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Connected Car auf der IAA Daten statt Diesel

Die IAA will zur Leitmesse für das vernetzte Fahren werden. Die Autobauer arbeiten mit Hochdruck an neuen Funktionen und Geschäftsmodellen rund um das Connected Car – doch die Kunden müssen sie erst noch überzeugen.

Connected Car IAA Quelle: Daimler

Wenn am Samstag die Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt ihre Pforten für die Besucher öffnet, fahren die Hersteller alles auf, was sie gerade bieten können. In den knapp zwei Wochen werden fast eine Millionen Auto-Fans die neuesten Modelle aus Blech, Alu und neuerdings Carbon begutachten.

Unter dem Motto „Mobilität verbindet“ legt die 66. IAA das Hauptaugenmerk auf „den Megatrend des vernetzten und automatisierten Fahrens“, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) betont. Doch das ist nur schwer in ein spektakuläres Showcar zu packen – ob ein Auto mit dem Internet verbunden ist, sieht man ihm einfach nicht an.

Diese Autos müssen Sie auf der Automesse gesehen haben
Mercedes concept IAA – Festhalle Quelle: REUTERS
Bugatti Vision concept – Halle 3.0 Quelle: REUTERS
Porsche Mission E – Halle 3.0 Quelle: REUTERS
VW Tiguan – Halle 3.0 Quelle: dpa
Audi e-tron quattro concept – Agora Quelle: REUTERS
Thunder Power – Halle 5.0 Quelle: REUTERS
Opel Astra – Halle 8.0 Quelle: AP

Deshalb helfen die Autobosse rhetorisch nach. „Unsere Branche und damit auch Volkswagen befinden sich mitten in einer digitalen Revolution“, sagt etwa VW-Boss Martin Winterkorn am Rande der Messe. „Bis 2020 machen wir jedes unserer neuen Autos zum rollenden Smartphone.“ Bei Daimler hört sich das so an: „Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die vollständige Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette – von Forschung und Entwicklung über die Produktion bis hin zum Vertrieb“, sagt Mercedes-Chef Dieter Zetsche. „Diese digitale Transformation ist bei uns in vollem Gange. Mercedes-Benz wandelt sich vom Automobilhersteller zum vernetzten Mobilitätsanbieter.“

Vier von fünf Neuwagen werden 2017 einen Internetzugang haben

Egal wem man in Frankfurt zuhört: Wie vor wenigen Jahren das Elektroauto wird heute das vernetzte Fahren als der große Zukunftstrend gepriesen. Der VDA geht etwa davon aus, dass bereits 2017 vier von fünf Neuwagen einen Internetanschluss haben werden – und die Industrie bis dahin 18 Milliarden Euro in die Entwicklung investiert. Wer noch nicht dabei ist, will schnell nachziehen – wie zum Beispiel Opel. „Wir suchen schon nach Kooperationspartnern für neue Dienste“, sagt Firmenchef Karl-Thomas Neumann im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Ich bin sicher: Das vernetzte Auto schafft die Basis für viele neue Geschäftsmodelle.“

Die Technik-Trends der IAA 2015

Vorbild sei der amerikanische Mutterkonzern General Motors (GM) und dessen Mobilitäts- und Serviceassistent Onstar, den es auch im neuen Opel Astra geben wird. GM kooperiert von 2016 an mit einer US-Pizzakette, bei der die Fahrer über Onstar aus dem Auto heraus online eine Pizza bestellen können, und kassiert dafür eine Provision. Ähnliche Geschäftsmodelle, so der Opel-Chef, könne er sich „auch in Deutschland und Europa sehr gut vorstellen“.

Auch Peter Virk entwickelt Geschäftsmodelle rund um das digitalisierte Auto, allerdings für Jaguar Land Rover. Für den Leiter „Connected Technologies & Apps Infotainment” bei dem britischen Autobauer steht vor allem ein Gegenstand im Mittelpunkt: „Kein Gerät ist personalisierter als das Smartphone. Jeder hat seine Musik, Apps oder Streamingdienste mit seinem Account auf dem Smartphone registriert“, sagt Virk. „So wird das Smartphone zum Schlüssel für ein personalisiertes Erlebnis im Auto. Und wenn wir das Gerät mit dem System des Autos verbinden, erzielen wir einen neuen Nutzen.“

Ein Beispiel: Eine App für die Wettervorhersage braucht in einem Auto niemand – er kann einfach aus dem Fenster schauen. Wird die Wetter-App aber mit den Navi-Daten kombiniert, weiß der Fahrer, ob es an seinem Zielort zu seiner Ankunftszeit regnet oder die Sonne scheint.

Geht es nach Virk, kommen solche Dienste deutlich schneller, als wir uns bislang vorstellen können. Sowohl bei den Funktionen, als auch bei der Rechnerleistung: Die aktuelle Generation der Modelle von Jaguar und Land Rover kommt auf die doppelte Rechnerleistung einer Boeing 777. „Die Industrie um das vernetzte Auto ist gerade erst am Entstehen. Wir sind an einem Punkt, an dem die Smartphone-Industrie vor wenigen Jahren war“, sagt der Jaguar-Entwickler. „Selbst 2005 konnte sich kaum jemand vorstellen, mit welchen Geräten wir heute wie selbstverständlich umgehen. In diesem Tempo wird auch der Markt für ein Connected Car wachsen.“

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