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Daimler-HauptversammlungZetsche schwört zum Abschied noch einmal auf den Sparkurs ein

Nach mehr als 13 Jahren an der Spitze übergibt Daimler-Chef Zetsche das Ruder an seinen Nachfolger Ola Källenius. Auf seiner letzten Hauptversammlung macht Zetsche noch einmal klar, wo Daimlers Reise hingehen muss. 22.05.2019 - 12:30 Uhr

Der 66-Jährige Dieter Zetsche übergibt seinen Posten als Daimler-Vorstandschef mit dem Ende der Hauptversammlung an seinen Nachfolger Ola Källenius.

Foto: dpa

Der scheidende Daimler-Chef Dieter Zetsche hat dem Autobauer zum Abschied noch einmal einen klaren Sparkurs vorgegeben. „Alles steht auf dem Prüfstand: fixe und variable Kosten, Sach- und Personalkosten, Investitionsvorhaben, die Wertschöpfungstiefe und die Produktpalette“, sagte Zetsche am Mittwoch bei der Hauptversammlung des Konzerns in Berlin. Die neuen Technologien in den Autos kosteten viel Geld. „Das heißt auch, dass Mobilität in Zukunft teurer wird“, erklärte Zetsche. „Unsere Aufgabe als Unternehmen ist, den Anstieg für die Kunden zu begrenzen.“

Im gesamten Unternehmen müssten dazu Kosten gesenkt und die Effizienz gesteigert werden, sagte Zetsche, nannte aber erneut keine Details zu dem Sparprogramm, das er schon bei der Bilanzvorlage im Februar angekündigt hatte.

Als Folge von weltweiten Handelskonflikten, Diesel-Rückrufen und Problemen bei der Umstellung auf den neuen Abgasteststandard WLTP hatte Daimler 2018 mehr als ein Viertel seines Gewinns eingebüßt. Und auch der Start ins Jahr 2019 verlief eher schleppend. „Das hatten wir erwartet, aber das macht es nicht besser“, räumte Zetsche ein.

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Der 66-Jährige übergibt seinen Posten als Vorstandschef mit dem Ende der Hauptversammlung an seinen Nachfolger Ola Källenius. Der Schwede wird den Konzern, sofern die Aktionäre zustimmen, grundlegend umbauen. Eine neue Struktur mit drei rechtlich eigenständigen Sparten unter dem Dach der Daimler AG soll den Autobauer flexibler machen – eine für Autos und Vans, eine für Trucks und Busse und eine für Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen. Das soll Freiräume schaffen, zum Beispiel für die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen.

Zetsche stand mehr als 13 Jahre an der Spitze des Autobauers. Er löste in seiner Amtszeit die Ehe mit dem US-Autobauer Chrysler auf, die erst euphorisch gefeiert worden war, sich dann aber schnell zur Belastung entwickelt hatte. Nach der Finanzkrise führte er den Konzern aus einer schweren Flaute, er modernisierte die Designsprache der Stammmarke Mercedes-Benz und eroberte damit jüngere Käuferschichten. Nach vielen Jahren hinter dem Erzrivalen BMW konnte Mercedes 2016 die Weltspitze bei Premium-Autos zurückerobern.

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Zetsches Erfolge sind auch unter den Aktionären unbestritten, dennoch musste sich der langjährige Vorstandschef an seinem letzten Tag auch viel Kritik anhören. Ein Vorwurf: Unterm Strich bleibe bei Daimler zu wenig übrig - nicht nur im Moment. Daimler habe ein chronisches Effizienzproblem, das Zetsche nie richtig angepackt habe, kritisierte Janne Werning von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Daimler kämpfe an allen Fronten, und die Renditeziele seien in weite Ferne gerückt, stellte auch Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka Investment fest.

Die Rendite gibt an, wie viel vom Umsatz nach Abzug aller Kosten letztlich als Gewinn übrigbleibt. In der Autosparte peilt Daimler hier eigentlich generell acht bis zehn Prozent an – aber das hält Zetsche erst 2021 wieder für realistisch.

Ein prominentes Gesicht verlässt Daimler: Das Erkennungsmerkmal von Dieter Zetsche war immer schon sein markanter Schnauzbart. Mehr als 13 Jahre lang war Zetsche Vorstandsvorsitzender bei Daimler, nach der Hauptversammlung am 22. Mai endet seine Ära bei Daimler offiziell.

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Auf seinem Weg hat Zetsche den Konzern gewandelt. Auch in der Unternehmenskultur: Von strengen Anzügen wechselte er zu Sneakern und Jeans. Die Marke Daimler verjüngte sich deutlich.

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Zetsche war als cooler Chef bekannt, er punktete zum Beispiel mit witzigen Grußbotschaften zum Jahresende. In seinem letzten Video mimte er ein Bewerbungsgespräch beim Weihnachtsmann. Rückblickend hat sich der Daimler-Chef selbst nicht allzu ernst genommen und war für seinen Humor bekannt.

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Den bewies Zetsche auch mit seiner selbstironischen Werbe-Figur Dr. Z, die 2006 für mehrere Werbespots zum Einsatz kam. Zusätzlich gab es eine Webseite namens "Ask Dr Z", auf der Fragen zu den Fahrzeugen beantwortet wurden. Allerdings wurde die Kampagne gestoppt, als sich zeigte, dass die Amerikaner Dr. Z für eine imaginäre Figur hielten – und sich auch kein Absatzerfolg einstellen wollte.

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Bei Daimler hat Zetsche viele Stationen gesehen. Angefangen im Forschungsbereich der Daimler-Benz AG im Jahre 1976 bis hin zu Leitungsfunktionen in Brasilien, Argentinien und den USA.

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An der Universität Karlsruhe (heute Karlsruher Institut für Technologie) studierte Zetsche Elektrotechnik, 1982 folgte die Promotion.

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Viel gesagt hat Zetsche bisher nicht über seinen Abschied, immerhin aber, dass er mit sich „total im Frieden“ sei.

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Passé sind allerdings die Rekorde, die Zetsche noch vor einem Jahr verkünden konnte. Danach zeigte der Handelsstreit zwischen China und den USA Wirkung, dazu kamen Kosten etwa für Dieselrückrufe, Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP und nur noch ein ganz knappes Plus bei den Autoverkäufen. Die Folge: 2018 musste der Konzern einen herben Gewinneinbruch verbuchen. Und weil weiter viel Geld in den Aufbruch ins Elektro-Zeitalter fließt, gleichzeitig aber die Verkaufszahlen bei den aktuellen Modellen nun richtig schwächeln, lief auch der Start ins Jahr 2019 eher mies.

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So scheidet Zetsche ohne neue Rekordzahlen im Rücken aus dem Amt. „Gegenmaßnahmen“ hat er noch angekündigt, aber wie die im Detail aussehen sollen, muss jetzt sein Nachfolger Ola Källenius sagen.

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Der Schwede Källenius, bislang Entwicklungschef und schon lange Kronprinz in Stuttgart-Untertürkheim, ist am Zug. Er wird ein Kartellverfahren der EU und vor allem den Dieselskandal erben. Wie seine Agenda aussieht, lässt Källenius bislang offen. So wenig Zetsche über seinen Abschied spricht, so wenig spricht Källenius über seinen Antritt – öffentlich jedenfalls.
Dieter Zetsche wird das alles aus der Ferne verfolgen müssen. Für ihn beginnt die sogenannte Abkühlungsphase. Erst wenn die in zwei Jahren abgelaufen ist, kann er sich in den Aufsichtsrat wählen lassen. Geplant ist, dass er 2021 dort den Vorsitz übernimmt – und dann Källenius auf die Finger schaut.

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