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Carsharing Kampf um die besten Stellplätze

Die Autoverleihsysteme boomen. Hersteller und etablierte Anbieter streiten um die besten Parkplätze.

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Car2Go von Daimler startete 2008 in Ulm - und will bis 2016 rund 50 europäische sowie 30 US-Städte vernetzen. Quelle: dpa

Das Angebot ist erst drei Wochen alt, aber schon jetzt „ein großer Erfolg“, freut sich Jörg Gerhardt, Mobilitätsleiter bei Infineon. 600 der 2.900 Mitarbeiter in der Zentrale des Halbleiterproduzenten bei München haben sich für das neue Carsharing-Angebot angemeldet. Vier BMW-Minis und ein BMW X1 stehen zur Miete auf dem Werksgelände. Mitarbeiter können sie dienstlich und privat nutzen. Für beide Zwecke seien die Fahrzeuge bereits gut ausgelastet, so Gerhardt. Steige die Nachfrage, „nehmen wir weitere Fahrzeuge und Standorte in den Pool auf“.

Ein Cabriolet fürs Wochenende

Infineon bietet der Deal mit Alphabet, der Leasingtochter des Autobauers BMW, zwei Vorteile: Die Reisekosten pro Dienstfahrt sollen kräftig sinken, indem Mitarbeiter statt Mietwagen oder Bahn ein Carsharing-Auto buchen. Zudem steigt die Mitarbeitermotivation. Wer keinen eigenen Dienstwagen hat, kann das Mini Cabriolet für 79 Euro übers Wochenende ausleihen.

Das unternehmensinterne Carsharing ist der neueste Trend einer boomenden Branche. Vor zehn Jahren noch wurde Carsharing als Nische für in der Stadt wohnende Ökos belächelt. Heute steigen BMW, Daimler und Volkswagen massiv in den Markt ein und fordern etablierte Anbieter wie Cambio Carsharing, Stadtmobil und Deutsche Bahn heraus. Sie kämpfen um die geschickteste Ausleih-Variante, die Deutungshoheit über das Image der Branche sowie die besten Stellplätze in Städten.

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    Smarts auf Berliner Strassen

    Kaum ein Monat vergeht, ohne dass nicht ein Autokonzern erneut die Phalanx der mehr als 100 etablierten Carsharing-Anbieter in irgendeiner Großstadt angreift, die rund 190.000 registrierten Nutzern in bundesweit mehr als 300 Orten 5.000 Fahrzeuge anbieten. Den jüngsten Angriff wagt Daimler in Berlin. Von April an können die Hauptstädter auf 1.000 Smarts umsteigen. Pro Minute zahlen die Fahrer, die sich einmalig für zehn Euro anmelden, 29 Cent. Der Stundenpreis ist bei 12,90 Euro gedeckelt, wenn der Nutzer unter 20 Kilometer bleibt. Sonst addieren sich auf die 12,90 Euro noch einmal 29 Cent pro gefahrenen Kilometer – inklusive Benzin. Die Stuttgarter starteten Car2Go 2008 in Ulm und sind heute in Düsseldorf, Hamburg und sechs weiteren Städten Europas und den USA präsent. Bis 2016 will Daimler rund 50 europäische und 30 US-Städte vernetzen.

    Konzerne setzen sich ins gemachte Nest

    Das Daimler-Modell beobachten etablierte Anbieter wie Cambio, Stattauto und Stadtmobil mit Spannung. Die unabhängigen Gesellschaften, mitunter als Verein organisiert, haben Carsharing populär gemacht. Nun setzen sich Autokonzerne mit vollen Marketingbudgets ins gemachte Nest. Noch sind die Folgen überschaubar. Bei Cambio in Hamburg sank der Umsatz pro Kunde nur um einen Cent, nachdem dort auch Car2Go startete. Die Auswirkungen seien „zu vernachlässigen“, sagt Cambio-Geschäftsführer Joachim Schwarz.

    Übersicht der Carsharing-Unternehmen in Deutschland (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

    Das Problem mit den Parkplätzen

    Mehr Sorgen bereitet etablierten Anbietern etwas anderes: Car2Go setzt nicht auf feste Stationen, sondern verteilt die Autos quer übers Stadtgebiet. Wer eins braucht, findet es zufällig oder über sein Smartphone. Nach der Fahrt können die Nutzer das Auto auf jedem öffentlichen Parkplatz abstellen. Daimler schloss dafür mit den Städten Generalverträge ab.

    So wird die Parkdauer über GPS-Signale gemessen und am Monatsende minutengenau oder pauschal abgerechnet. Wettbewerber befürchten Subventionen durch die Kommunen. Zumindest 2013, wenn Car2Go Elektro-Smarts in die Flotte aufnimmt, erhofft sich Daimler günstigere Parkgebühren. Als Vorbild gilt Amsterdam, wo Elektroautos auf öffentlicher Fläche umsonst parken.

    Kampf um die Gunst der Kommunen

    Mobilität: Die Top-Metropolen
    Es wird eng fürs AutoWelche Stadt hat einen (guten) Mobilitätsplan? Eine Studie von Arthur D. Little zeigt, in welchen Metropolen man am besten von A nach B kommt - und mit welchem Verkehrsmittel das am schnellsten geht. Exklusiv für die Wirtschaftswoche wurden dem internationalen Vergleich der Top-Mobilitäts-Metropolen ausgewählte deutsche Städte hinzugefügt. In vielen Städten spielt das Auto immernoch eine große Rolle in der Fortbewegung. Selbst bestimmen zu können - unabhängig von jedem Fahrplan - wann man sich auf den Weg macht, ist für viele Städter ein Luxus, den sie nicht missen möchten. Aber das Auto hat nicht nur Vorteile: Abgase verpesten die Luft und höhe Steuern schmälern den Geldbeutel. Und so setzen viele Menschen mittlerweile aufs Rad, auf Bus und Bahn, auf Carsharing - oder auf eine Kombination. Quelle: dpa
    Wuhan: Mit dem Mietfahrrad (fast) überall hinOb das Radfahren in Wuhan immer und bei jedem Wetter Spaß macht, sei dahingestellt. Aber die Stadt bietet sehr gute Voraussetzungen für die Fortbewegung per Pedal: Auf eine Million Einwohner gibt es 6500 Mieträder - keine andere Stadt im Ranking bietet mehr. Außerdem werden an den Stationen Snacks und Getränke verkauft, damit die Radler neue Energie tanken können. Wuhan erreicht 71,8 von 100 erreichbaren Mobilitätspunkten. Quelle: Reuters Stringer Shanghai
    Madrid: Überdurchschnittlich gutMadrid sticht in keiner der untersuchten Kategorien wie z.B. Zufriedenheit mit dem Nahverkehr oder durchschnittlicher Fahrzeit zum Arbeitsplatz hervor. Da es aber in allen Bereichen leicht überdurchschnittliche Werte erreicht, schafft es die Hauptstadt Spaniens mit 71,8 von 100 erreichbaren Punkten unter die Top 20 im internationalen Moblitäts-Ranking. Quelle: Reuters Susana Vera
    Barcelona: Bus, Bahn und Rad beliebtEinen Spitzenplatz belegt die spanische Großstadt in der Kategorie "Marktanteil Öffentlicher Nahverkehr". 530 Kilometer Nahverkehr und Top-Verkehrsleitsystem: Bahn, Bus und Rad kommen auf 84 Prozent Marktanteil. Keine andere Stadt weist eine höheren Wert auf. Insgesamt erreicht Barcelona 72,3 Punkte und damit Platz 13 im Ranking der internationalen Metropolen. Quelle: Reuters Albert Gea
    Hannover: In 20 Minuten zur ArbeitMehr als eine halbe Million Einwohner leben in der Landeshauptstadt Niedersachsens und sie benötigen durchschnittlich nur 20 Minuten zur Arbeit. Zwei Minuten weniger und Hannover hätte den Bestwert in dieser Kategorie erreicht. Auch die Zufriedenheit mit dem Nahverkehr ist bei den Hannoveranern "hoch". Ein gutes Ergebnis mit insgesamt 72,4 von 100 erreichbaren Punkten. Quelle: dpa
    Leipzig: Höchster Anteil öffentlicher VerkehrIn Leipzig fährt man gerne Bus und Bahn. Aber auch, wer lieber selber fährt, muss dafür nicht unbedingt ein Auto kaufen. Der Carsharing-Anteil in Leipzig ist hoch: pro einer Million Einwohner stehen mehr als 200 Carsharing-Autos zur Verfügung. Damit liegt Leipzig im Vergleich der deutschen Großstädte auf Platz 5 von 15. Quelle: dpa
    Stuttgart: Von der Bahn aufs E-BikeNach den Schlagzeilen um Stuttgart 21 punktet die Bahn in Stuttgart mit anderen Arten der Fortbewegung: Sie bietet Mietfahrräder an. Der Clou: Man wird beim Strampeln unterstützt - von einem Elektromotor. Damit ist die schwäbische Landeshauptstadt die einzige Stadt im Vergleich der 15 deutschen Großstädte, in der Bürger auf Miet-Elektro-Velos zurückgreifen können. Für die Mobilitätsstrategie ernten die Schwaben ebenfalls ein "sehr gut". Im Vergleich der deutschen Städte reicht es damit für Platz vier und insgesamt 74,3 Punkte. Quelle: DB Rent GmbH Ralf Braum

    Unter den Anbietern tobt daher schon jetzt ein Kampf um die beste Parkposition. „Es gibt einen Wettbewerb um die Gunst der Kommunen“, sagt Cambio-Chef Schwarz. Das Unternehmen gehört zu den größten Anbietern von Carsharing in Deutschland und würde gerne auch öffentlichen Raum exklusiv anmieten. Doch bislang verbietet das weitestgehend die Straßenverkehrsordnung (StVO).

    Rechtlich auf wackligen Beinen

    Einige Anbieter stoßen daher bereits an Ausdehnungsgrenzen. In einigen Bezirken in Karlsruhe oder München können nur private Bauvorhaben mit zusätzlicher Parkfläche Abhilfe schaffen. „Wir fordern daher eine Gesetzesänderung, die es den Kommunen ermöglicht, für Carsharing reservierte Stellplätze im öffentlichen Raum anzubieten“, sagt Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbands Carsharing (BCS).

    Derzeit würden nur einzelne Städte wie Bremen und Berlin von Sonderregelungen in ihren städtischen Gesetzen Gebrauch machen. Doch damit bewegten sie sich auf rechtlich unsicherem Terrain.

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      Im Ausland klappt's bereits

      Deutschland hinkt damit der Entwicklung im Ausland hinterher. In Belgien entscheiden Kommunen selbstständig über die Zuteilung von öffentlichem Raum für Parkzwecke. In Amsterdam steht das Gros der mehr als 1.000 Carsharing-Autos auf öffentlichen Flächen. Und in London sorgten Bezirke dafür, dass öffentlich ausgeschriebene Parkplätze zu exklusiven Carsharing-Spots umgewidmet wurden.

      Verkehrsmittel der Zukunft
      In der Stadt von Morgen wird es keine festen Wege mehr für Autos, Radfahrer und Fußgänger geben. Alle Verkehrsteilnehmer werden sich künftig flexibel einen Weg durch die Stadt suchen – das glauben zumindest Forscher, die sich mit Städten der Zukunft befassen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
      In den künftigen Megacities muss es gelingen auf gleichem Raum mehr Menschen zu transportieren. Indische Städte wie Delhi und Gurgaon planen Roboter-Taxis einzuführen. Die computergesteuerten Kabinen für vier bis sechs Personen warten an Haltestellen auf ihre Fahrgäste. Per Lasertechnik werden die Kabinen durch die Stadt gelotst, die Haltestellen können dann je nach Bedarf angesteuert werden – getrennt vom restlichen Verkehr. Illustration: Javier Martinez Zarracina
      In Jakarta bringt ein Zug namens Aeromovel die Fahrgäste ohne Lärm und Abgase ans Ziel – angetrieben von Druckluft. Die Erfindung neuer Transportmittel, die ohne Kraftstoff auskommen wird in Zukunft immer wichtiger werden.  Illustration: Javier Martinez Zarracina
      In Medellin befördern seit 2004 Seilbahnen Passagiere umweltfreundlich durch die Stadt. Die ersten europäischen Städte ziehen nun nach. Seilbahnen sollen künftig auch in London und Hamburg sowohl CO2 als auch Platz sparen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
      In São Paulo kommen auf rund 19 Millionen Einwohner etwa sieben Millionen Autos. Städte wie Istanbul, Bogotá oder Santiago de Chile ersetzen Autospuren durch Schnellbuslinien. Auf diesen Bus Rapid Transits rollen Riesenbusse im Minutentakt an allen Staus vorbei. 900 000 Istanbuler nutzen solche Busse bereits Tag für Tag. Weitere 80 Städte wollen nachziehen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
      Nicht nur Menschen müssen zukünftig Platz- und Ressourcen sparend durch die Stadt transportiert werden. Gerade der Schwerlastverkehr mit Lastwagen gehört zu den größten Luftverschmutzern. In Bochum setzt das Unternehmen CargoCap daher auf computergesteuerte Kapseln, die Paletten durch Rohe unter der Erde ans Ziel bringen. Eine oberirdische Teststrecke gibt es in Bochum bereits. Die Kosten für dieses System: geringer als der Bau einer Autobahn. Laut CargoCap kostet eine Röhre mit zwei Fahrsträngen pro Kilometer 6,4 Millionen Euro, ein Kilometer Autobahn in Deutschland das Vielfache. Illustration: Javier Martinez Zarracina
      In Zukunft werden auch platzsparende Autos gefragt sein. Eine Antwort darauf könnte das Hiriko-Citycar geben. Den Elektrozweisitzer entwickelten Forscher am amerikanischen Massachusetts Institute of Technology. Das Auto lässt sich zum Parken einfach zusammenklappen und benötigt nur ein Drittel der Standfläche eines Smarts. Im Jahr 2013 sollen 20 Modelle auf den Markt kommen, so die Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Auch andere Ideen sorgen für Aufsehen… Illustration: Javier Martinez Zarracina

      Konflikt programmiert

      Doch selbst wenn sich der deutsche Gesetzesgeber bewegt, ist der nächste Konflikt programmiert. Denn bei der wachsenden Zahl von Anbietern müssten die Städte bei der Ausschreibung der lukrativsten Standorte einzelne Bewerber bevorzugen. Vor allem die etablierten Anbieter, die im BCS vereint sind, sehen sich wegen ihrer ökologischen Vorreiterrolle für die Stellplätze prädestiniert.

      Ziel des BCS ist die Entlastung des Personenverkehrs auf der Straße: weniger Autos, mehr Kilometer pro Fahrzeug, weniger CO2-Ausstoß. So fand Cambio bei Umfragen heraus, dass 35 Prozent der Nutzer bei der Anmeldung ein Auto besitzen. Nach einem Jahr waren es nur noch acht Prozent. BCS-Chef Loose bezweifelt, ob die flexiblen Angebote wie Car2Go von Daimler oder DriveNow von BMW „gleiche Entlastungswirkung entfalten“.

      Angebote für Geschäftsreisende

      Für die Konzerne ist Carsharing ohnehin eher ein Testballon, wie sie künftig in Industrieländern mit der jungen Generation ins Geschäft kommen wollen. Junge Erwachsene verzichten zunehmend auf das eigene Auto, weil ihnen digitale Kommunikation via Smartphone wichtiger erscheint als mobile Freiheit via Auto.

      Und bei Großkunden verspricht die BMW-Tochter Alphabet, dass Firmen mit dem Carsharing-Modell Reisekosten einsparen – aber nicht durch weniger Fahrten, sondern durch bessere Auslastung. Damit etwa Münchner Unternehmen teure Taxifahrten zum weit entfernten Flughafen vermeiden können, will Alphabet am Terminal bald eigene Parkzonen anmieten. So kann ein Manager, der zu einer mehrtägigen Dienstreise aufbricht, das Carsharing-Auto dort abstellen. Abends steigt ein Kollege ein, der von einem Trip zurückkehrt.

      Auto



      „Wir wollen bis Ende des Jahres bis zu 15 Unternehmenskunden für Corporate Carsharing gewinnen“, sagt Alphabet-Chef Marco Lessacher. Noch im März startet das Modell auch in Frankreich und England.

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