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Daimler steigt bei Aston Martin ein Aston Martin, ein Fünftel schwäbisch

Aston Martin Lagonda wird zukünftig Unterstützung aus Stuttgart bekommen. Quelle: REUTERS

Mit seiner Tochter Mercedes-Benz steigt Daimler beim kriselnden britischen Luxuswagenhersteller Aston Martin Lagonda ein. Die Schwaben werden so zum zweitgrößten Anteilseigner. Und die Briten hoffen auf mehr Umsatz.

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Schon seit Jahren kaufen sich deutsche Automobilkonzerne quer durch die britische Autoindustrie. Bentley, Mini, Rolls Royce – sie alle sind so britisch wie die Queen und Kartoffelchips mit Essiggeschmack, werden aber seit einigen Jahren unter deutscher Regie gebaut. Jetzt gerät auch James Bonds bevorzugter Firmenwagen-Lieferant – zumindest verstärkt – in deutsche Hand: Mercedes-Benz steigt im großen Stil bei Aston Martin ein.

Im Rahmen einer ausgebauten Partnerschaft soll Mercedes-Benz dem angeschlagenen Traditions-Sportwagenhersteller in Zukunft technologisch unter die Arme greifen. Im Gegenzug erhält Mercedes neue Aktien in einem Wert von 286 Millionen Pfund, die in den kommenden drei Jahren herausgegeben werden sollen. Mercedes-Benz hält derzeit 2,6 Prozent der Anteile an dem britischen Autobauer. Dieser Anteil soll so auf bis zu 20 Prozent erhöht werden. Die Schwaben werden somit zum zunächst zweitgrößten Anteilseigner von Aston Martin.

Bei der Bekanntgabe der Entscheidung am Dienstagabend war konkret die Rede von Hybrid- und Elektroantriebssträngen, die Mercedes-Benz bereitstellen soll. Geliefert werden sollten diese „zu vereinbarten kommerziellen Bedingungen“.

Aston Martin erhofft sich von der Partnerschaft offenbar nicht nur die Rettung vor einer drohenden Pleite, sondern auch einen Schub nach vorne. So soll die Zahl der verkauften Fahrzeuge bis 2025 auf 10.000 steigen. Der Umsatz soll auf zwei Milliarden Pfund erhöht werden, der EBDITA-Gewinn auf 500 Millionen Pfund. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lieferte der Sportwagenhersteller weniger als 6000 Autos aus.

Auf die Frage, welche Modelle oder Modellvarianten im Zusammenhang mit der ausgebauten Partnerschaft geplant sind, wich Aston Martins neuer CEO Tobias Moers bei einer telefonischen Pressekonferenz am Dienstagabend aus. Die ersten Fahrzeuge, in denen neue Mercedes-Benz-Komponenten verbaut sein sollen, könnten allerdings schon Ende des kommenden Jahres verkauft werden, fügte er hinzu. 2023 werde es dann vermutlich ein „Produkt-Feuerwerk“ geben, fügte er hinzu.

Aufsichtsratschef Lawrence Stroll sprach von „einem Moment des Wandels“. Der kanadische Formel-1-Milliardär hat mit seinem Investmentkonsortium Anfang des Jahres 16,7 Prozent der Anteile von Aston Martin übernommen und ist damit heute der größte Gesellschafter. Stroll deutete an, dass Aston Martin in den kommenden Jahren eine Reihe von „SUV-Produkten“ veröffentlichen werde. Erst kürzlich hat das Unternehmen mit dem DBX seinen ersten SUV veröffentlicht. 20 bis 30 Prozent der verkauften Modelle sollen bis 2024 Hybride sein, sagte Stroll. Ein vollelektronisches Modell werde nicht vor 2025 erwartet.


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Aston Martin und Mercedes-Benz arbeiten bereits seit 2013 zusammen. Die Mercedes-High-Performance-Tochter AMG hat seitdem unter anderem einen V8-Motor entwickelt, der in kleineren Aston Martins verbaut wird. Im Gegenzug erhielt Mercedes-Benz eine Kapitalbeteiligung in Höhe von 5 Prozent, die infolge mehrerer Finanzierungsrunden auf zuletzt 2,6 Prozent gesunken war.

Insider haben bereits seit Wochen gemunkelt, dass ein Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Aston Martin und Mercedes Benz oder gar eine Übernahme bevorstehen könnte. Schließlich war Astons Martins neuer CEO Tobias Moers, der seinen Job im Sommer antrat, zuvor Chef bei AMG. Bei der Pressekonferenz am Dienstag wies Moers jedoch Spekulationen zurück, dass er nach Großbritannien „vorgeschickt“ worden sein könnte, um eine Übernahme vorzubereiten. Er habe nach einer Einladung durch Stroll „auf eigenen Wunsch“ hin zu Aston Martin gewechselt, versicherte Moers.

Wie glaubwürdig es ist, dass Moers’ Wechsel zu Aston Martin wirklich überhaupt nichts mit möglichen Zukunftsplänen bei Mercedes-Benz zu tun hat, sei dahingestellt. Schließlich möchte sich Mercedes-Benz in Zukunft wieder verstärkt auf den Bau von Luxuskarossen konzentrieren. Schicke britische Sportwagen (oder teure Luxus-SUVs) würden da bestens ins Sortiment passen.



Aston Martin hatte schon vor der Coronapandemie Probleme mit enttäuschenden Verkaufszahlen und hohen Produktionskosten zu kämpfen. Unter anderem die hohen Entwicklungskosten für den DBX führten im vergangenen Jahr zu einem Verlust von über 100 Millionen Pfund. In der ersten Jahreshälfte dieses Jahres fuhr Aston Martin bereits Verluste in Höhe von 227 Millionen Pfund ein.

Ein Interesse daran, die Beteiligung an Aston Martin weiter zu auszubauen, habe Mercedes-Benz derzeit nicht, ließ der Konzern in einer Presseerklärung wissen. Sollten die Schwaben ihre Einstellung dazu ändern, säße praktischerweise schon ein ehemaliger Mercedes-Manager im Chefsessel bei Aston Martin.

Mehr zum Thema: Daimlers Luxuswette: Schafft Mercedes so die Wende?

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