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Daimler bringt den Vito nach Amerika Auferstehung des Vans in den USA

Daimler eilt im dritten Quartal zu neuen Erfolgen – vor allem in den USA. Die Erfolgsgeschichte soll mit einem neuen Kleintransporter fortgeschrieben werden – ein totgesagter Fahrzeugtyp, der nahezu verschwunden war.

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Die Rolle der Mercedes Benz-Nutzfahrzeuge auf dem US-Markt. Der

Der Venice Beach in Los Angeles erfüllt alle Klischees: Die Sonne strahlt, der Sandstrand ist makellos sauber und die Surfer reiten die Wellen. Auf der Promenade flanieren durchtrainierte Menschen, wagen sich Musiker an Bob Marley und sprayen Künstler Graffitis auf Leinwände.

Die bekannten Bilder gibt es auch auf dem Parkplatz zu sehen. Neben einem VW-Bulli stehen Pickups von GM und Dodge, reihen sich SUVs und große Vans aneinander. Kleinwagen: Fehlanzeige. Irgendwie verständlich. Schließlich müssen Surfbrett und Gitarre nach Sonnenuntergang ja untergebracht werden.

Der Handwerker-Benz
Kürzlich hat Mercedes die neue V-Klasse vorgestellt, jetzt folgt die Transporter-Variante, die weiter auf den Namen Vito hört. Um gegen den Platzhirsch im Segment, den VW Transporter, Marktanteile gewinnen zu können, hat Mercedes das Angebot des Vito verbreitert. Quelle: Daimler
„Wir spielen im Mid-Size Segment auf Angriff“, kündigte Volker Mornhinweg an, Leiter des Geschäftsfelds Mercedes-Benz Vans. „In unseren traditionellen Märkten greifen wir mit neuen Einstiegsvarianten an. Außerdem erobern wir neue Märkte und bringen den neuen Vito auch in Nord- und Lateinamerika auf die Straße. Nach dem Sprinter machen wir jetzt den neuen Vito zu unserem zweiten Weltfahrzeug.“ Die Zahlen belegen den Erfolg. In den Monaten April bis Juni stieg der Absatz von Mercedes-Benz um neun Prozent auf 76.000 Einheiten. Der Umsatz lag mit 2,5 Milliarden Euro ebenfalls über dem Vorjahresniveau, als es noch 2,4 Milliarden Euro waren. Das Ebit erreichte 242 Millionen Euro, ein Zuwachs von 38 Millionen Euro. Die Umsatzrendite kletterte damit auf von 8,4 auf 9,7 Prozent. Quelle: Daimler
Den Vito gibt es weiterhin in drei verschiedenen Längen, drei Antriebsarten (Front-, Heck- und Allradantrieb) sowie in drei Varianten: den Basis-Vito als Arbeitstier (rot), den Vito Tourer für den Personentransport (vorne rechts) und den Vito Mixto als Kombination aus Doppelkabine und Nutzfläche (links). Quelle: Daimler
Im Vergleich zum Vorgängermodell bleibt der neue  Vito bei seinen Abmessungen nahezu gleich, so dass Einbauten übernommen werden können. Alle Varianten sind um 140 Millimeter länger geworden, was hauptsächlich auf den verlängerten Vorderbau im Hinblick auf den Fußgängerschutz zurückzuführen ist. Die drei Fahrzeuglängen betragen 4,9, 5,14 und 5,37 Meter. Die Höhe beträgt maximal 1,91 Meter, womit auch der neue Vito in die meisten Parkhäuser, Tiefgaragen oder Waschanlagen passt. Quelle: Daimler
Bei der Entwicklung seines Handwerker-Autos hat Daimler besonders auf die Kosten geachtet. Die günstigste Variante, der Vito 109 CDI Kastenwagen, startet in Deutschland bei 17.990 Euro (ohne Mehrwertsteuer). Den Bestwert beim Verbrauch erzielt der 116 CDI BlueEfficiency (163 PS) mit Lkw-Zulassung, der Normwert liegt hier bei 5,7 Liter. Daimler spricht davon, bei allen fünf Motorvarianten den Verbrauch im Schnitt um 20 Prozent gesenkt zu haben. Und noch ein Wert soll beim Sparen helfen: Die Wartungsintervalle wurden auf zwei Jahre oder 40.000 Kilometer gestreckt. Quelle: Daimler
Wer nicht auf maximale Nutzlast, sondern auf geringstmögliche Kosten aus ist, sollte zu dem quer eingebauten 1,6-Liter-Vierzylinder greifen, der im 109 CDI auf 88 PS und im 111 CDI auf 114 PS kommt. Bei diesen Motorisierungen kommt der Frontantrieb zum Einsatz, was in der Produktion günstiger ist. Bei größeren Ansprüchen an Fahrleistungen, hoher Auslastung oder Anhängerbetrieb empfiehlt sich der 2,15 Liter große Vierzylinder. Er ist in drei Leistungsstufen verfügbar: Vito 114 CDI mit 136 PS, Vito 116 CDI mit 163 PS und Vito 119 BlueTEC mit 190 PS. Letztgenannter nimmt als erster Euro 6-Motor in dieser Klasse eine besondere Rolle ein. Quelle: Daimler
Der Vito profitiert dank der Modulstrategie auch von Entwicklungen aus dem Pkw-Bereich: So gibt es das neue Modell neben den serienmäßigen Halogen-Scheinwerfern auch mit modernen LEDs, die im „Intelligent Light System“ abhängig von der Geschwindigkeit die Scheinwerfer durch eine variable Lichtverteilung an die Erfordernisse von Autobahn und Landstraße anpassen. Quelle: Daimler

„Die Amerikaner lieben es praktisch“, sagt Herb Lugger, Autoverkäufer in Long Beach, einer Stadt unweit von Los Angeles. „Sie wollen weite Wege überbrücken und auch große Gegenstände transportieren können.“ Die Antwort der Autobauer für den US-Markt fällt dementsprechend einhellig aus: Große Autos, große Ladefläche. Doch Lugger, spezialisiert auf den Verkauf des Sprinters, hat bemerkt, dass die Großstädter ihre breiten und schweren Karossen immer öfter unpraktisch finden. „Das Parken ist schwierig, der Wendekreis groß, der Verbrauch hoch.“

Einzig Ford hatte in den 80er-Jahren einen Midsize-Van

Daimler versucht den Zweiflern nun, eine Alternative zu bieten: Seit dem 1. Oktober ist der Vito – unter dem Namen Metris – in den USA im Handel. Die Schwaben wollen ihre gute Position auf dem stark wachsenden US-Markt ausgerechnet mit einem „midsize van“ weiter ausbauen, eine Fahrzeugkategorie, die seit zehn Jahren nahezu vollständig aus Amerika verschwunden ist. Zu den besten Zeiten, Ende der 1980er-Jahre, hat alleine Ford rund 160.000 Kleintransporter verkauft. Dann ging der Trend zu immer größeren Karossen: der „midsize van“ wurde begraben.

Zwar lief das Geschäft zuletzt auch ohne einen mittelgroßen Van gut. In den nordamerikanischen NAFTA-Märkten konnte die Transporter-Sparte den Absatz im dritten Quartal um 18 Prozent steigern – mit nur einem Modell, dem Sprinter. Global konnte Daimler die Van-Verkäufe um nur fünf Prozent auf 75.700 Fahrzeuge steigern.

Die Baustellen des Daimler-Konzerns

Dennoch wagt Mercedes jetzt die Wiedergeburt. Der Metris, ein Benziner, kein Diesel, ist im Durchschnitt 55 Zentimeter kürzer als die großen Vans, zu dem auch der Sprinter gehört, kommt aber gar auf einen minimal größeren Stauraum. Im Vergleich zu seinen kleinen Konkurrenten ist der „midsize van“ gut 30 Zentimeter größer – besitzt aber ganze 54 Prozent mehr an Ladekapazität. „Wir glauben, genau die richtige Größe gefunden zu haben“, sagt Jan ten Haaf, Metris-Produktmanager bei Mercedes USA.

Der Metris passt in die Tiefgarage – im Gegensatz zum Sprinter

Wie berechtigt ist der Optimismus? Die Testfahrt mit dem Metris geht von Venice Beach die Küste hoch über den Industriehafen von Long Beach. Der Verkehr ist dicht, kann aber aufgrund des erhöhten Sitzes gut überblickt werden. Was der Mensch nicht zu sehen vermag – Stichwort toter Winkel – erledigt die Technik. Setzt der Fahrer den Blinker obwohl sich ein anderes Auto auf gleicher Höhe befindet, erscheint ein rotes Warndreieck im Seitenspiegel, gefolgt von einem Warnton. Der „blind spot assistant“ ist wohlgemerkt nicht serienmäßig eingebaut; die sechs Airbags und ESP hingegen schon.

In Beverly Hills lässt sich problemlos eine Kaffeepause anlegen; anders als etwa sein großer Bruder, der Sprinter, passt der Metris in die Tiefgarage. Der Weg nach Santa Monica – über Topanga – ist kurvig und bergig. Der Metris liegt gut in den Kurven, droht man die Fahrspur zu überqueren, vibriert das Lenkrad.

VW bleibt trotz Dieselgate vor Toyota
Toyota – 1. Halbjahr 2016Der japanische Branchenprimus, zu dem auch der Kleinwagenbauer Daihatsu Motor und der Nutzwagenhersteller Hino Motors gehören, verkaufte zwischen Januar und Juni global 4,99 Millionen Autos. Das ist ein Rückgang zum Vorjahreszeitraum von 0,6 Prozent. Die ganze Halbjahres-Bilanz auch mit Umsatz- und Gewinnkennzahlen legt der japanische Konkurrent am 4. August vor. Quelle: AP
Volkswagen (Konzern) – 1. Halbjahr 2016Krise? Welche Krise? Die Abgas-Affäre scheint die Auslieferungen bei Volkswagen nicht zu bremsen. Pünktlich zum Halbjahr setzt sogar die schwächelnde Kernmarke zur Wende an. Mit 2,925 Millionen verkauften Volkswagen blieb die Marke zwar knapp unter dem Vorjahresergebnis, die Tendenz im Juni zeigte aber um fast fünf Prozent nach oben. Mit dem starken Juni stehen nach sechs Monaten die Zeichen bei den Verkäufen klarer als zuvor auf Zuwachs: 5,12 Millionen Fahrzeuge – vom VW-Up bis zum schweren Scania-Lkw – sind 1,5 Prozent Verbesserung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Trotz Diesel-Krise steuert der Konzern damit 2016 bisher auf ein Auslieferungsplus zu. Nach fünf Monaten Ende Mai hatte der Zuwachs lediglich bei 0,8 Prozent gelegen. Zumindest als Momentaufnahme scheint der Autobauer damit zehn Monate nach dem Ausbruch der Diesel-Krise eine Durststrecke zu verlassen. Quelle: dpa
BMW – 1. Halbjahr 2016Zwischen Januar und Juni diesen Jahres wurden weltweit 986.557 BMW verkauft. Damit konnten die Münchner im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent zulegen. Allein im Juni stieg der Absatz um 9,7 Prozent auf 189.097 – mit den Marken Mini und Rolls-Royce kommt der Konzern sogar auf 227.849 Autos (+9,1 Prozent). Für das Plus sorgte demnach vor allem die hohe Nachfrage in Europa und Asien. In den USA dagegen schrumpfte der Absatz. Mit den knapp 190.000 Fahrzeugen im Juli lag BMW vor den beiden Dauer-Konkurrenten Audi (169.000 Autos) und Mercedes (188.444 Fahrzeuge). Doch wie sieht es im gesamten ersten Halbjahr aus? Quelle: dpa
Audi – 1. Halbjahr 2016Zumindest Audi konnte BMW hinter sich lassen. Die Ingolstädter konnten zwar zulegen, mit 5,6 Prozent fiel das Wachstum aber geringer aus als bei der Konkurrenz aus München – genauso die absolute Zahl an Auslieferungen von 953.200 Fahrzeugen. Dennoch ist die Bilanz für Audi positiv. Man habe den Absatz in allen Weltregionen steigern können, sagte Vertriebsvorstadn Dietmar Voggenreiter. Spaß-Modelle wie das TT Cabrio im Bild tragen traditionell wenig zum Volumen bei. Zu den größten Treibern gehörten die Baureihen A4 mit einem Plus von 12,3 Prozent und das Oberklasse-SUV Q7, das es nach dem Modellwechsel im Vorjahr auf ein Plus von satten 73,6 Prozent bringt. Auch für das zweite Halbjahr ist Voggenreiter optimistisch: Dann stehen die Premieren des überarbeiteten A3 und der komplett neuen Baureihen A5 und Q2 an. Quelle: obs
Daimler – 1. Halbjahr 2016BMW und Audi waren gut, Mercedes war besser. So lässt sich das erste Halbjahr zusammenfassen – sowohl beim Wachstum als auch beim Absatz konnte die Marke mit dem Stern die Konkurrenten abhängen. In den ersten sechs Monaten gingen 1.006.619 Mercedes-Benz an die Kunden – das entspricht eine Zuwachs von 12,1 Prozent. Ganz nebenbei der 40. Rekordmonat in Folge für die Marke. Dabei profitiert Mercedes vor allem von den SUV-Modellen, die inzwischen ein Drittel des weltweiten Absatzes ausmachen. „ Das zeigt, dass sich unsere Produktoffensive auszahlt und unser rundum erneuertes SUV-Portfolio hervorragend bei den Kunden ankommt“, sagt Vorstandsmitglied Ola Källenius. Zusammen mit den 73.510 verkauften Smart kommt die Pkw-Sparte des Daimler-Konzerns so auf 1,08 Millionen Fahrzeuge. Quelle: dpa
Porsche – 1. Halbjahr 2016Drei Prozent Wachstum auf 117.963 Fahrzeuge. Das sind die Eckdaten des ersten Halbjahres bei Porsche. Der Sportwagenbauer zeigt sich damit zufrieden und spricht von einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“. Viele Modelle wie die Baureihen Cayman, Boxster, Macan und der 911er konnten zwar zweistellig wachsen, bei der Limousine Panamera hielten sich die Kunden wegen des anstehenden Modellwechsels aber spürbar zurück. „Die durchweg positive Resonanz auf die Weltpremiere des neuen Panamera Ende Juni stimmt uns sehr optimistisch. Wir erwarten uns davon einen deutlichen Schub“, sagt Marketing- und Vertriebsvorstand Detlev von Platen. Der neue Panamera kann seit dem 28. Juni bestellt werden und steht in Europa ab November beim Händler. In den USA und im chinesischen Markt ist das Auto ab Januar 2017 verfügbar. Quelle: dpa
Toyota – Gesamtjahr 2015Der japanische Autokonzern Toyota hat seine Stellung als weltgrößter Fahrzeughersteller im vierten Jahr nacheinander behauptet und den durch den Abgasskandal gebeutelten Konkurrenten VW auf Distanz gehalten. 2015 verkaufte das Unternehmen 10,15 Millionen Autos, wie Toyota am Mittwoch mitteilte. VW kam im vergangenen Jahr auf 9,93 Millionen verkaufte Autos, General Motors auf 9,8 Millionen. 2016 rechnet Toyota mit einem Absatz von 10,11 Autos. Im vergangenen Jahr lag die Prognose bei 10,1 Millionen Fahrzeugen für 2015 und wurde durch die Realität übertroffen. VW hatte Toyota bei den Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2015 überholt, war dann aber infolge des Abgasskandals wieder zurückgefallen. Die Autoverkäufe auf den großen Märkten in den USA und Japan haben sich verlangsamt. Darüber hinaus hat sich auch das in den vergangenen Jahren stetige Wachstum auf aufstrebenden Märkten abgeschwächt. Das schlägt sich auch in den Toyota-Zahlen nieder: 2014 hatten die Japaner noch 10,23 Millionen Autos verkauft. Quelle: dpa

„Wir wollen die soccer moms – Mütter, die ihre Töchter und Freundinnen zum Fußball fahren – genauso ansprechen, wie kleine und mittelständische Unternehmen“, sagt ten Haaf. Sicherheit sei genauso wichtig wie Komfort und Ladefläche. Ten Haaf glaubt, dass die Hälfte der verkauften Metris-Wagen an Privatkunden geht, 50 Prozent an Geschäftstreibende.

Gerade bei Letzteren muss Daimler aber aufpassen, sich nicht selbst zu kannibalisieren. Der Sprinter, mit großen Problemen ab 2001 auf dem US-Markt gestartet, hat sich zu einem Erfolgsmodell für die Schwaben entwickelt. Wurden 2009 noch 8559 Sprinter zwischen New York und Los Angeles verkauft, waren es 2012 schon 20.929 Fahrzeuge und im vergangenen Jahr 25.745 Autos. Der Marktanteil in dem Segment stieg von 4,5 auf 8,9 Prozent.

Insgesamt ist der US-Markt zu einer wichtigen Stütze für Daimler geworden. „Die Absatzzahlen sind in diesem Jahr bei allen großen Herstellern deutlich gestiegen; es wäre falsch, zuerst immer nach China zu gucken“, sagt ten Haaf.

Hoffnungsvoll stimmt die Daimler-Entscheider, dass Google den „midsize van“ für seinen Lieferdienst „Google Express“ getestet hat – und nach eigenen Angaben sehr zufrieden ist. Die Wagen hätten sich als „verbrauchsarm und effizient“ erwiesen, die Fahrer hätten ein positives Feedback gegeben; der Metris sei, „einfach zu bedienen“.

Autoverkäufer Herb Lugger wird dieses Feedback gerne hören. Ob die US-Amerikaner von ihren großen Karossen abrücken, muss sich erst noch zeigen. Was sie ganz sicher weiterhin verlangen: dass ihre Autos praktisch sind.

Vito soll auch in Lateinamerika neue Kunden bringen

Den Ansatz eines praktischen mittelgroßen Vans, wie er in Europa seit Jahren üblich ist, verfolgt Daimler aber nicht nur in den USA. Im Zuge der von Sparten-Chef Volker Mornhinweg ausgerufenen Wachstumsstrategie „Mercedes-Benz-Vans goes global“ wird der Vito seit Juni im Centro Industrial Juan Manuel Fangio nahe Buenos Aires für den argentinischen Markt gebaut und inzwischen auch in Brasilien verkauft – ein Export in weitere südamerikanische Länder ist geplant.

In den vergangenen beiden Jahren hat Mercedes-Benz Argentina insgesamt 220 Millionen Dollar in den 1951 gegründeten Standort investiert, um die Produktionseffizienz- und kapazität des Werks zu steigern und neue Produkte wie den Vito einzuführen. Nach der Modernisierung können dort bis zu 30.000 Transporter, Lkw und Busfahrgestelle pro Jahr vom Band laufen.

Brasilien erfüllt derzeit die Hoffnungen nicht

In Brasilien fertigen die Stuttgarter zudem die erste Generation des großen Vans Sprinter, die von 1995 bis 2006 in Düsseldorf produziert wurde. Außerdem werden in dem Werk nahe Sao Paolo mittelschwere und schwere Lkw montiert, die besonders auf die Anforderungen der Kunden und des Geländes in Lateinamerika zugeschnitten sind. „Brasilien ist und bleibt langfristig einer der weltweit wichtigsten Nutzfahrzeugmärkte“, sagt Stefan Buchner, Head of Mercedes-Benz Trucks. „Gerade in einer Phase wie der aktuellen Marktschwäche ist es wichtig, die richtigen Weichen für die Zeit zustellen, wenn der Markt wieder anspringt.“ Deshalb will Daimler bis 2018 rund 500 Millionen Euro in Brasilien investieren.

Doch derzeit kann der Hoffnungsmarkt Brasilien die Erwartungen nicht erfüllen. Zwar werden laut der Beratungsgesellschaft Strategy& inzwischen 55 Prozent aller Nutzfahrzeuge in den BRIC-Staaten abgesetzt und nur noch 30 Prozent in Europa, doch die Wirtschaft in dem bevölkerungsreichsten Land Südamerikas schwächelt seit Jahren. Für das konjunkturanfällige Nutzfahrzeug-Geschäft keine gute Basis. Im dritten Quartal ging der Van-Absatz im „schwierigen lateinamerikanischen Marktumfeld“, wie Finanzvorstand Bodo Uebber es bei der Präsentation des Vierteljahresberichts ausdrückte, um rund drei Prozent zurück.

Wie Daimler 2014 abgeschnitten hat

Dennoch hat sich der große Van von Mercedes, der Sprinter, in Brasilien und dem benachbarten Argentinien bislang blendend verkauft. Den Erfolg soll der Vito jetzt eine Größenordnung darunter wiederholen. Eine Absatzprognose für seinen Midsize-Van will Mercedes auf Nachfrage aber nicht nennen.

Die Investitionen und Modelloffensive in Lateinamerika sind ein Risiko – aber ein kalkuliertes. „Die Branche muss sich darauf einstellen, dass sich 71 Prozent des weltweiten Marktes für Lkws außerhalb der etablierten Industrienationen abspielen wird,“ schreiben die Strategy&-Berater in der Studie „The Truck Industry 2020 – How to move in moving markets“.

Deutsche liegen im Premium-Automarkt Brasilien vorne

Die Knackpunkte: Der Wachstumsmotor der brasilianischen Wirtschaft allgemein muss wieder anspringen. Und dann müssen die Kunden auch bei Nutzfahrzeugen Wert auf Komfort, Design und den Premium-Anspruch legen – in Schwellenländern zählen aber eher der Preis und eine robuste Bauweise. Das berücksichtigt der Vito aus südamerikanischer Produktion nur bedingt: Technisch gleicht er dem europäischen Modell, lediglich bei den angebotenen Sonderausstattungen unterscheiden sich die Fahrzeuge.

Auto



Während die Van-Sparte in Europa noch den Hochdachkombi Citan auf Basis des Renault Kangoo anbietet, will Mercedes in Lateinamerika bei dem dritten Modell auf ein für die Marke vollkommen neues Konzept setzen – einen Pick-up. Bis Ende des Jahrzehnts wollen die Stuttgarter den nach eigner Aussage ersten Pick-up eines Premiumherstellers auf den Markt bringen. Basis für das noch namenlose Modell wird aber kein Mercedes-Van, sondern der Navara NP-200 des Kooperationspartners Renault-Nissan.

Daimler-Chef Dieter Zetsche erwartet sich von Pickup-Fahrzeugen mit hohen Allround-Qualitäten und rund einer Tonne Nutzlast weltweit gute Absatzpotentiale. „Der Pick-up von Mercedes-Benz unterstützt die globalen Wachstumsziele unseres Unternehmens“, sagte Zetsche bei der Ankündigung des Modells. „Wir werden auch in diesem Segment mit einem unverwechselbaren Markengesicht und allen markentypischen Fahrzeugattributen in punkto Sicherheit, Komfort, Antriebsstrang und Wertigkeit antreten.“

Ob der Pick-up auch auf den US-Markt kommt: Darüber schweigen die Bosse beharrlich. Eine Entscheidung sei schlicht „noch nicht gefallen“. Klar ist: Die Konkurrenz in dem Segment ist groß – und mit dem Metris sollen die US-Amerikaner ja gerade zum Kauf eines kleineren Vans überzeugt werden. Zumindest in den Städten wie New York, Chicago oder Los Angeles.

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