Continental-Pläne Warum Zulieferer über eine Aufspaltung nachdenken

Autonomes Fahren auf der IAA Quelle: dpa

Der Autozulieferer Continental denkt über seine Aufspaltung nach. Damit liegt Conti voll im Branchentrend. Doch wo liegen die Vor- und Nachteile? Und warum will Continental überhaupt an der Konzernstruktur rütteln?

"Wir schauen uns die Organisation von Continental in der Summe an." Im nächsten halben Jahr will der Autouzulieferer nach den Worten von Finanzvorstand Wolfgang Schäfer eine neue Konzernstruktur prüfen. "Wir bestätigen, dass wir uns in einem frühen Analysestadium befinden, Szenarien durchzuspielen, um unsere Organisation noch flexibler auf die Herausforderungen in der Automobilindustrie auszurichten."

Continental will offenbar keine Zeit verlieren, laut Schäfer spreche der Konzern bereits mit Banken und "anderen relevanten Gruppen". Die Nachrichtenagentur Reuters will von einem Insider erfahren haben, dass das Conti-Management zusammen mit Beratern mehrere Szenarien durchspiele. Ob sich daraus Änderungen ergäben, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig offen.

Warum macht Continental das?

Die Autobranche steckt in einem riesigen Wandel, gleich mehrere Themen beschäftigen die Unternehmen: Elektromobilität, Sharing, autonomes Fahren und Vernetzung. Daraus ergeben sich seitens der Autobauer andere Nachfragen an die Zulieferer, aber auch Geschäftsmodelle ändern sich. Hier will der Continental-Vorstand prüfen, ob der Konzern flexibel genug aufgestellt sei, so Schäfer.

Dazu kommt: Der Kostendruck auf die Zulieferer steigt, Autobauer verhandeln in Zeiten von Spar- und Effizienzprogrammen zunehmend härter. Branchengrößen wie Bosch, ZF und eben Continental können sich dem aufgrund ihrer Marktmacht teilweise noch entziehen – offen ist aber, wie lange noch. Deshalb muss auch hier flexibel und effizient gearbeitet werden. Während bei Sensoren und Software für das autonome Fahren Synergien auf der Hand liegen, sieht das etwa bei Motorkomponenten, Dämmmaterialien oder Reifen anders aus.

Darauf hat Continental bereits reagiert: Der Dax-Konzern hatte bereits vor einem Jahr eine Neuausrichtung des Geschäftsfelds Powertrain eingeleitet. Weil mit immer weniger Nachfrage nach Neuentwicklungen in Mechanik und Hydraulik gerechnet wird, sollen die Investitionen schrittweise zurückgefahren werden. Zugleich soll mehr Geld in Elektroantriebe fließen. An der Technologie für Verbrennungsmotoren halten die Niedersachsen vorerst fest.

Wie ist Continental heute organisiert?

Die Continental AG besteht aus vier Sparten: Neben "Personal, Arbeitsdirektorin, Nachhaltigkeit" und "Finanzen, Controlling, Compliance, Recht und IT" sind das vor allem die "Automotive Group" und die "Rubber Group". Letztere beschäftigt sich mit Reifen für Autos, Nutzfahrzeuge und Zweiräder, aber auch im Bereich "ContiTech" mit Luftfederung für Autos, Kunststoffen und Materialforschung. Die "Automotive Group" ist in die drei Divisionen "Chassis & Safety", "Interior" und "Powertrain" aufgeteilt.

Werden bereits konkrete Modelle diskutiert?

Ja. Laut des von Reuters zitierten Insiders liegen dem Vorstand Vorschläge von Experten für eine Neustrukturierung vor. Zu den Optionen gehört offenbar auch eine neue Holding. Ob es bereits eine Tendenz gibt, ist aber nicht bekannt.

Was spricht dagegen?

Continental hat bereits seit vielen Jahren unterschiedlichste Sparten unter einem Dach geführt und das recht erfolgreich. Statt den kompletten Konzern aufzuspalten könnte auch der (Teil-)Verkauf einzelner Bereiche ein Thema werden – wie Konkurrent Bosch es zum Beispiel mit der Sparte Starter und Generatoren vorgemacht hat, die unter neuem chinesischen Eigentümer im Januar 2018 an den Start gegangen ist. Oder auch etwas mehr organisatorische Freiheiten für den ein oder anderen Geschäftsbereich.

Zudem könnte – je nach Ausgestaltung möglicher neuer Teilunternehmen – ein Teil des Geschäfts von Investoren als unattraktive "Bad Bank" empfunden werden.

Was macht der Rest der Branche?

Die Wettbewerber schauen sicher interessiert nach Niedersachsen. Denn mit den Überlegungen liegt Conti voll im Trend. Die Zulieferer Delphi und Autoliv haben sich in jeweils zwei Teile gespalten. Bei Delphi erfolgte erst im Dezember die Trennung in Delphi Technology (Antriebe, auch Elektromotoren) und Aptiv (Vernetzung und autonomes Fahren). Auch Daimler will durch eine neue Holding-Struktur beweglicher werden und so besser auf die unterschiedlichen Trends in den Geschäften mit Autos, Nutzfahrzeugen, Vans und Dienstleistungen reagieren zu können.

Auch Bosch hat wie erwähnt sein Portfolio bereinigt. Der Konzern unter Führung von Volkmar Denner setzt verstärkt auf Themen wie Fahrassistenzsysteme, Connectivity und autonomes Fahren. Die klassische Anlasser-Sparte hatte da keinen Platz mehr – nach der Abwägung verschiedener Optionen stand am Ende der Verkauf.

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