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Daimler-Manager Harald Kröger "Akku-Großspeicher sind ein sehr wichtiges Geschäft"

Daimler startet in Hannover sein drittes Projekt mit Akku-Großspeichern. Harald Kröger, verantwortlich für das Geschäft mit den E-Akkus, spricht im Interview über seine Pläne für das Energie-Geschäft des Autobauers.

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Harald Kröger, Leiter der Entwicklung Elektrik bei Daimler, wird Chef der Bosch-Autoelektronik. Quelle: Daimler

Der Autohersteller Daimler baut einen riesigen Stromspeicher aus künftigen Ersatzteil-Batterien für seine Smart-Elektrofahrzeuge. Dafür verknüpft Daimler mit seinem Partner, den Stadtwerken Hannover, 3000 neue Batteriemodule für den bereits ausgelaufenen E-Smart zu einer Speicheranlage.

Die Ersatzteilbatterien leiden dabei nicht – im Gegenteil hält sie der Einsatz im Speicher frisch. Daimler reagiert damit auch auf die fehlenden Erfahrungswerte für die Lebensdauer der Batterien im E-Smart, der Ende 2016 seinen Nachfolger erhalten soll. Daimler-Manager Harald Kröger spricht im Interview über das aktuelle Projekt, weitere Batterie-Großspeicher und eine Batteriezellenfertigung in Deutschland.

WirtschaftsWoche: Herr Kröger, Daimler liefert den Stadtwerken Hannover 3000 nagelneue E-Smart-Batterien, die zu einem Großspeicher zusammengeschlossen werden. Ist das der Auftakt für eine Daimler-Speicher-Offensive in ganz Europa?
Harald Kröger: Ja, wir sind offen für weitere Partner für ähnliche Projekte – nicht nur in Europa. Man wird in diesem Jahr sicherlich noch einiges von uns hören. Hannover ist unser zweites großes Speicherprojekt. In Lünen werden wir in Kürze einen Großspeicher in Kooperation mit dem Recyling-Spezialisten Remondis sowie Getec und The Mobility House in Betrieb nehmen.

zur Person

Der Speicher in Lünen besteht aus gebrauchten E-Auto-Batterien, der Speicher in Hannover wird aus neuen bestehen und als Ersatzteillager dienen. Gleichzeitig vertreiben Sie gemeinsam mit dem baden-württembergischen Versorger EnBW sowie auch dem Solarspezialisten SMA Heimspeicher. Drei völlig verschiedene Geschäftsmodelle. Was rentiert sich am meisten?
Alle drei sind absolut vielversprechend und stiften sowohl uns als auch unseren Partnern großen Nutzen. Ich kann schon jetzt sagen: Die Großspeicher sind für uns ein sehr wichtiger Bestandteil des Geschäfts und wir führen bereits Gespräche mit einer Reihe weiterer möglicher Partner. Sei es für Modelle im Primärenergiemarkt, also mit Speichern, die als Puffer zur Netzstabilisierung dienen, oder woanders. Die gesamte Branche ist gerade in einer Bonanza und versucht herauszufinden, was die interessanteste Anwendung ist.

In der Kooperation mit EnBW wurden seit Marktstart im Herbst 50 Speicher verkauft, 90 weitere Bestellungen liegen vor. Das ist sehr überschaubar. Ist es nicht vielleicht so, dass sie Projekte wie in Hannover starten, weil sie Ihre Speicher nicht anders an den Mann bringen?
Nein. Beim Thema Heimspeicher sind wir noch in der Startphase. Daher macht es Sinn, eine Art Pilotserie zu verkaufen. Wir haben echte Kunden, echte Anwender, wollten aber bewusst noch keine Millionenstückzahlen unters Volk bringen. Aber, so viel kann ich verraten, es wird bald richtig losgehen. Zum Ende des Quartals beginnen die Auslieferungen.

Daimler im Energiegeschäft

Die Batterie-Produktion in Kamenz bei Dresden ist sehr gut ausgelastet, damit hat unser Engagement in industriellen Speichern nichts zu tun. Bis heute hat die Accumotive mehr als 70.000 Li-Ionen-Batterien ausgeliefert und mit inzwischen fast 20.000 Quadratmetern haben wir unsere Produktionsfläche seit 2011 vervierfacht. Kamenz wird deutlich ausgebaut, denn wir rechnen mit steigenden Produktionszahlen sowohl für automobile Anwendungen als auch für stationäre Batteriespeicher. Wir investieren rund 100 Millionen Euro in den nächsten Jahren.

"Auf dem Lithium-Ionen-Zellmarkt herrscht Hyperwettbewerb"

Welche Absatz- und Umsatzziele haben Sie?
Wir sind noch dabei, unsere Märkte zu identifizieren. Jetzt öffentlich Ziele zu nennen, wäre etwas zu früh. Das ist eine andere Vorgehensweise als im etablierten Automobilmarkt. Wir sind ein Start-up in einem großen Konzern. Heimspeicher vertreiben wir aktuell mit Fokus auf Deutschland und unsere Partnern EnBW sowie SMA. Wir haben auch nicht vor, selbst im großen Stile an Endkunden zu verkaufen. Das wird primär über Partner laufen.

Die Speicher sind auch international ein Thema. Wir haben Anfragen aus der ganzen Welt. In anderen Ländern, etwa Indien, sehen wir beispielsweise Potenzial für kleinere stationäre Speicher. Dort ist die Stromversorgung recht instabil und es sind viele Blei-Akkus im Einsatz, die durch einfach zu handhabende, sichere und leistungsstärkere Lithium-Ionen Akkus getauscht werden könnten.

Immer mehr Politiker und Unternehmer fürchten, dass Deutschland mit der Batteriezellenfertigung einen wichtigen Teil der Wertschöpfung an Asien und die USA verliert. Erst 2014 haben Sie die Zellfertigung in Kamenz gestoppt. Waren Sie zu voreilig?
Nein, das sehe ich nicht so. Wir haben mit der Li-Tec wertvolle Erfahrung sammeln können. Aber auf dem Lithium-Ionen-Zellmarkt herrscht heute schon Hyperwettbewerb. Wenn wir als deutsche Industrie in die Zellfertigung einsteigen, dann muss das über einen Zulieferer geschehen. Nur dann bekommt man das nötige Volumen, um wettbewerbsfähig zu sein. Es macht deshalb für keinen Autohersteller Sinn, seine eigenen Zellen zu fertigen.

In Arbeit
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Jetzt kommt es aber darauf an, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, um in die Zellfertigung zu investieren. In fünf Jahren vielleicht, mit der nächsten Generation der Zelltechnik, wenn die Karten neu gemischt werden.

Wir müssen auch keine Angst haben als deutsche Industrie, dass der Zug abgefahren ist. Wir haben es als damals branchenfremdes Unternehmen schließlich geschafft, qualitativ Weltklasse Batteriezellen herzustellen. Wichtiger finde ich, dass wir das System-Know-how beim Hersteller haben. Wie manage ich den Energiezu- und abfluss? Wie verhält sich die Batterie im Falle eines Crashs? Das ist Kern- und Hoheitsgebiet des Herstellers. Wir müssen kein Chemiespezialist sein.

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