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Daimler AG Daimler ist endgültig im Abgas-Sumpf angekommen

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Der OM651 war die Allzweckwaffe, ein „Wundermotor“

In welchen Modellen wurde der OM642 eingebaut?

Das Problem für Daimler: Der OM642 ist der Standard-Sechszylinder-Diesel im Konzern. Er wurde über seine Bauzeit in elf Pkw-Baureihen und zwei Vans eingesetzt. Darunter sind große SUV für den US-Markt (unter anderem die G-Klasse, der ML (heute in GLE umbenannt), GL, oder das inzwischen eingestellte Crossover R-Klasse), aber auch die bekannten Modelle der C-, E- und S-Klasse. Die eingesetzten Varianten leisten zwischen 184 und 265 PS. Als Verkaufsbezeichnung dienten je nach Jahrgang und Leistungsstufe die Zahlen 280, 300, 320 und 350, gepaart mit dem Kürzel CDI (bis 2012) oder BlueTEC. Seit 2015 werden die Dieselmotoren bei Daimler nur noch mit einem „d“ beworben.

In welchen Modellen wurde der OM651 eingebaut?

Der OM651 wurde bei seiner Premiere im Jahr 2008 als „Wundermotor“ gepriesen. Der Hightech-Vierzylinder wurde die Allzweckwaffe bei Daimler – und von der A- bis zur S-Klasse in zwölf Pkw-Baureihen und drei Van-Modellen eingesetzt. Zunächst kam der Motor nur in der Variante mit 2,143 Litern Hubraum auf den Markt, später wurden für die A-Klasse, B-Klasse, CLA und GLA eine Version mit 1,796 Litern Hubraum nachgereicht. Der OM651 deckt damit das Leistungsspektrum von 109 PS im A 180 CDI bis zu 204 PS (unter anderem im SUV-Bestseller GLC 250d) ab. Der OM651 ist der Motor mit der höchsten Stückzahl in der Markengeschichte.

Inzwischen wird der OM651 schrittweise durch den 2016 vorgestellten OM654 ersetzt. Der OM654, der in der neuen E-Klasse zum Einsatz kommt, hat in einem Test der Deutschen Umwelthilfe sogar im Straßentest die Stickoxid-Grenzwerte von 80 Milligramm pro Kilometer eingehalten.

Wie viele der betroffenen Motoren wurden verkauft?

Da es sich um einen langen Zeitraum und viele unterschiedliche Modelle handelt, ist das schwer zu schätzen. Es dürften aber weit mehr als die in dem Durchsuchungsbeschluss genannten eine Million Fahrzeuge sein. Es ist also wahrscheinlich, dass nicht alle Varianten der Motoren davon betroffen sind, sondern nur einige Leistungsstufen, unter Umständen auch nur in der Kombination mit einem bestimmten Getriebe oder auch in bestimmten Modellreihen. Da die Staatsanwaltschaft sich nicht weiter geäußert hat, lassen sich dir Vorwürfe bislang nicht auf bestimmte Modelle eingrenzen.

Waren die Motoren in Tests bereits auffällig?

Um den Sechszylinder war es bislang recht ruhig, der OM651 stand aber mehrmals in der Kritik. Der von der Deutschen Umwelthilfe öfter beanstandete C 220 CDI wird von einem OM651 angetrieben. Auch die von dem 2016 von Verkehrsminister Alexander Dobrindt angestoßenen „freiwilligen Rückruf“ betroffene V-Klasse hat einen OM651 unter der Haube. Auch die WirtschaftsWoche hatte über Probleme beim OM651 berichtet: Der AdBlue-Tank für die Abgas-Nachbehandlung ist im C 220 CDI zu klein. Er fasst nur 25 Liter, müsste aber mindestens 46 Liter fassen, um die gesetzlichen Vorgaben erfüllen zu können.

Welche Auswirkungen haben die aktuellen Entwicklungen auf Daimler?

Vorerst keine konkreten. Die Ermittler haben sich noch nicht zu den Vorwürfen oder den Ergebnissen der Razzien im Mai geäußert. Sollten sie dabei Dokumente gefunden haben, die die im Durchsuchungsbeschluss formulierten Verdachtsmomente untermauern, droht Daimler vollends in den Diesel-Sog von VW zu geraten. Volkswagen hat allein der Betrug in den USA bei nicht einmal 500.000 Fahrzeugen 22,6 Milliarden Euro an Strafen und Entschädigungen gekostet. Die Kosten für die Rückrufe und Prozesse mit den insgesamt weltweit betroffenen elf Millionen Konzernfahrzeugen sind noch nicht bekannt.

Im jüngsten Quartalsbericht, der nach dem Bekanntwerden der staatsanwaltlichen Ermittlungen im März - aber vor der Razzia - veröffentlicht wurde, hatte der Konzern bekräftigt, im Falle eines „nachteiligen Ausgangs dieser Ermittlungen“ könnten erhebliche Geldstrafen, sonstige Sanktionen oder Rückrufaktionen drohen. In den USA haben Käufer von Mercedes-Diesel-Pkw den Autobauer bereits auf Schadensersatz verklagt.

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