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Daimler-Hauptversammlung Zetsche kann noch lange

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Es bleibt zu wenig hängen


Sitzt wieder fest im Sattel - Baustellen gibt es aber noch genug für Daimler-Chef Zetsche. Quelle: dpa

Bratzel: "Die Forderung der Aktionäre kommt zur Unzeit und sie ist inhaltlich wie taktisch falsch. Gerade erst läuft es gut, "jetzt kommt neue Unruhe in den Konzern", kritisiert Bratzel. Die aktuellen Zahlen beweisen, dass die neuen Modelle funktionieren. Der plötzliche Abgang von Produktionschef Andreas Renschler ist eben erst verdaut.

Die Nachfolgedebatte käme zudem verfrüht. Zetsche ist 60 Jahre halt, kann also problemlos weitere drei oder fünf Jahre an der Spitze des Konzerns stehen. Und das, darin sind sich alle Experten einig - sollte er auch.

Wer Zetsche beerben könnte

"Daimler braucht eine Langfristorientierung", fordert Bratzel. Dazu müsse man nachhaltig am technologischen Fortschritt arbeiten. "Jetzt kritisch auf jeden Quartalsbericht zu schielen, das wäre falsch." Daimler braucht eine starke Gallionsfigur - ähnlich einem VW-Winterkorn oder Piech. "Was er sagt, muss gelten", fordert Bratzel. Dabei brauche es Einigkeit zwischen Management und Arbeitnehmervertretung. Eine interne Schwächung Zetsches wie vor einem Jahr war laut Bratzel „ein großer Fehler.“ „Das war nicht zielführend“, ergänzt er. Jetzt, wo es bergauf geht, darf es keinen Zweifel daran geben, wer am Steuer sitzt.

Einen Freifahrtschein stellt Zetsche aber keiner der Experten aus. Denn trotzt der aktuellen Erfolge steht noch viel auf dem To-Do-ABC des Daimler-Chefs.

Produktionskosten müssen runter

A wie Ausgaben: Größter Schwachpunkt der Schwaben ist die geringe Ebit-Marge. So machen die Stuttgarter zwar mehr Umsatz als die Ingolstädter, streichen aber weniger Gewinn ein als die Konkurrenz (siehe Tabelle).

BMW, Audi und Mercedes Benz im Vergleich

Kennzahlen des Geschäftsjahres 2013

BMWAudiMercedes Benz
Umsatz76 Mrd. Euro50 Mrd. Euro64 Mrd. Euro
Absatz 1.655.138 Pkw1.575.480 Pkw1.566.563 Pkw
EbiT¹7.9 Mrd. Euro5.3 Mrd. Euro4.0 Mrd. Euro
EbiT-Marge²10,4 %10,7 %6,2 %

¹Ergebnis vor Steuern; ²Umsatzrendite vor Steuern; Es wurden nur die jeweiligen Pkw-Sparten der betreffenden Automarke betrachtet; Quelle: Unternehmensberichte; Stand: 07.04.2014

Schuld daran sind zum einen die hohen Entwicklungskosten für die neuen Modelle. Doch das ist nur ein Grund. Daimler produziert deutlich teurer als BMW oder Audi. Die Ingolstädter profitieren von gemeinsamen Plattformstrategien und Entwicklungen mit Mutterkonzern VW. Doch auch BMW fertigt - ohne einen Volumen-Konzern im Hintergrund - günstiger. Die Bayern haben schon vor Jahren begonnen, möglichst viele Gleichteile einzusetzen. Das reduziert die Komplexität und Kosten. Die Münchener produzieren verschiedene Modelle auf ein- und derselben Montagelinie, sparen damit Zeit und Geld und können auf Nachfrageschwankungen extrem flexibel reagieren.

Daimler hat im Vergleich zur Konkurrenz recht spät damit begonnen, Baukästen für den Front- und Heckantrieb einzusetzen und so die Fertigung zu verschlanken. Eine erste Plattformstrategie gibt es nun mit CLA und GLA, die auf der A-Klasse aufbauen. "Diese Schritte sollten sich in den nächsten Monaten an der Rendite bemerkbar machen", meint Bratzel. Analyst Schwope hält eine Verbesserung auf neun bis elf Prozent für erreichbar. Bleiben noch ein paar weitere Baustellen:

B wie Brennstoffzelle: "Da muss Daimler endlich liefern", fordert Diez. Nicht nur einen Prototyp, sondern ein Serienfahrzeug mit innovativer Brennstoffzelle müsse endlich in Stuttgart vom Band rollen. Seit 2011 kündigen die Schwaben ein Modell an, das mit Wasserstoff betrieben wird. Auch wenn das Modell kein Massenprodukt werden wird (die Kosten dürften zehn bis 20 Prozent über einem Auto mit Verbrennungsmotor liegen), so sei es doch "eine Frage der Glaubwürdigkeit" meint Diez.

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