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Daimler bringt den Vito nach Amerika Auferstehung des Vans in den USA

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Vito soll auch in Lateinamerika neue Kunden bringen

Den Ansatz eines praktischen mittelgroßen Vans, wie er in Europa seit Jahren üblich ist, verfolgt Daimler aber nicht nur in den USA. Im Zuge der von Sparten-Chef Volker Mornhinweg ausgerufenen Wachstumsstrategie „Mercedes-Benz-Vans goes global“ wird der Vito seit Juni im Centro Industrial Juan Manuel Fangio nahe Buenos Aires für den argentinischen Markt gebaut und inzwischen auch in Brasilien verkauft – ein Export in weitere südamerikanische Länder ist geplant.

In den vergangenen beiden Jahren hat Mercedes-Benz Argentina insgesamt 220 Millionen Dollar in den 1951 gegründeten Standort investiert, um die Produktionseffizienz- und kapazität des Werks zu steigern und neue Produkte wie den Vito einzuführen. Nach der Modernisierung können dort bis zu 30.000 Transporter, Lkw und Busfahrgestelle pro Jahr vom Band laufen.

Brasilien erfüllt derzeit die Hoffnungen nicht

In Brasilien fertigen die Stuttgarter zudem die erste Generation des großen Vans Sprinter, die von 1995 bis 2006 in Düsseldorf produziert wurde. Außerdem werden in dem Werk nahe Sao Paolo mittelschwere und schwere Lkw montiert, die besonders auf die Anforderungen der Kunden und des Geländes in Lateinamerika zugeschnitten sind. „Brasilien ist und bleibt langfristig einer der weltweit wichtigsten Nutzfahrzeugmärkte“, sagt Stefan Buchner, Head of Mercedes-Benz Trucks. „Gerade in einer Phase wie der aktuellen Marktschwäche ist es wichtig, die richtigen Weichen für die Zeit zustellen, wenn der Markt wieder anspringt.“ Deshalb will Daimler bis 2018 rund 500 Millionen Euro in Brasilien investieren.

Doch derzeit kann der Hoffnungsmarkt Brasilien die Erwartungen nicht erfüllen. Zwar werden laut der Beratungsgesellschaft Strategy& inzwischen 55 Prozent aller Nutzfahrzeuge in den BRIC-Staaten abgesetzt und nur noch 30 Prozent in Europa, doch die Wirtschaft in dem bevölkerungsreichsten Land Südamerikas schwächelt seit Jahren. Für das konjunkturanfällige Nutzfahrzeug-Geschäft keine gute Basis. Im dritten Quartal ging der Van-Absatz im „schwierigen lateinamerikanischen Marktumfeld“, wie Finanzvorstand Bodo Uebber es bei der Präsentation des Vierteljahresberichts ausdrückte, um rund drei Prozent zurück.

Wie Daimler 2014 abgeschnitten hat

Dennoch hat sich der große Van von Mercedes, der Sprinter, in Brasilien und dem benachbarten Argentinien bislang blendend verkauft. Den Erfolg soll der Vito jetzt eine Größenordnung darunter wiederholen. Eine Absatzprognose für seinen Midsize-Van will Mercedes auf Nachfrage aber nicht nennen.

Die Investitionen und Modelloffensive in Lateinamerika sind ein Risiko – aber ein kalkuliertes. „Die Branche muss sich darauf einstellen, dass sich 71 Prozent des weltweiten Marktes für Lkws außerhalb der etablierten Industrienationen abspielen wird,“ schreiben die Strategy&-Berater in der Studie „The Truck Industry 2020 – How to move in moving markets“.

Deutsche liegen im Premium-Automarkt Brasilien vorne

Die Knackpunkte: Der Wachstumsmotor der brasilianischen Wirtschaft allgemein muss wieder anspringen. Und dann müssen die Kunden auch bei Nutzfahrzeugen Wert auf Komfort, Design und den Premium-Anspruch legen – in Schwellenländern zählen aber eher der Preis und eine robuste Bauweise. Das berücksichtigt der Vito aus südamerikanischer Produktion nur bedingt: Technisch gleicht er dem europäischen Modell, lediglich bei den angebotenen Sonderausstattungen unterscheiden sich die Fahrzeuge.

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Während die Van-Sparte in Europa noch den Hochdachkombi Citan auf Basis des Renault Kangoo anbietet, will Mercedes in Lateinamerika bei dem dritten Modell auf ein für die Marke vollkommen neues Konzept setzen – einen Pick-up. Bis Ende des Jahrzehnts wollen die Stuttgarter den nach eigner Aussage ersten Pick-up eines Premiumherstellers auf den Markt bringen. Basis für das noch namenlose Modell wird aber kein Mercedes-Van, sondern der Navara NP-200 des Kooperationspartners Renault-Nissan.

Daimler-Chef Dieter Zetsche erwartet sich von Pickup-Fahrzeugen mit hohen Allround-Qualitäten und rund einer Tonne Nutzlast weltweit gute Absatzpotentiale. „Der Pick-up von Mercedes-Benz unterstützt die globalen Wachstumsziele unseres Unternehmens“, sagte Zetsche bei der Ankündigung des Modells. „Wir werden auch in diesem Segment mit einem unverwechselbaren Markengesicht und allen markentypischen Fahrzeugattributen in punkto Sicherheit, Komfort, Antriebsstrang und Wertigkeit antreten.“

Ob der Pick-up auch auf den US-Markt kommt: Darüber schweigen die Bosse beharrlich. Eine Entscheidung sei schlicht „noch nicht gefallen“. Klar ist: Die Konkurrenz in dem Segment ist groß – und mit dem Metris sollen die US-Amerikaner ja gerade zum Kauf eines kleineren Vans überzeugt werden. Zumindest in den Städten wie New York, Chicago oder Los Angeles.

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