Commerzbank-Branchenbericht Autozulieferer stehen vor Konsolidierungswelle

Strengere Emissions-Vorschriften und die Digitalisierung in allen Bereichen des Autos prägen die Branche – und verlangen von den Firmen hohe Investitionen. Doch die kann nicht jeder leisten – zumindest nicht allein.

Die größten Auto-Zulieferer der Welt
Faurecia Quelle: Presse
Platz 9: Michelin (Frankreich)Umsatz 2016: 20,907 Milliarden Euro Umsatz 2015: 21,199 Milliarden Euro Veränderung: -1,4 Prozent Hauptprodukte: Reifen Michelin ist der zweitgrößte Reifenhersteller Europas. In dem Ranking der Beratungsgesellschaft Berylls zählt nur der Umsatz aus dem Geschäft mit Autoteilen – im Falle von Michelin bleiben also die Umsätze mit Straßenkarten sowie den Hotel- und Restaurantführern außen vor. Quelle: REUTERS
Bridgestone-Firestone Quelle: AP
Platz 7: Aisin (Japan)Umsatz 2016: 27,977 Milliarden Euro Umsatz 2015: 24,133 Milliarden Euro Veränderung: +15,9 Prozent Hauptprodukte: Getriebe, Bremssysteme, Karosserie- und Motorenteile Aisin gehört zum Teil zu Toyota, die restlichen Anteile liegen aber auch in den Händen japanischer Unternehmen und Banken. Neben manuellen und Automatikgetrieben stellt Aisin vor allem Bremsen und Navigationssysteme her. Quelle: PR
Platz 6: Hyundai Mobis (Südkorea)Umsatz 2016: 30,227 Milliarden Euro Umsatz 2015: 28,096 Milliarden Euro Veränderung: +7,6 Prozent Hauptprodukte: Cockpit-, Frontend- und Chassismodule Mobis gehört zum koreanischen Autobauer Hyundai. Mobis beliefert aber nicht nur die Konzernmarken Hyundai und Kia, sondern arbeitet auch mit anderen Autobauern zusammen. Quelle: PR
ZF Friedrichshafen Quelle: dpa
Magna Quelle: dpa

Die Autozulieferer stehen vor einer Übernahmewelle. Die Konsolidierung werde weltweit an Dynamik gewinnen, schreibt die Commerzbank in ihrem aktuellen Branchenbericht. Der „Branchenbericht Autozulieferer“ wurde innerhalb der Commerzbank für institutionelle Kunden und Firmenkundenbetreuer im März 2016 erstellt und jetzt vorgestellt. Megatrends wie strengere Emissions-Vorschriften und die Digitalisierung verlangen nicht nur von Autobauern sondern auch von Zulieferern hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung.

„Nicht jeder Zulieferer verfügt über die notwendigen finanziellen oder personellen Ressourcen“, sagt Edith Weymayr, Bereichsvorständin Commerzbank-Mittelstandsbank. „Besonders für kleine und mittlere Unternehmen sind der Aufbau von Netzwerken sowie das Eingehen von Kooperationen enorm wichtig. So können Synergien realisiert, Kosten gespart, und Risiken minimiert werden.“

Das werde aber nicht für jedes Unternehmen beziehungsweise Geschäftsmodell möglich sein. In letzter Konsequenz bedeute dies eine Konsolidierung des Marktes. Für 2016 erwartet die Commerzbank für die Autozuliefererbranche in Deutschland eine moderate Steigerung der Produktion von zwei Prozent, weltweit von vier Prozent.

Die weltweit größten Autozulieferer

Um in den nächsten Jahren mit den Anforderungen der Autobauer Schritt halten zu können, sind laut der Commerzbank hohe Investitionen in Technologien die Folge. Dazu kommt, dass derzeit viele Antriebsarten – Benziner, Diesel, Hybride, batterieelektrische Fahrzeuge und Brennstoffzellenautos – parallel entwickelt werden müssen.

Hoher Druck zur Emissionsreduktion

„Starke Klimaveränderungen, die Beschlüsse des Pariser Weltklimagipfels, Luftverschmutzungen wie in Peking, und nicht zuletzt der Dieselskandal werden den Druck zur Emissionsreduktion nochmals erhöhen“, sagt Thomas Gronemeier, Analyst für die Automobilindustrie und Co-Autor der Studie. Die beiden Megatrends CO2-Reduktion und Digitalisierung werde es jedoch nicht kostenlos geben. „Daher stellt sich die Frage, wofür der Autokäufer im Jahre 2020 sein Geld investieren wird.“

Dann steht zumindest bei den kleineren Fahrzeugklassen zur Debatte, ob es noch einen Dieselmotor geben wird. Die Bau- und Entwicklungskosten werden mit der aufwändigeren Technologie zur Abgasreinigung so weit steigen, dass sich der Diesel bei preiswerteren Autos nicht mehr rechnet. Dagegen sei der Diesel für größere und schwerere Autos im Hinblick auf die CO2-Reduktion in der EU vorerst kaum verzichtbar, so die Studie.

Der Anteil der Elektroautos wird sich laut den Commerzbank-Experten bis 2020 deutlich erhöhen. „Einen signifikanten Markt für reine Elektroautos sehe ich aber nicht vor 2025“, so Co-Autor Olaf Labitzke. Dann erst trügen verbesserte und günstigere Batteriesysteme sowie der Ausbau des Ladestationen-Netzes positiv zum Absatz bei.

Traditionelle Zulieferer punkten bei Messsystemen

Neben reinen Elektroautos (EV) im stadtnahen Bereich werden Hybride vorerst die realistischste Alternative sein. Für die nächsten Jahre sei dies ein positives Szenario für die Zulieferer, weil so Geschäftspotenzial hinzukommt, anstatt dass Teile ersetzt werden oder ganz wegfallen.

Zum Teil kompensiert werden könnten die wegfallenden klassischen Geschäftsmodelle durch neue Angebote im Bereich der Telematik und Kommunikation – zumindest bei den großen Systemanbietern, die sich die Investitionen leisten können. Bei allen Daten, die das Auto und die internen Messsysteme selbst betreffen, dürften die traditionellen Zulieferer weiterhin führend sein.



Anders sehe es bei den Kommunikationssystemen aus, bei denen der Datenaustausch mit der Umgebung des Autos sowie mit den Smartphones der Fahrer im Vordergrund steht. Dieses Spielfeld liegt bei den neuen Playern aus der Kommunikationsindustrie, wie zum Beispiel Apple, Google & Co. Deren breite Kundenbasis und weltweit integrierte Softwareprogramme werden zu einer starken Stellung auch im Auto führen, sind sich die Experten sicher.

Die Autobauer und ihre Zulieferer, die nicht nur am Auto- oder Teileverkauf, sondern auch an Services rund ums Auto verdienen wollen, sind also gefordert – und diejenigen mit großen Entwicklungs-Etats klar im Vorteil.

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