Carsharing Die Flotten werden elektrisch

Die Carsharing-Unternehmen wollen Zweifel an der Klimafreundlichkeit ihrer Systeme ein für alle Mal ausräumen. Sie setzen auf Elektromodelle – und erhöhen damit den Druck auf die Städte.

BMW i3 von DriveNow: Das Carsharing wird elektrisch. Quelle: BMW

Studien über die Folgen von Carsharing haben Hochkonjunktur – und häufig sind die Ergebnisse für die Betreiber wenig schmeichelhaft. Vor etwa einem Jahr klagte eine Untersuchung der Nahverkehrsberatung Civity die Systeme von Car2Go, DriveNow und Multicity als „Hype“ an, die „keinen Beitrag zur Entlastung des Verkehrs in Ballungsräumen“ leisteten. Eine Studie von Berylls Strategy Advisors verwies Anfang 2015 ebenfalls auf erheblichen Mehrverkehr und Kannibalisierungseffekte gegenüber dem öffentlichen Nahverkehr.

Die Anbieter selbst sehen das natürlich anders. DriveNow und Car2Go beauftragten deshalb gemeinsam eine Studie. Ihr Fazit: Das Klima profitiert.

Bei all den kritischen Studien und akademischen Gegenbeweisen wissen vor allem die Städte nicht mehr, wie sie mit der modernen Mobilität umgehen sollen. Denn einerseits sind sie gefordert, ihren Bürgern die bestmögliche Mobilität anzubieten. Andererseits drohen gerade die subventionierten Bereiche wie Nahverkehr und Taxi-Gewerbe unter den neuen Möglichkeiten zu leiden.

Die größten Carsharing-Anbieter
Car2Go (Daimler)Kundenzahl: 160.000 Fahrzeugzahl: 42.000 Städte: München, Hamburg, Ulm/Neu-Ulm, Hamburg, Düsseldorf, Berlin, Köln, Stuttgart, Wien, Birmingham, London, Amsterdam, Lyon, Austin, San Diego, Washington D.C., Portland, Miami, Seattle, Toronto, Vancouver, Calgary Wie es funktioniert: Mobil: Fahrzeuge stehen im Stadtgebiet und können überall abgestellt werden. Ortung über Smartphone oder Internet Anmeldegebühr: Einmalig zwischen 9 und 19 Euro Nutzungskosten: Zwischen 24 und 29 Cent pro Minute, höchstens 12,90 Euro pro Stunde Extras: Benzin und Parkgebühren inkl. Fahrzeugtypen: Smart, 600 E-Smarts Quelle: dpa
DriveNow (BMW)Städte: Berlin, München, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Wien, San Francisco Nutzer: über 350.000 Autos: 2950 Automodelle: BMW 1er, BMW X1, BMW ActiveE, MINI, MINI Cabrio, MINI Clubman, MINI Countryman Fixkosten: Anmeldung 29 Euro (derzeit 19 Euro mit 30 Minuten Fahrtguthaben) Reservierung eines Autos: 2x15 Minuten vor Fahrt kostenfrei möglich Fahrtkosten pro Minute: 0,31 Euro; BMW X1 und Mini Cabrio (01.04.-31.10.): 0,34 Euro; günstigere Preise ab 0,24 Euro je Minute in Spar-Paketen möglich Parkkosten pro Minute¹: 0,15 Euro (Montags bis Freitags 0:00 bis 6:00 Uhr kostenfrei) Kosten pro Kilometer: inklusive bis 200 km, je Mehrkilometer 29 Cent Kosten Kurzfahrt²: 3,72 Euro Kosten Stadtfahrt³: 17,75 Euro Versicherung: Haftpflicht und Kaskoversicherung inklusive (Selbstbehalt bei selbstverursachten Unfällen maximal 750 Euro; kann gegen gebühr reduziert werden) Anmeldung (Internet): de.drive-now.com ¹Kosten, die für das Parken anfallen, wenn die Fahrt nicht beendet wird ²Beispiel 5 Kilometer in 12 Minuten ³Beispiel: Hin und Rückfahrt, je 10 Kilometer und je 25 Minuten Fahrt und 15 Minuten parken Quelle: Unternehmen Quelle: Presse
Flinkster (Bahn)Kundenzahl: 215.000 Fahrzeugzahl: 2.800 Städte: 140 Städte Wie es funktioniert: Stationsbasiert: mehr als 800 Ausleih- und Rückgabeorte, z.B. an allen großen ICE-Bahnhöfen Anmeldegebühr: Einmalig 50 Euro, Bahncard-Inhaber kostenlos Nutzungskosten: Kleinwagen 2,30 Euro pro Stunde plus 18 Cent pro Kilometer Extras: Benzin und Strom inkl. Fahrzeugtypen: Kleinwagen bis Transporter, mehr als 100 E-Fahrzeuge Quelle: Screenshot
Quicar (VW)Kundenzahl: 4.000 Fahrzeugzahl: 200 Städte: Hannover Wie es funktioniert: Persönlich zur Quicar Station gehen oder online, per Smartphone-App oder über die Hotline die nächste der 50 festen Ausleihe- und Rückgabeorte auswählen und ein freies Auto aussuchen Anmeldegebühr: Einmalig 25 Euro, für Schüler, Studenten und Azubis zahlen 15 Euro Nutzungskosten: Erste halbe Stunde 6 Euro, danach pro Minute 20 Cent, Parktarif 10 Cent pro Minute, 10 Stunden ab 30 Euro Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Golf Blue Motion, VW up!, VW Beetle, Golf Cabrio, Passat Variant, Sharan, Caravelle, Transporter Quelle: Screenshot
Book N DriveKundenzahl: 10.00 Fahrzeugzahl: 2.500 bundesweit, davon 330 im Rhein-Main-Gebiet Städte: Darmstadt, Frankfurt am Main, Mainz, Oberursel, Offenbach, Rüsselsheim und Wiesbaden Wie es funktioniert: Stationsbasiert Anmeldegebühr: Je nach gewähltem Paket kostenlos oder 29 Euro Nutzungskosten: Je nach Paket: Kleinwagen ab 1,50 Euro pro Stunde plus 16 Cent pro Kilometer Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Kleinwagen bis Transporter, in Kooperation mit Flinkster bietet Book N Drive in vielen Städten Elektro-Autos an Quelle: Screenshot
CambioKundenzahl: 50.000 Fahrzeugzahl: 1500 Städte: 14 Städte, z.B. Köln, Bonn, Berlin Wie es funktioniert: Stationsbasiert Anmeldegebühr: Einmalig ab 30 Euro, plus monatliche Grundgebühr ab 2 Euro Nutzungskosten: Pro Stunde zwischen 1,90 und 5,40 Euro, plus 23 bis 42 Cent pro Kilometer Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Von Smart bis Transporter, auch Mitsubishi E-Fahrzeuge Quelle: Pressebild
Carpooling.com/Mitfahrgelegenheit.deKundenzahl: 4,7 Mio. Nutzer Fahrzeugzahl: rund 900.000 Angebote Städte: Ganz Europa Wie es funktioniert: Mitfahrgelegenheiten im Internet finden Anmeldegebühr: keine Nutzungskosten: ca. 5 - 8 Euro pro 100 Kilometer Extras: keine Fahrzeugtypen: alle Quelle: Pressebild

Carsharing-Anbieter gehen daher in die Offensive, um sich aus der Rechtfertigungsecke zu ziehen und die Verwaltungen vom ökologischen Nutzen zu überzeugen. Ab Mittwoch bringt DriveNow 100 Fahrzeuge des Modells i3 in die Flotten nach Berlin, München und Hamburg. „Wir haben erkannt, dass wir noch mehr tun müssen, um die ökologischen Vorteile des Carsharings hervor zu heben“, sagt DriveNow-Chef Nico Gabriel. „Deshalb bauen wir unsere Flotten mit zusätzlichen Elektroautos aus.“

Der Startschuss in Berlin an diesem Mittwoch könnte ein Meilenstein in der Neubewertung des Carsharings sein. Wenn die Fahrzeuge zunehmend elektrisch unterwegs sind, dürfte die Kritik am Mehrverkehr abnehmen. Sollten die Nutzer zudem ihren Zweitwagen abschaffen oder komplett auf ein eigenes Auto verzichten, würde der Ausstoß von Kohlendioxid in den Städten sogar durch das One-Way-Carsharing sinken. Der Beweis wäre erbracht. Die logische Konsequenz: Die Städte müssten das Teilen von Autos noch intensiver fördern, beispielsweise indem sie separate Carsharing-Parkplätze ausweisen.

Wie sich Carsharing auf die Nutzung anderer Verkehrsmittel auswirkt

Mit dem Nachziehen von BMW setzen alle namhaften Carsharing-Betreiber, die One-Way-Systeme anbieten, bei denen das Auto überall im Stadtgebiet abgestellt werden dürfen, auf Elektromobilität. Die Citroën-Tochter Multicity setzte von Anfang an auf eine rein elektrisch betriebene Flotte in Berlin. Car2Go von Daimler und Europcar folgte mit einer reinen Flotte aus E-Smarts in Stuttgart, Amsterdam und San Diego. Nun zieht DriveNow mit dem Prestigewagen i3 nach.

Das E-Auto ergänzt die Benziner-Flotten zwar nur, aber „zum einen sind wir überzeugt, dass wir dadurch zusätzliche Kunden gewinnen können“, sagt Gabriel. „Zum anderen führen wir unsere Nutzer so auch an die Elektromobilität heran“. Viele Kunden „suchen ganz gezielt nach Elektroautos.“ Gleichzeitig sorgt der i3 für urbanes Fahrvergnügen.

Die Unternehmen wollen damit vor allem auch die Städte zu einem eindeutigen Bekenntnis für Carsharing bewegen. Ihre Devise: Jetzt oder nie. Denn bislang haben die Städte Carsharing nur halbherzig gefördert. In München beispielsweise wurden die Flotten gedeckelt und mit Sonderparkmöglichkeiten taten sich alle Städte mit Verweis auf die undurchsichtige Rechtslage schwer.

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