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Chefwechsel Opels Tag der Entscheidung

General Motors will schnellstmöglich den neuen Opel-Chef präsentieren. Am Dienstag soll spätestens die Entscheidung fallen.

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Opels Managerverschleiß auf dem Chefposten
Michael Lohscheller Quelle: Opel
Karl-Thomas Neumann Quelle: obs
Thomas Sedran Quelle: dpa
Stephen Girsky Quelle: dpa
Karl-Friedrich Stracke Quelle: dpa
Nick Reilly Quelle: REUTERS
Hans Demant Quelle: AP

General Motors kann es nicht schnell genug gehen. Kaum hat GM-Boss Dan Akerson den deutschen Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke wegen anhaltend schlechter Absatzzahlen und einem Fehlbetrag im Sanierungsplan in dreistelliger Millionenhöhe geschasst und Stephen Girsky zum Interimschef bestimmt, soll am Dienstag ein neuer Opel-Chef folgen. Es wäre der 20te seit 1948 und - zählt man Girsky als den wohl am kürzesten amtierenden Opel-Vorstandsvorsitzenden aller Zeiten mit - der sechste innerhalb eines Jahrzehnts.

Für die Opelaner wird der Dienstag ein Tag der Entscheidung. Kommt mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden ein knallharter Sanierer? Ein Manager, der den Blick stets streng gen USA richtet? Werden die Werke Bochum und Rüsselsheim nun doch schneller als von Stracke versprochen dicht gemacht? Stracke hatte sich mit Arbeitnehmern darauf verständigt, bis 2016 auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Arbeitnehmervertreter bestehen darauf, dass diese Beschäftigungsgarantie eingehalten wird.

Opel-Mitarbeiter bangen erneut um ihre Zukunft

Der vereinbarte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2016 sei nicht mit Stracke ausgehandelt worden, sagte der Betriebsratschef des Werks Bochum, Rainer Einenkel, dem Magazin „Focus“. „Das wurde am 12. Juni im Verwaltungsrat von General Motors in Detroit diskutiert“, sagte Einenkel. Als Gegenleistung für die Job-Garantie sollen die Opel-Mitarbeiter ihrerseits Beiträge zur Sanierung leisten. Bis Oktober gewähren sie dem Unternehmen Aufschub bei der Tariferhöhung.

Daneben stehe nach Berichten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auch die Fertigung in Eisenach mit 1700 Beschäftigten auf der Kippe. Der dort produzierte Kleinwagen Corsa könne langfristig ausschließlich im spanischen Saragossa vom Band laufen. Um Opel wieder nach vorne zu bringen, soll die Produktion zwischen den sechs europäischen Pkw-Werken von Opel neu verteilt werden. Das Management verhandelt derzeit noch mit den Arbeitnehmern über die Auslastung der einzelnen Fabriken.

Mokka kommt nach Saragossa
Zaragoza Quelle: REUTERS
Bochum Quelle: dpa
Rüsselsheim Quelle: dpa
Eisenach Quelle: AP
Kaiserslautern Quelle: dpa
Ellesmere Quelle: dpa
Luton Quelle: dpa

IG-Metall-Chef Berthold Huber warnte GM davor, die Vereinbarungen mit der Arbeitnehmerseite einseitig zu brechen. „Wir gehen davon aus, dass GM die Verträge einhält. Dass die Garantien für die Werke und die Arbeitsplätze bis Ende 2016 weiter gelten."

"Jeder Einzelne ist verantwortlich"

Girsky kündigte eine Fortsetzung des Sanierungskurses an. „Ich möchte Ihnen versichern, dass wir unsere dringenden Arbeiten zur Wiederherstellung einer nachhaltigen Profitabilität bei Opel/Vauxhall und GM in Europa ohne Unterbrechung fortsetzen werden“, schrieb der Interimschef laut „Bild“-Zeitung in einer E-Mail an die Mitarbeiter. Zugleich bereitete der GM-Vorstand die Beschäftigten auf weitreichende Änderungen vor. „Unsere erfolgreiche Revitalisierung erfordert von uns allen die Bereitschaft, das Geschäft anders zu machen als bisher und dabei schnell zu handeln. Jeder Einzelne von uns ist verantwortlich für die Ergebnisse“, heißt es demnach in der Rundmail.

Nur erwarten die übriggebliebenen 20.000 Opel-Beschäftigten an den vier deutschen Standorten in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern mit Spannung und Sorge die Sitzung des Aufsichtsrats. Als Stracke-Nachfolger sind zwei Opel-Vorstände im Gespräch.

Die Kandidaten Sedran, Thom und Girsky


Auto



Heißester Kandidat ist Strategievorstand Thomas Sedran. Der frühere Unternehmensberater ist erst seit April Vorstandsmitglied, kennt die Adam Opel AG aber aus seiner früheren Job bei Beratungsunternehmen Alixpartners sehr gut. „Sedran wird von allen Seiten akzeptiert“, betonte ein Insider am Montag. Auch die Opel-Händler haben ihre Unterstützung signalisiert.

Wenig Chancen werden dem Vernehmen nach Opel-Produktionsvorstand Peter Thom eingeräumt. Der Engländer, der zu Jahresbeginn mit Sparplänen von Werk zu Werk reiste, dürfte für die Arbeitnehmer nicht tragbar sein. Sie warfen ihm seinerzeit vor, die Standorte gegeneinander ausspielen zu wollen. Stephen Girsky räumen Beobachter wenig Chancen ein vom kurz- und langfristigem Interimschef aufzusteigen. Betriebsrat Einenkel setzt dagegen große Hoffnungen in Girsky als dauerhafter Stracke-Nachfolger. Der GM-Manager habe sich in der Vergangenheit „immer für Opel stark gemacht“, etwa als es darum gegangen sei, die GM-Tochter zu verkaufen. „Ich gehe davon aus, dass er daran festhält“, sagte Einenkel im Deutschlandfunk.

Neuer Chef wieder nur eine Zwischenlösung?

Beobachter erwarten, dass die US-Mutter General Motors bei der defizitären deutschen Tochter einen Nachfolger einsetzen wird, der härter durchgreift als Stracke. Für wie lange der neue Vorstandsvorsitzende im Amt bleiben soll, ist noch offen. Wie das Handelsblatt am Montag berichtet, soll es sich beim neuen Vorstandschef wiederum nur um einen kommissarisch bestellten Manager handeln. Die amerikanische Konzernmutter General Motors wolle sich bei der Suche nach einer Dauerlösung bis Endes des Jahres Zeit lassen.

Die Amerikaner wechseln die Opel-Manager seit einem Jahrzehnt im Jahresrhythmus aus. Genutzt hat es der Marke nicht. Im Gegenteil. Experten sehen die ständigen Negativnachrichten und Personalwechsel als einen der Hauptgründe für das ramponierte Opel-Image.

Am Wochenende schmiss auch noch Opels Chef-Lobbyist Volker Hoff hin. Hoff, früherer hessischer CDU-Minister, war für die Regierungsbeziehungen zuständig. Opel-Sprecher Harald Hamprecht: „Wir haben unterschiedliche Auffassungen über die Art und Weise, wie mit Regierungen und Verbänden kommuniziert wird.“ Deshalb habe man sich im gegenseitigen Einvernehmen getrennt. Sein Weggang habe aber nichts mit dem Abgang Strackes zu tun.

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