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Daimler-Jahreszahlen Jetzt klappt es sogar in China

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In China hat Mercedes seine Hausaufgaben gemacht

Die deutschen Hersteller selbst weisen offiziell keine Verkaufszahlen für einzelne Modelle in China aus. Laut den Zahlen des chinesischen Branchenverbands CAAM kommt Mercedes bei dem Spitzenmodell zwar noch nicht an Audi (129.453 verkaufte Q5) oder gar BMW (143.626 verkaufte 5er) heran, in der Summe aller Modelle setzen die Stuttgarter aber zum Überholmanöver an.

Mercedes hatte in China jede Menge Nachholbedarf, das steht außer Frage. Doch Zetsche und seine Mannen haben ihre Hausaufgaben gemacht, die Produktion und vor allem das Händlernetz gezielt ausgebaut. Während Audi längst im „New normal“ angekommen ist (nur noch 3,6 Prozent Wachstum und auch BMW 2016 nur noch um 11,3 Prozent zulegen konnte, hat Daimler das hohe Wachstum von 26,6 Prozent beibehalten.

Diese Dienstwagen feiern 2017 Premiere
Audi A5 Sportback Quelle: Audi
Audi Prologue Quelle: Audi
BMW 5er Quelle: BMW
Jaguar XF Sportbrake Quelle: Jaguar
Lexus LC500 Quelle: Lexus
Mercedes-Benz E-Klasse All Terrain Quelle: Mercedes-Benz
Mercedes-Benz E-Klasse Coupé Quelle: Daimler

In der Summe liegt Mercedes Benz mit knapp 473.000 Autos in China zwar immer noch auf dem dritten Rang, aber BMW liegt mit 513.000 Autos inzwischen in Reichweite – Audi hat mit 592.000 Einheiten noch einen nennenswerten Vorsprung. Die Reihenfolge wackelt aber auf absehbare Zeit: Die Experten des Analysehauses IHS Automotive rechnen im Jahr 2020 mit 595.000 verkauften Mercedes in China, aber nur mit 560.000 BMW. Neben den Problemen in der noch lückenhaften SUV-Fertigung vor Ort bei BMW sehen die IHS-Experten Mercedes bei der Modellvielfalt vorne.

Der Ausblick könnte Überraschungen bergen

Die Grundlagen dafür hat Zetsche vor Jahren gelegt. Und sollte das IHS-Szenario eintreten, wird auch noch sein Nachfolger (Zetsches Vertrag läuft bis Ende 2019) davon profitieren. Das dank des China-Ergebnisses starke Auto-Geschäft darf aber auch nicht über die Baustellen im Konzern hinwegtäuschen. Denn Daimler ist nicht nur Mercedes-Benz Cars.

In der Truck-Sparte sieht es zum Beispiel weit weniger gut aus. Zwar ist Daimler immer noch der weltgrößte Lkw-Bauer, doch der Konzern leidet unter dem schwachen Markt in Südamerika und auch in den USA. Die Analysten rechnen damit, dass der Umsatz von Daimler Trucks um rund 13 Prozent gesunken ist.

Zudem hatte die EU-Kommission Daimler und andere Lkw-Hersteller wegen Kartellabsprachen mit einem Rekord-Bußgeld belegt. Allein auf die Stuttgarter entfallen dabei rund eine Milliarde Euro. Einige Analysten schätzen aber den Ausblick etwas positiver ein: Dank der Ausgabeprogramme von US-Präsident Donald Trump könnte sich der Markt dort erholen – wenn auch zunächst nur bei den Auftragseingängen. Daimler Trucks ist auf dem nordamerikanischen Markt stark vertreten, etwa mit den Marken Freightliner und Western Star.

Es bleibt also abzuwarten, wie viel vom guten Lauf der Auto- und Van-Sparten wegen des schwächeren Lkw-Ergebnisses in der Konzernbilanz übrig bleibt. In der Summe dürfte der Effekt jedoch überschaubar bleiben, wie die Analystenschätzungen nahe legen.

Viel interessanter als der eine oder andere Prozentpunkt beim Umsatz wird der Ausblick auf das Jahr 2017 werfen, den Dieter Zetsche umreißen wird. Die globale Unsicherheit hat zugenommen, das Geschäft in China wird auch für Daimler irgendwann schwieriger werden und nicht zuletzt beschäftigen nationalistische Tendenzen wie die Zoll-Drohungen von Donald Trump und der Brexit global agierende Unternehmen wie Daimler.

Die US-Werke der deutschen Autokonzerne

Deshalb gehen auch die Meinungen der Analysten auseinander. Die einen rechnen wegen des hohen US-Anteils bei lokal gefertigten Autos wie der C-Klasse und dem GLE in den USA weiter mit guten Ergebnissen, andere sehen BMW mit seinem US-Werk Spartanburg besser aufgestellt. Und beim Brexit hätte es Daimler auch schwerer als die Münchner: Die haben mit Mini und Rolls-Royce zumindest eigene Werke auf der Insel.

Im Schnitt rechnen die Experten aber damit, dass Daimler für 2017 anstelle eines leichten Wachstums ein operatives Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres anpeilen wird. Etwas mehr Bescheidenheit – gerade in erfolgreichen Zeiten – hat noch nie geschadet.

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