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China Audi will Händlernetz verdoppeln

Der China-Chef von Audi will dort schneller wachsen als der Markt und in wenigen Wochen einen landesspezifischen A6 anbieten.

Eine Frau arbeitet in der im Jahr 2009 von Audi eröffneten Montagehalle im chinesischen Changchun Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Voggenreiter, der Pkw-Absatz hat sich in China zuletzt stark verlangsamt. Wie entwickelt sich Audi dort?

Voggenreiter: Wir gehen davon aus, dass der Pkw-Markt in China in diesem Jahr um acht bis zehn Prozent zulegen wird. Wir sind sicher, dass wir schneller wachsen werden, vor allem weil das Premiumsegment in China stärker zulegt als der Gesamtmarkt.

Die jüngsten Zahlen aus China schrecken Sie nicht? Im Januar sind die Pkw-Verkäufe im Vergleich zum Vormonat kräftig geschrumpft.

Audi hatte einen tollen Januar, obwohl das chinesische Neujahrsfest in den Monat fiel. Wir haben unseren Absatz um 23 Prozent gesteigert.

2011 wuchs Audi in China um 37 Prozent. Schaffen Sie das 2012 auch?

Wir werden in diesem Jahr in China mit einer zweistelligen Rate wachsen.

Wie sich VW, BMW und Mercedes in China schlagen
Der größte Automarkt der WeltMit mehr als 18 Millionen neuen Pkw alleine im Jahr 2014 ist China der größte Automarkt der Welt. Fast ein Viertel aller Neuwagen weltweit werden hier verkauft. Dabei kommen auf 1000 Chinesen erst 61 Autos. In Deutschland sind es 540 auf 1000 Einwohner. Bei 1,3 Milliarden Chinesen ist das Potenzial noch riesig. Allerdings verlangsamt sich das Wachstum zusehends. Der chinesische Branchenverband geht für 2015 nur noch von drei statt sieben Prozent Wachstum aus. Auch der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) erwartet, dass sich die Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten und die Abkühlung der Konjunktur auf den Automarkt auswirken. "China schaltet einen Gang zurück. Für das gesamte Jahr rechnen wir nun mit einem Plus von maximal vier Prozent", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann dem "Focus". Bisher war der VDA von sechs Prozent ausgegangen. Was das für die deutschen Hersteller bedeutet, sehen Sie in dieser Übersicht. Quelle: dpa
Volkswagen PkwFür die Wolfsburger ist China mit Abstand der wichtigste Markt. 2014 konnten die Wolfsburger 2,76 Millionen Autos im Reich der Mitte verkaufen – genau 35 Prozent aller Autos mit VW-Emblem. Im ersten Halbjahr 2015 setzte VW nur 1,3 Millionen Fahrzeuge ab (-6,7 Prozent). Wegen der schwachen ersten sechs Monate hat die Volkswagen AG ihre Absatzprognose für das gesamte Jahr gesenkt. Bisher war man von "moderatem Wachstum" ausgegangen, jetzt spricht das VW-Management nur noch von einer Zahl "auf dem Niveau des Vorjahres". Quelle: dpa
Noch große PläneTrotz sinkender Kaufleute möchte der Volkswagenkonzern seine Produktionskapazitäten weiter aufstocken. Bis 2019 sollen 22 Milliarden Euro in den Aufbau neuer und verbesserter Werke fließen. Der Absatz soll auf fünf Millionen Fahrzeuge steigen, 30.000 neue Jobs entstehen – dann hätte VW in China über 100.000 Mitarbeiter. Aktuell betreibt VW gemeinsam mit seinen Joint-Venture-Partnern FAW und SAIC 18 Werke in China – in acht rollen fertige Autos vom Band, die anderen stellen Bauteile her. Auf einer China-Reise mit Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 kündigte VW-Chef Martin Winterkorn an, in China zwei weitere Standorte eröffnen zu wollen. Quelle: dpa
AudiDie VW-Premiumtochter verkaufte 2014 genau 578.900 (+18 Prozent) Fahrzeuge in China. Mit "nur" 274.000 verkauften Audis nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres (+2 Prozent) sieht es für die geplanten 600.000 Verkäufe bis Jahresende schlecht aus. Chinesischen Medien schreiben, Audi habe das Ziel auf das Vorjahresniveau gesenkt, davon berichteten Händler. Seinen rund 400 chinesischen Vertragspartnern hat Audi Ausgleichszahlungen in Höhe von insgesamt 193 Millionen Dollar zugesagt. Wegen der schwachen Nachfrage in China hat Audi hat seine weltweiten Absatzziele für 2015 zurückgeschraubt. Statt einem Plus zwischen fünf und 9,9 Prozent rechnet Audi nur noch mit drei bis vier Prozent. Anfang des Jahres glaubte Audi-Chef Rupert Stadler noch an ein Wachstum von acht bis neun Prozent. Quelle: AP
BMWDie Bayern verkauften im vergangenen Jahr 456.000 Autos in China (+17 Prozent) – ein Fünftel aller weltweit verkauften BMW. Nach dem ersten Halbjahr 2015 ist die große Euphorie verflogen. Nur 230.000 Autos (+2,5 Prozent) schlugen die Händler los. Wegen des schwächeren Geschäfts soll BMW den rund 440 Betrieben eine Kompensation von 685 Millionen Euro zahlen. BMW kommentiert die Zahl nicht. Quelle: dpa
Trotz der "neuen Normalität", wie der ehemalige BMW-Chef Norbert Reithofer das abgeschwächte Wachstum nannte, die Pläne sind längst gemacht. Die Bayern produzieren künftig sechs statt drei Modelle für den lokalen Markt. Die Kapazitäten im Werk Shenyang wachsen um 100.000 auf 400.000 Autos jährlich. Bisher machen die in China gefertigten Pkw knapp 13 Prozent der weltweiten BMW-Produktion aus, 14.000 Mitarbeiter in China sind daran beteiligt. Erst kürzlich hat der Münchener Premiumhersteller die Kooperation mit Joint-Venture-Partner Brilliance bis 2028 verlängert. Der wiederrum hat am 13. Juli 2015 eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Für das erste Halbjahr sei ein Einbruch von 40 Prozent zu erwarten. BMW legt am 4. August seine Halbjahresbilanz vor. Quelle: REUTERS
MercedesBei den Schwaben gingen im vergangenen Jahr 281.588 Autos (+29 Prozent) ins Reich der Mitte und damit 15 Prozent aller Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr fuhren in China 165.000 Autos mit Stern vom Hof – ein Plus von fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein fantastisches Ergebnis für Mercedes und seinen China-Chef Hubert Troska (im Bild). Die Stuttgarter punkten mit ihrer neuen Modellpalette und profitieren von der Umorganisation ihres Vertriebs. Quelle: REUTERS

Welche Modelle führen Sie in China neu ein?

In wenigen Wochen bringen wir den neuen A6 in der Langversion auf den Markt. Wir haben sehr viel China spezifisches in den Wagen hineinentwickelt. Im Fond wird der Wagen zum Beispiel Massagesitze haben. In der Mittelarmlehne wird es eine Fernbedienung geben. Das Auto wird in China in Leichtbauweise gefertigt. Da sind wir die Ersten im Land. Wir werden außerdem den Q3 demnächst in China bauen.

Sie betonen die lokale Fertigung in China. Allerdings wird das Importgeschäft für Audi in China immer wichtiger.

Das ist richtig. Die Audi-Importe sind in China im letzten Jahr um 89 Prozent gestiegen. Unser Importanteil liegt damit bei etwa 20 Prozent. Und der Anteil wird weiter zunehmen, weil wir neue Modelle bringen werden.

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Chinas Regierung sieht den steigenden Importanteil aber nicht so gerne.

Bei uns ist die Balance immer noch sehr gesund. Ein Verhältnis von 80 Prozent lokaler Fertigung und 20 Prozent Import stört die Regierung nicht.

Verschlechtern sich die Rahmenbedingungen für ausländische Anbieter in China?

Ich nehme das nicht wahr. Sicherlich, China will die Subventionen für die Autobranche kürzen. Außerdem sollen die Behörden nur noch lokale Marken als Dienstwagen anschaffen dürfen. Aber es ist doch normal, dass, wenn sich ein Land nicht mehr in einer solchen Boomphase befindet, der Staat die Subventionen reduziert. Das würden wir im Westen doch ähnlich steuern. Das Geschäft mit den Dienstwagen für die Regierung ist für Audi nicht mehr bedeutend. Das war vor zwölf Jahren mit dem ersten A6 noch anders.

Wie viel investieren Sie in China?

Zusammen mit unseren chinesischen Partnern wollen wir in China in den nächsten fünf Jahren drei Milliarden Euro investieren. Ein Teil davon entfällt auf unsere neue Fabrik im südchinesischen Foshan.

Wie wächst Ihr Händlernetz dort?

Wir haben derzeit 200 Händler. Wir wollen das Netz in den nächsten zwei Jahren auf 400 erweitern, vor allem in den sogenannten Städten zweiten Ranges, die aber auch Millionenstädte sind.

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