netzwerk auf Parkplätzen von Lidl-Märkten (jeweils drei Fahrzeuge) bereitstellen. Bundesweit geschehe dies derzeit an 164 Standorten. Im Unterschied zu Share Now ist Flinkster nämlich ein stationsbasierter Carsharing-Anbieter. Sprich die Kunden leihen die Fahrzeuge mit dem Logo der Deutschen Bahn an festen Stationen aus und geben sie auch an einer solchen Station zurück.

Genau von diesem Geschäftsmodell möchte Jürgen Gudd auch im Wettkampf mit Share Now profitieren: „Die konkrete Wettbewerbssituation ist aktuell stark ortsabhängig. Während Nutzer in Ballungsräumen wie Berlin die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern haben, gibt es nach wie vor Regionen, in denen sich bisher noch kein ernstzunehmender Anbieter engagiert. Mit Flinkster verfügen wir über das flächenmäßig größte stationsbasierte Carsharing-Netzwerk Deutschlands.“ Mit zahlreichen Partnern werde Flinkster die regionale Präsenz weiter ausbauen – und damit Kunden hinzugewinnen. „Da sind wir durchaus selbstbewusst“, sagt Gudd.

Der Anbieter „Book-n-drive“ ist zwar Teil des Flinkster-Netzwerks und einer dieser Partner, auf die Gudd setzt. Doch in der Rhein-Main-Region bietet „Book-n-drive“ auch mehr als 1000 eigene Fahrzeuge für 43.000 Kunden an. Die können Nutzer zum Beispiel in Bad Homburg, Oberursel, aber auch in Frankfurt am Main leihen. Eine Großstadt, die sich auch „Book-n-drive“ mit Share Now und anderen Unternehmen teilen muss. Für „Book-n-drive“ durchaus ein Anlass zur Sorge: „Der Zusammenschluss zweier großer Unternehmen birgt die Gefahr, dass der Markt zu sehr von einem Angebot beeinflusst ist“, fürchtet Andreas Hornig, Geschäftsführer von „Book-n-drive“. „Das wäre sehr schade.“

Denn besonders beim Thema „Neue Mobilität“ würden viele Menschen gerade testen, was am besten zu ihnen passt, sagt Hornig. Dennoch belebe Konkurrenz das Geschäft. Und in der Region sei Book-n-Drive mit einer Mischung aus Free-Floating und stationsbasiertem Carsharing bislang der einzige Anbieter.

Noch keine Konkurrenz auf dem Land

Noch regionaler ist E-Wald aktiv. Ein Carsharing-Unternehmen aus Bayern mit Sitz im ländlichen Teisnach. Hier muss E-Wald ganz sicher keine Konkurrenz von Share Now befürchten. Die Zielgruppe ist dort deutlich kleiner als in Frankfurt, Berlin oder München. Etwas mehr als 5000 Kunden nutzen E-Wald bereits. Das Unternehmen stellt seine Autos, die allesamt elektrisch sind, zum Beispiel in Friedrichshafen zur Verfügung, wo Studenten der Universität die Fahrzeuge zum Carsharing nutzen. Oder baut in ländlicheren Städten ein Carsharing-Angebot samt Fahrzeugen und Ladestation auf.

E-Wald freut sich vielmehr über die Fusion von Car2Go und DriveNow: „Ich sehe durch die Fusion eine sehr gute Chance, dass das Angebot für die Kunden noch besser wird, technisch und in der Verfügbarkeit“, erklärt Otto Loserth, Geschäftsführer von E-Wald. „Dagegen steht die Gefahr, dass die Position gerade in Metropolen genutzt wird, um preisbestimmend zu handeln. Meine Überzeugung ist: Der Markt bietet genügend Entfaltungs- und Wachstumsmöglichkeiten für uns und die Mitbewerber.“

Doch nicht nur Carsharinganbieter könnten durch das Joint Venture von BMW und Daimler zusätzlich unter Druck geraten. Die Konzerne wollen einen weltweit führenden Anbieter für Mobilität schaffen, wie BMW-Chef Harald Krüger sagte. Mehr als eine Milliarde würden die Automobilhersteller für die Erweiterung und Verzahnung ihrer Mobilitätsdienstleistungen investieren.

In einem Verbund sind fünf Gemeinschaftsfirmen zusammengefasst, der Hauptsitz wird in Berlin sein. Die beiden Autobauer bündeln darin die Carsharing-Flotten von Car2go und DriveNow, die Buchungsplattformen Moovel und ReachNow, die Vermittlungs-Apps MyTaxi, Chaffeur Privé, Clever Taxi und Beat, die Parkplatz-Dienste ParkNow und Parkmobile sowie die Elektroauto-Ladedienste ChargeNow und Digital Charging Solutions. Carsharing ist also nur ein Teil des umtriebigen Joint Ventures. Ob die Unternehmen in den anderen Branchen auch so optimistisch sind wie die kleineren Carsharing-Anbieter?

Mit Material von dpa und Reuters.

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