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Carsharing-Dienste Wohin die Fusion von Car2Go und DriveNow führt

Car2Go und DriveNow: Fusion der Carsharing-Dienste Quelle: imago

Es war ein offenes Geheimnis in der Branche, die offizielle Verkündigung fehlte aber noch. Jetzt ist die Carsharing-Fusion von DriveNow und Car2Go perfekt. Wie das Joint Venture den Markt beeinflussen könnte.

Nun ist es offiziell: Car2Go und DriveNow werden fusionieren. Die Autobauer Daimler und BMW haben den Zusammenschluss ihrer beiden Carsharing-Töchter verkündet. Das Ziel dieser Transaktion sei, einer der führenden Anbieter von innovativen Mobilitätsdienstleistungen zu werden, schreiben die Konzerne in einer gemeinsamen Mitteilung.

Eine Fusion von DriveNow und Car2Go, der beiden Platzhirsche, wird den deutschen Carsharing-Markt massiv beeinflussen. Ein Überblick:

Wie soll die Fusion ablaufen?

BMW und Daimler wollen eine gemeinsames Joint-Venture gründen, an dem beide Autobauer jeweils fünfzig Prozent der Anteile halten. Dieses Unternehmen soll die Mobilitätsdienste beider Konzerne unter einem Dach bündeln. „Das Ziel dieser Transaktion ist, einer der führenden Anbieter von innovativen Mobilitätsdienstleistungen zu werden“, heißt es von Daimler. Neben den Carsharing-Diensten sollen auch weitere Unternehmensgeschäfte wie Mitfahrgelegenheiten, Parkplatz- und Ladesäulensuche wie auch die Taxivermittlung zusammengeführt werden.

Die Antworten zu den wichtigsten Carsharing-Fragen

Bei Car2Go betrifft die Fusion über drei Millionen Kunden international, bei DriveNow sind es etwas über eine Millionen (beides Stand Januar 2018). Das Joint-Venture würde somit auf einen Kundenstamm von rund vier Millionen Kunden und einen Pool mit 20.000 Autos in 31 Städten weltweit verfügen. Die bekannten Marken DriveNow und Car2Go sollen zunächst erhalten bleiben.

Noch ist die Fusion aber nicht in trockenen Tüchern. Das neue Joint-Venture bedarf der Freigabe der Kartellbehörden.

Warum wollen Konkurrenten wie Daimler und BMW zusammenarbeiten?

Dahinter steckt sowohl wirtschaftliches als auch strategisches Kalkül. Es gilt als offenes Geheimnis in der Branche, dass sowohl Car2Go als auch DriveNow keine Gewinne einfahren. Ob die Kosten im laufenden Betrieb das Carsharing-Geschäft unrentabel machen oder kleine Überschüsse direkt in den Ausbau des Angebots investiert werden, wurde offiziell nie kommuniziert. Klar ist: Sowohl für Daimler als auch BMW ist das Carsharing derzeit ein Zuschussgeschäft.

Das liegt auch daran, dass die beiden Angebote in direkter Konkurrenz einem scharfen Preis-Wettbewerb unterliegen. Dazu kommt, dass die Kosten für die Flotten mit der Zeit gestiegen sind: Autoproduzenten wie Daimler oder BMW sehen im Carsharing auch einen Einstieg für potenzielle Kunden, die so Fahrzeuge testeten und sich später für ein eigenes entschieden. So hat etwa Car2Go anfangs nur auf Smart-Modelle gesetzt, inzwischen aber auch Varianten der Mercedes A-Klasse, des CLA und GLA im Angebot – teilweise sogar in der AMG-Version mit mehr als 300 PS. DriveNow hat neben diversen BMW-Modellen auch das Elektroauto i3 oder das Mini Cabrio im Angebot.

Die strategische Komponente: Die Autobauer wollen den Mobilitätsmarkt in Deutschland mit einem attraktiven Angebot besetzen, bevor sich US-Start-ups wie Uber oder Lyft etablieren können. Ob Carsharing, bei dem man noch selbst fahren muss, für die Kunden eine echte Alternative zu Taxi-ähnlichen Mitfahrtdiensten ist, muss sich noch zeigen. „Im Wettstreit um die besten Premium-Fahrzeuge bleiben wir Wettbewerber“, sagt BMW-Chef Harald Krüger. „Mit der geplanten Zusammenlegung unserer Mobilitätsdienste setzen wir ein Zeichen in Richtung neue Wettbewerber und bündeln unsere Kräfte.“

Was ändert sich für die Nutzer?

Das bleibt abzuwarten. Da die Autos künftig über eine gemeinsame Internetplattform angeboten werden sollen, dürfte sich wohl nur etwas an der App ändern, über die Kunden die Fahrzeuge finden und buchen können.

Im Idealfall verbessert sich das Angebot für den Kunden: Über die neue Plattform werden dann die Autos beider Anbieter angezeigt, womit sich mehr Auswahl und kürzere Wege ergeben. Offen ist aber, wie sich die Flottengrößen entwickeln: Lassen beide Unternehmen sämtliche Fahrzeuge in den Städten oder werden einige Autos aus der fusionierten Flotte abgezogen? Dazu haben sich Daimler und BMW in der Mitteilung nicht geäußert.

Mit mehr Fahrzeugen wäre es auch möglich, das Geschäftsgebiet in den Städten zu erweitern. Gerade in den Randbezirken von Großstädten war die Auslastung der Fahrzeuge noch geringer als in den Zentren, weshalb Car2Go und DriveNow ihre Geschäftsgebiete in der Vergangenheit teilweise verkleinert hatten. Möglich ist auch, dass die Preise angehoben werden – im Konkurrenzkampf haben die beiden Carsharer an oder unter der Grenze zur Profitabilität gearbeitet.

Was ändert sich für die Städte?

Das ist im Moment ebenfalls nur zu erahnen. Studien haben zwar bereits einen positiven Effekt von Carsharing-Angeboten auf den Innenstadtverkehr belegt, also wäre ein großer, starker Anbieter für eine Stadt wünschenswert. Mit einem ausgeweiteten Geschäftsgebiet oder einer größeren Flotte müsste die Stadt aber auch potenziell mehr kostenlose Parkplätze für die Carsharing-Autos zur Verfügung stellen – womit ihr Einnahmen entgehen würden.

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